Ein Partner für Hollyburn

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Astoria mit Hollyburn – prima Partner

Hollyburn mag ich gern. Drei Stück hängen in meinem Schrank, ein blauer aus Wolle, ein roter aus Crepe und ein Sommerrock aus blauem Leinen. Es können gerne auch noch welche dazukommen. Aber das passende Oberteil zu finden fand ich oft nicht leicht – zumindest, wenn ich mal kein Shirt in den Bund stecken möchte.

Bei Dana von cutiecakeswelt habe ich kürzlich die Antwort auf die Frage nach Hollyburns perfektem Partner gefunden. Astoria von Seamwork. Der taillenkurze Pulli ergänzt die Silhouette des schwingenden Rockes ideal.  Also habe ich eine langehegte Skepsis gegenüber kurzen Oberteilen beiseitegeschoben, mich bei Seamwork angemeldet und losgelegt.

Der Schnitt ist simpel, aber dennoch formschön, außerdem schnell und einfach genäht. Das Astoria-Probeteil besteht aus einem wollweiß/grauweißen Stoff undefinierbarer Zusammensetzung, ein leicht leicht kratziger Strick, von dem ich mir nicht erkären kann, wie er in mein Stofflager geraten ist. Er ließ sich gut verarbeiten, trägt sich ok und passt farblich gut zum roten Hollyburn (zum dunkelblauen sowieso).

Ich bin sehr froh mit der Entdeckung – danke, Dana! Die nächsten zwei Exemplare sind schon geplant. Denn schließlich passt Astoria auch gut zu meiner Marlenehose und anderen Unterteilen, deren Bund etwas höher reicht.

Beim MeMadeMittwoch zeigen heute wie immer viele tolle Frauen selbstgenähte Sachen. Und Katharina tanzt in einer sensationellen Norweger-Strickjacke vor. Ich bin schwer beeindruckt.

 

Lehrreicher Wollrock mit Nadelstreifen

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Mit Pulli und Schal ist der lila Rock ein alltagstaugliches Winter-Outfit

Meine zeitmangelbedingte Blogpause endet heute mit einem interessanten Fall. Mein lila Wollrock (mit viel Spaß auf der Annäherung Süd 2016, dem Würzburger Näherinnentreffen gemacht) hat nämlich einige näherische Lektionen zu bieten.

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Senkrechte treffen waagerechte Nadelstreifen

Erste Lektion: der Schnitt. Bei der Annäherung hat eine Gruppe von Frauen den Vormittag beim Fabrikverkauf von Rene Lezard verbracht. Und dort nicht nur Stoffe und Kurzwaren gefunden, sondern auch Inspirationen. Bei mir war dies ein Wollrock, aus einem einzigen Stoffstück gemacht mit sehr reizvollem Streifenverlauf. In der vorderen Mitte trafen sich waagerechte und senkrechte Streifen des Nadelstreifenstoffes an der einzigen Naht des Rockes. Die Verarbeitung fand ich ebenso mager (simpler Gummibund, kein Futter) wie den Preis üppig (herabgesetzt noch gut 250 Euro). Also habe ich mich fürs Nach- und Bessermachen entschieden. Den Schnitt habe ich auf Grundlage eines Dreiviertel-Tellers selbst ausgetüftelt.

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Gepaspelter Reißverschluss mit Nadelstreifen

Zweite Lektion: der Reißverschluss. Einen Reißverschluss in der vorderen Mittelnaht wollte ich nicht, um den Streifeneffekt nicht zu zerstören. Weil sonst keine Naht vorhanden war, habe ich einen gepaspelten Reißverschluss genäht, ähnlich wie ein dreiseitiges Paspelknopfloch. Ich bin sehr zufrieden, wie ordentlich mir das mit dem Streifenverlauf gelungen ist.

Dritte Lektion: der Fall. Es stört mich nicht, aber ich finde es lehrreich, denn mein Rock führt ein Doppelleben. Tut er vorne so wie ein A-Linien-Rock fällt er auf meiner Rückseite schwingend wie ein Tellerrock. Ich bin sicher, das liegt an den unterschiedlichen Fadenläufen – senkrecht und waagerecht vorne, diagonal im Rückenbereich. An einem Stück kann man selten so deutlich sehen, wie großen Einfluss der Fadenlauf tatsachlich hat.

Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller - von vorne ist er A-Linie
Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller – von vorne ist er A-Linie

Vierte Lektion: die Farbe. Gekauft habe ich den Stoff im vergangenen Frühherbst bei einer Fahrt nach Brighton, vor allem, weil ich den wunderbaren, höhlenartigen, mit Stoffschätzen vollgestopften Laden nicht ohne einen Kauf verlassen wollte. Und auf Grau und Schwarz hatte ich einfach keine Lust. Also habe ich drei Meter des lilafarbenen Nadelstreifenstoffes mitgenommen und mich danach wochenlang gefragt, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Was trägt man schliesslich zu lila? Inzwischen habe ich mich mit der Farbe angefreundet und plane sogar eine kleine Jacke aus dem Reststück. Auch wenn ein ganzes Kostüm vielleicht doch ein bisschen too much lila ist…

Fünfte Lektion: die Kleinigkeiten. Die machen für mich oft den Unterschied zwischen einem tragbaren und einem geschätzten Kleidungsstück. Mein Rock hat ein schönes, farblich perfekt passendes Blümchenfutter aus Viskose (der Stoff stammt vom Annäherungs-Wühltisch, vielen Dank der unbekannten Spenderin!). Der Saum ist unsichtbar von Hand genäht, der Beleg ebenso (fast) unsichtbar von Hand befestigt. Das macht den Rock feiner und seriöser als gesteppte Nähte. Noch so eine feine Kleinigkeit ist mein kleines Couseuse-Schild. All diese Details sorgen dafür, dass ich besonders zufrieden bin mit diesem Rock. Wenn ich ihn trage , freue ich mich über mich, über den Rock und darüber dass ich nähen kann. Ein richtiger Gute-Laune-Garant für trübe Tage.

Wie andere Näherinnen dem Winter begegnen, könnt ihr heute wie jede Woche beim MeMadeMittwoch lesen.

Verlinkt bei AfterWorkSewing

Bunt statt grau

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Bunter Schal, dezenter Rock – das ist bequem und hebt meine Laune

Mit Farbe gegen graues Wetter – das ist heute mein MeMadeMittwochs-Motto. Für bunte Laune sorgt für allem mein Tuch, das entgegen dem derzeitigen Trend nicht gestrickt, sondern genäht ist. Und zwar von Hand. Technik: Reverse Appliqué nach Alabama Chanin. Zwei Schichten Jersey, auf der oberen Motive aufschabloniert, umstickt, im Innern ausgeschnitten. An den Kanten zusammengenäht. Voilà.

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Rock mit Hüftpasse – aber die Farbe stimmt auch auf diesem Foto nicht. Der Stoff ist aus lila und schwarzem Garn gewebt, aber völlig unfotogen.

Der Rest des Outfits kann sich angesichts des Schals zurückhalten. Schwarzes Kaufshirt, Strickjacke (heißt die Farbe Fuchsia? – auf jeden Fall passt sie zum Schal), ein selbstgenähter, älterer dunkellila Wollrock nach einem japanischen Schnitt. Der ist ein dezentes Passt-Immer-Kleidungsstück, dass netterweise auch gewisse Gewichtsschwankungen mitmacht – er rutscht dank Hüftpasse im Taillenbereich einfach ein bisschen höher oder tiefer. Echter Pluspunkt: Der Rockwandert im Lauf des Tages auch nicht um mich herum, wie so viele andere Röcke, die am Bund nicht ganz fest sitzen. Und so hole ich ihn in diesen winterlichen Märztagen gerne aus dem Schrank, wenn ich mal keine Lust auf Jeans habe.

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Der breite Schal macht das Outfit gemütlich und hilft bei Zugluft – das ist im Spätwinter besonders wichtig, wenn es rund um mich hustet und schnieft.

