Stoffe kaufen – französische Quellen

Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers
Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers: links Damast aus Damaskus und Südfrankreich, rechts Patchwork-Reste für künftige Reste-Projekte.

An Stoffmangel leide ich zugegeben nie. Regelmäßige Hamsterkäufe lassen die Augenbrauen meiner Umgebung in die Höhe fahren: Wann willst du das alles vernähen? Du hast doch schon so viel Stoff!

Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline...) und Stückgröße (richtig groß! Mittelgroß, Reststücke)
Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline…) und Stückgröße (richtig groß, mittelgroß, Reststücke)

Ja, erkläre ich dann. Aber dieser ! So eine schöne Farbe! Das Muster! Ein Super-Preis! Verlieren kann ich mich nicht nur auf Stoffmärkten und in schönen Läden, sondern auch im Internet. Jenseits der allbekannten deutschen Quellen gibt es dort auch französische Online-Händler, bei denen man Schönes entdecken kann. Das klappt auch (fast) ohne Sprachkenntnisse ganz gut, manche Händler haben sogar eine englische Seite (und das ist aus französischer Sicht wirklich keine Selbstversändlichkeit). Für den Notfall gibts für die Nicht-Francophonen ja den Google-Übersetzer oder Leo.

Meine liebsten französischen Stoffquellen möchte ich euch heute vorstellen. Eine kleine Shopping-Verführung zum Wochenende.

IMG_0452
Dieser schöne Stoff von Atelier Brunette über Annakabazaar ist eine Hemdbluse geworden.

Ich habe schon öfter schöne Stoffe bei Annakabazaar gefunden. Vor allem tolle Drucke gibt es (auf Baumwolle und auf Viskose-Mischungen), zum Beispiel die schönen Designs von Atelier Brunette (aus Cosmic Blue von AB hat sich SaSa gerade ein sehr schönes Kleid genäht). Derzeit ist übrigens Sale: Es gibt bis zu 50 Prozent …  Annakabazaar führt auch Kurzwaren (zum Beispiel schöne Schräg- und Paspelbänder), Schnitte (République du Chiffon und Aime comme Marie) und Zubehör. Was Versand und Zuverlässigkeit angeht, habe ich gute Erfahrungen gemacht; die Versandkosten liegen um 10 €, was auch nicht viel teurer ist als einmal länger in der Stadtmitte parken. Die Seite gibt’s auch auf Englisch.

Eine Riesenauswahl, aber nur auf Französisch, hat Fifi jolipois. Ich bin meist irgendwann so überwältigt, dass ich am Ende gar nichts bestelle. Es gibt dort Designerstoffe (viele schöne Muster von Liberty und Atelier Brunette bis Kaffee Fassett), Kurzwaren, Häkel- und Strickequipement. Bei den Stoffen findet man verschiedene Materialien und Qualitäten und – genauso fürs Kleider Schneidern wie für Patchwork. Zum Glück gibt es eine praktische Filterfunktion um das Riesenangebot übersichtlicher zu machen. Außerdem ist eine riesige Auswahl an Schnittmustern im Angebot (zum Beispiel Sew Over it, Deer and Doe, Papercut, Pauline Alice, By Hand London, Sewaholic…). Unklar sind mir die Versandkosten nach Deutschland (die muss man per Mail erfragen).

Manch anderer Onlinehändler hat zwar tolle Stoffe, aber relativ hohe Versandkosten, so dass ich die gefüllten Online-Einkaufskörbe meist wieder lösche, wenn die Versandkosten in Sicht kommen. So ging es mir schon öfter bei  versuchten Schnäppchenkäufen bei Ma petite mercerie und bei Cousette, wo man jeweils um die 15 € Versandkosten zahlt. Beide Shops haben aber schöne – wenn auch nicht besonders billige – Stoffe; bei Cousette mag ich besonders die schönen Woll-Flanell-Qualitäten gerne. Da werde ich im Herbst sicher mal zuschlagen.