 

Hollyburn mit Briefmarkenshirt

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Der rote Hollyburn ist ein Rock für besonders weibliche Tage

Heute bin ich ein Ausrufezeichen. Ein weibliches Ausrufezeichen. Grund dafür ist mein neuer Hollyburn-Rock. Wenn er mir um die Beine schwingt, kommt es mir so vor, als schwinge ich die Hüften mehr als sonst. Ich komme mir so ungemein fraulich vor in diesem Rock. Das ist schön. Aber auch ungewohnt und manchmal ein bisschen verunsichernd. Nein, ich habe normalerweise keine Probleme mit dem Frau-Sein. Aber dieser Rock wirkt wie Glutamat: er verstärkt das alltägliche Erlebnis. Deswegen ist er für mich kein Rock für jeden Tag. Ich muss für so viel Fraulichkeit schon die richtige Stimmung haben.

Der Hollyburn besteht aus weinrotem Crepe vom Berliner Maybachufer. Der Crepe und daher auch der Rock haben einen schönen, schweren Fall. Wie viele andere – zuletzt habe ich bei Wiebke von Kreuzberger Nähte davon gelesen – habe ich ein Problem mit dem geraden Bund des Schnittes. Bei mir steht der in der Taille furchtbar ab. Deswegen bin ich bei diesem Rock auf einen Formbund ausgewichen. Diesen Bund – im Original von meiner Marlene-Hose – nähe ich inzwischen überall an, wo ein gerader Bund vorgesehen ist. Klappt wunderbar und sitzt viel besser.

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Der Rock lädt ein zum Hüftenschwingen. Und er schwingt fröhlich mit

Ich habe die schmalste Hollyburn-Form gewählt und den Saum mit Schrägband versäubert. Dadurch hat der Rock am Saum ein bisschen Stand – das trägt sicher zu der von mir als abenteuerlich weiblich-weit empfundenen Form bei.

2,20 Francs - die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch
2,20 Francs – die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch

Als Gegengewicht zum Rock bringt das Shirt heute ein bisschen Sportlichkeit ins Outfit. Den Ringeln sei dank. Das Shirt ist gekauft, das Motiv mit Hilfe von selbstgemachtem Freezer-Papier aufschabloniert. Wie das geht, habe ich in einer Anleitung erklärt – ich finde die Technik für kleine Dekorationen sehr praktisch und die Ergebnisse wirken sauber und professionell.

Die Idee mit der Briefmarken-Dekoration habe ich vor einer kleinen Ewigkeit bei  Susanne von Hamburger Liebe entdeckt. Sie hat mit einer englischen Briefmarke Sofakissen gestaltet. Für mich musste es natürlich eine französische sein.

imageFotografiert habe ich gestern in der Baustellenzone unseres Treppenhauses. Dort hält zurzeit nur der grüne Säulen-Gecko aus Pappmaché dem Chaos stand. Deswegen würdige ich ihn heute ganz besonders…

Keine Geckos aber immerhin tolle selbstgemachte Outfits findet ihr, wie immer, heute beim MeMadeMittwoch. Unter anderem zeigt Vortänzerin Katharina ein richtig schönes Streifenkleid, das auch noch blau-weiß ist. Das finde ich immer gut – schaut es euch mal an.

Blau, blau, blau sind alle meine Kleider

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Mit Alabama Chanin Poncho und Jupe Anemone muss ich mir heute nicht viele Gedanken machen – die kombinieren sich von selbst

Dunkelblau ist meine Leib- und Magenfarbe. Immer schon gewesen. Es gab Zeiten, da trug ich fast nur blau-weiße Ringel. Inzwischen haben sich meine farblichen Interessen deutlich verbreitert, dennoch bleibt dunkelblau ein Farb-Schwerpunkt in meinem Kleiderschrank. Es ist eben eine Passe-partout-Farbe – genauso wie für manche Leute schwarz.Mit Marineblau lässt sich (fast) jede andere Farbe tragen, Marine bildet einen Hintergrund für Muster und Strukturen und für mich eine Uniform, die immer geht. Passe partout eben.

Einen Nachteil hat Dunkelblau jedoch gegenüber schwarz. Es gibt unzählige Dunkel- und Marineblaus. Welche mit Graustich, mit Grün-Anklang, sogar mit Tendenz zu Violett. Und die Kombination von verschiedenen Dunkelblaus finde ich schwierig – oft sehen sie zusammen unharmonisch aus.
Bei meinem Poncho habe ich aus dem Problem eine Tugend gemacht und auf den (graustichig) marineblauen Untergrund lauter mehr oder weniger runde Formen in verschiedenen dunkelblau-Schattierungen genäht. Mich erinnern sie immer an Kiesel in einem Bachbett, so rundlich und gleichzeitig ungleichmäßig. Genäht habe ich mit royalblauem Knopflochgarn – nicht nur die Applikationen, sondern auch die eine Naht, die aus dem Jerseystreifen einen Poncho formt (die Anleitung stammt aus einem der Alabama-Chanin-Bücher).

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Den Zipfel des Ponchos kann man je nach aktuellem Wärme-Bedürfnis vorne, seitlich oder hinten tragen.

Der Poncho ist kein sehr gängiges Kleidungsstück. Ich werfe ihn mir gerne an Sommerabenden über ein Kleid oder benutze ihn in Übergangszeiten als Strickjacken- und Schalersatz. So auch heute, kombiniert mit gekaufter Streifenbluse und selbstgenähter Jupe Anemone (Deer & Doe). Die Anemone ist aus feingestreiftem graublauen Jeans und passt sich all den anderen Dunkelblaus gut an und ist auch ansonsten ein dankbares Kombiteil.

Die Vorzüge von (dunkel)blau könnt ihr heute auch bei der MeMadeMittwoch-Vorturnerin Muriel von Nahtzugabe 5cm bewundern. Das ist die Frau, die die Nähnerd-Gemeinde mit den wunderbaren Näh-Podcasts beglückt. Sie trägt heute ein tolles Kleid – natürlich blau gemustert – mit geheimnisvollem Band im Saum, das einen Petticoat-Effekt hervorruft. Steht ihr super.

Ich habe heute Nähzeit. Auf dem Plan steht eine Hose – klar: in dunkelblau.

Der (Alp)traum vom Waschleder-Rock

Das Glanzstück meiner Herbstgarderobe wollte ich heute beim MeMadeMittwoch stolz präsentieren. Cool und kombinierbar und dabei was ganz Besonderes: Ich sah diesen Rock schon viele Wochen  im Kopfkleiderschrank hängen. Dunkelblaues, ganz weiches Waschleder, eine interessante, aber immer noch klassische Form – ein Lieblingsstück.

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Der Schnitt: eine schlichte A-Form mit einem Stück Tellerrock (Teil 2). Das Ensemble fand ich vielversprechend

Der Schnitt ist aus der Fashion Style 5/15 – sehr reizvoll, fand ich. Angesichts der großen Erwartungen habe ich mich besonders sorgfältig und liebevoll ans Werk gemacht. Zuerst den passenden Stoff bestellt („dehnbares Kunst-Veloursleder“): Ich bekam eine wunderbare Pfirsichoberfläche und das Flutsch- und Dehnverhalten von richtig fiesem Viskosejersey. Also habe ich zugeschnitten und genäht wie mit rohen Eiern, denn schließlich sollte der Rock ja ein Highlight werden. Extra noch dehnbaren Futterstoff gekauft, einen kräftigen Baumwollstoff für den inneren Beleg ausgewählt, damit der Bund nicht weiter werden kann, mit viel Liebe den nahtverdeckten Reißverschluss eingenäht… ihr kennt das, wenn man einfach alles besonders gut und richtig machen will.

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Gnädigerweise ohne Foto: ungefähr das war das erste Problem des Alptraumrockes

Und dann das: erste Anprobe. Selten hat ein Rock mein Hinterteil so unvorteilhaft bekleidet wie dieser. Der schrie regelrecht: Hier ist die Problemzone! Alle mal herschauen! Untragbar. Und was im Schnitt wie ein cooler asymmetrischer Saum aussieht, wirkte an mir wie ein groteskes Versehen.

Ich habe meinen Traum vom Waschlederrock nicht aufgegeben, sondern den Bund um gut zwölf Zentimeter gekürzt und oben auf Taillenweite verschmälert. Effekt: mehr Weite an den Oberschenkeln, eine bessere Silhouette. Habt ihr schon mal versucht, einen abgeschnittenen nahtverdeckten Reißverschluss neu einzufädeln? Nein? Ich erspare euch die Details. Aber ich habe es geschafft.