Schöne Druckstoffe findet man bei France Duval-Stalla. Neben ihren eigenen Designs verkauft sie japanische Stoffe, Liberty, Aime comme Marie und andere. Die meisten Designs haben relativ zurückhaltende, pudrige Farben – es geht deutlich dezenter zu als in der deutschen Stoffdesigner-Szene. Mehr als bei uns bemerkt man hier übrigens die Ananas-Druck-Mode. Die Stoffe sind nicht besonders billig, aber derzeit ist einiges reduziert („soldes“). Die Auswahl ist sehr geschmackvoll und inspirierend. Das gilt auch für die Schräg-, Paspel- und sonstigen Bänder. Der Gedanke an Liberty-Paspel mit Uni-Stoff gefällt mir richtig gut… Die Versandkosten liegen ebenfalls um 15 €.

stoffkauf verändert
Coupons de St. Pierre am Montmartre in Paris ist ein tolles Stoff-Wühl-Geschäft. Aber auch das Online-Angebot ist groß

Ebenso viel zahlt man bei Coupons de St. Pierre – die Adresse finde ich trotzdem sehr charmant, denn es handelt sich um eines der schönen Pariser Stoffgeschäfte am Fuße des Montmartre-Hügels. Wenn man gerade nicht im wahren Leben dort in den Tischen voller 3m-Coupons wühlen kann, dann wenigstens im Internet. Hier findet ihr Kleiderstoffe aller Art: Jeans, Krepp, Satin, Seide, Baumwoll-Voile, Jersey, Spitze, sogar Leder. Das meiste wird, wie im Laden, als 3m-Coupon verkauft, es gibt aber auch Meterware, außerdem Schnitte und Kurzwaren.

Was haltet ihr von solche Online-Stoffparadiesen? Seid ihr Fans der großen Auswahl? Oder besteht ihr aufs Anfassen von Stoffen im echten Leben?

Stoffe kaufen in Paris

SAM_2016
Ein Stoffladen am anderen: Das ist Paris für Nähnerds

Paris ist nicht nur Modemetropole sondern auch Sehnsuchtsort für Stoffkäufer. Natürlich gibt es zahllose Stoffgeschäfte für alle Geschmäcker und Geldbeutel überall in der französischen Hauptstadt – das Eldorado allerdings liegt direkt unterhalb des Montmartre-Hügels, wenige Schritte vom Bahnhof der Zahnradbahn, die die Touristen zur Kirche Sacre Coeur hinaufffährt.

Rund um den Place St. Pierre reiht sich ein Stoffladen an den anderen. Kleine Klitschen mit riesigen Wühltischbergen,Lädchen, die alle Zutaten fürs nächste Bauchtanzkostüm bereit halten, Knopfschatzkisten und viele, viele, viele Stoffläden. Modestoffe vor allem, Patchwork und Kurzwaren zwischendrin. Viele Läden verkaufen Coupons – ein, zwei, drei Meter, schon fertig ausgezeichnet. Das macht das Einkaufen praktisch und schnell. „Au Bonheur des dames“ lese ich an einem Laden – das Glück der Damen, das stimmt auf jeden Fall.

Charme der 50er Jahre

Ein Höhepunkt: Dreyfus – fünf Stockwerke Altehrwürdigkeit, ein Interieur aus den 50er Jahren und alles, was das Herz begehrt. Modestoffe aller Art, Farben, Muster, auch Möbelstoffe, die zu tolllen Taschen oder Jacken werden könnten. Allein für die Inneneinrichtung aus der Nachkriegszeit lohnt sich der Besuch – Vintagefeeling für Stoffkäufer.

stoffkauf verändert
Atemholen im Einkaufstaumel unter dem Pariser Montmartre

Bei Reine – deutsch: Königin –  in direkter Nachbarschaft gehts edler zu. Tischeweise Liberty-Drucke, bunte Seidenträume, die schnell zerplatzen, wenn man aufs Preisschild schaut. Hier gibt es alles. Und nichts, das es nicht gibt.

Chance für graue Mäuse

Mein Lieblingsladen ist weder edel noch altehrwürdig. Coupons de St. Pierre verschafft mir Trüffelschweingefühle (übrigens auch im Internet…). Im Laden gibts vor allem Wühltische mit Drei-Meter-Coupons. 3 Meter grauer Jeansstretch oder bunter  Regenbogenpolyester für 5 Euro, 3 Meter Madraskaro oder Baumwolldruck für 7 oder 10 Euro. Die Qualitäten sind ordentlich und die Preise super. Bei Coupons de St. Pierre gebe ich auch den Stoffen eine Chance, die in dem textilen Überfluss eigentlich langweilig sind. Aber gerade diese grauen Mäuse des Stoffkaufwunderlandes werden später zu geliebten Basics.

Am Ende darf voIMG_0424n vielem etwas mit: den grauen Jeansstoff nehme ich, den Regenbogenpolyester auch, außerdem einen Lieblings-dunkelblauen Bouclé, lindgrünen Chiffon (wie bin ich auf die Idee gekommen???), einen Toile deIMG_0426 Jouy-Druck aus der Möbelabteilung von Dreyfus, der mal eine Jeansjacke werden soll und dazu einen prachtvollen Kelimstoff – aus dem irgendwann einmal meine Lieblings-Herbstjacke wird.