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Auf den Fotos sieht der Rock merkwürdigerweise nicht ganz so entsetzlich aus wie in Wirklichkeit. In der Realität habe ich beim Fotografieren auch nicht gelächelt

Trotzdem: Der schiefe Saum sieht weiterhin merkwürdig aus. In der neuen Version steht der Bund hinten ab – und wie. Der Rock klebt immer noch am Po. Durch den weichen Waschlederstoff zeichnet sich jede Falte des Futterrocks ab (wieso wirft dieser dämliche Futterrock Falten?). Die restlichen zehn Zentimeter Reißverschluss reichen nicht, um den Rock vernünftig anzuziehen. Der Ehemann zieht die Augenbrauen hoch und schüttelt stumm den Kopf. Sieht komisch aus, sagen die Kinder.

Der Bund steht ab. Trotz sorgfältier Anpassung. Und der Reißverschluss ist auch zu kurz
Der Bund steht ab. Trotz sorgfältier Anpassung. Und der Reißverschluss ist auch zu kurz

Einen kurzen Hoffnungsschimmer bringen die Fotos vom Desaster. Die sehen doch gar nicht so übel aus, oder?, frage ich in die Runde. Aber nein. Der Spiegel sagt weiter: Alptraumrock. Ich habe die Nase voll. Kein wunderbarer Key Piece-Waschlederrock für die Couseuse. Ich habe keine Lust, einen neuen RV einzunähen, den Bund anzupassen – bloß damit der Rock später immer noch brüllt „Hinterteil! Reiterhosen! Saum ganz schief!“ Schluss. Aus. Ende. Der Rock findet ein unwürdiges Ende. Ganz unten in der Schublade mit den Recycling-Klamotten.

Ich nähe jetzt einen Hollyburn. Aus Crepe. Wer trägt schon Kunstleder.

Dass andere Näherinnen in letzter Zeit erfolgreicher zugange waren als ich, seht ihr zum Glück, wie jede Woche, beim MeMadeMittwoch.

Wahrnehmungsfragen – der Waxprint-Rock

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Wildes Afrikamuster – dieser Rock schreit laut „hier bin ich“

Manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, freue ich mich, wenn mich jemand anspricht. Jeder bekommt schließlich gerne Komplimente, Selbermacherinnen erst recht. Manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, freue ich mich, wenn mich niemand anspricht. Dann, so denke ich, war meine Kleidung so professionell genäht, dass keiner auch nur gemerkt hat, dass ich selbst am Werke war. Und manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, mache ich mir ein bisschen Sorgen, wenn mich niemand anspricht. Dann nämlich, wenn ich etwas trage, das laut schreit: Ich bin selbstgenäht!

Das sind Kleidungsstücke, die so ungewöhnlich sind, dass sie nicht aus einem Laden stammen können. Wenn dann keiner etwas sagt (und „das sieht interessant aus“ würde schon reichen), denn denke ich: die Klamotte muss so absonderlich sein, so schräg, dass einach keiner Gefahr laufen möchte, etwas Nettes sagen zu müssen (was wahrscheinlich nur Höflichkeit wäre).

 

Der Rock, der schreit
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Man munkelt, der Rock sei mit LSD-berauschten Dicken Bohnen verziert. Musterraten ist einfach immer wieder eine reizvolle Disziplin bei Waxprints

So ging es mir am Montag morgen, als ich zum ersten Mal meinen neuen Waxprint-Rock ausgeführt habe. Dieses Muster schreit schon aus 100 Metern Entfernung jedem morgenmüden Menschen zu: Hallo! Hier bin ich! Der Waxprint-Rock! Tapfer hat meine Umgebung das Geschrei des Kleidungsstückes ignoriert. Was soll ich davon halten?

Denn eigentlich finde ich ihn cool, meinen neuen Rock. Ich habe einen bewusst schlichten A-Schnitt ausgesucht, um so wenig wie möglich in dem Muster herumschneiden zu müssen. Nur zwei Abnäher hinten und eine hintere Mittelnaht, um den Reißverschluss unterzubringen. Und alles ist gut gegangen. Der Rock hat viele gute Gründe auf seiner Seite: Er passt. Er ist liebevoll gefüttert. Er besitzt einen perfekten nahtverdeckten Reißverschluss (kein Problem mehr mit meinem neuen Spezialfüßchen). Ich habe das wilde Muster erfolgreich kontrolliert – vor allem in der hinteren Mitte treffen die Motive, so finde ich, richtig gut aufeinander. Ich mag die Farben, ich mag das Muster. Aber trotzdem konnte ich eine leichte Verunsicherung nicht vermeiden.

Mein Selbstbewusstsein braucht Übung
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Auch im Dämmerlicht leuchten die berauschten Böhnchen. Und man sieht, dass mir die hintere Naht mustermäßig gelungen ist

Dennoch – oder gerade deswegen: als Training meines Näh-Selbstbewusstseins nämlich – ziehe ich den Wax-Rock heute am MeMadeMittwoch gleich wieder an. Die Damen in meinem Nähkurs sind mustermäßig – und mustergültig – abgebrüht. Mal sehen, ob sie was sagen zum Rock.

Wax-Rock in Kürze:
Schnitt: Simplicity 2/2013, Modell 29
Stoff: Waxprint angeblich belgischer Abstammung vom Saarbrücker Orientmarkt an Pfingsten, fünf Meter (ca. 1,10 m breit) für zehn Euro
Veränderungen: Ich habe den Rock in meinem Größenverlauf – 40 in der Taille auf 42 um die Hüften zugeschnitten und statt eines Beleges lieber meinen üblichen Bund angebaut (das ist der von der Marlenehose – Burda 8087). Sitzt besser.

Nun sind ja noch gute vier Meter wilder Print übrig. Ich liebäugele mit einer Jacke. Michelle wäre ein guter Schnitt – weil ohne alle Teilungsnähte.

Anemone macht froh

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Anemone – alltagstauglich

Heute ist MeMadeMittwoch und ich führe meine Jupe Anemone aus. Das Schnittmuster von Deer und Doe sitzt in der natürlichen Taille und besteht aus sechs Bahnen – dadurch lässt es sich den eigenen Kurven prima anpassen. Ich habe mich in der Taille milimeterweise an die ideale Passform herangenäht – da hatte zwar am Ende der Nahttrenner einiges zu tun, aber dafür sitzt der Rock jetzt super. Ich finde die hohe Taille ungemein gemütlich und der Rock fängt auch nicht an, im Laufe des Tages um mich herum zu wandern, wie es Röcke gerne tun, die auf der Hüfte sitzen.

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Bunter Bundbeleg – bequem und schön

 

 

 

 

 

Statt ihn zu füttern habe ich meiner Anemone einen Beleg verpasst. Das bringt ihm Innen-Farbe und ein bisschen mehr Stabilität im Bund – und bei mildem Wetter brauche ich auch kein Futter. Der Stoff ist ein feingestreifter Jeans – alltagstauglich, aber ein bisschen schicker. Das mag ich gern.

Überhaupt macht mich Anemone froh:

  1. Der Reißverschluss ist sowas von nahtverdeckt!

  2. Innen ist er schön bunt – und keiner außer mir weiß es!

  3. Der Saum ist unsichtbar handgenäht – c’est parfait!

Viele andere schöne, selbstgenähte Kleidung findet sich heute, wie jede Woche, beim MeMadeMittwoch. Und ich gehe jetzt nähen!

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Wunderbar unsichtbar: der Saum
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Reißverschluss – erfolreich unsichtbar eingenäht

 

 

Retro-Culotte – ein Abenteuer

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Mit Ringelshirt ist die Culotte bequem und alltagstauglich

Meinen ersten Me-Made-Mittwoch bestreite ich heute mit einem Näh-Abenteuer: meiner schwarzen Retro-Culotte. Schon vor einer Weile habe ich bei parvasedapta  ihren Bericht über die Rekonstruktion eines Hosenrockes von 1942 gelesen. Ich war fasziniert von dem tollen Schnittmusterfund und von der Vorgehensweise – einen Schnitt selbst aufzeichnen, nicht nur kopieren, ohne ausführliche Anleitung nähen. Und ich war sehr angetan von dem Kleidungsstück.

Also habe ich es versucht. Der Stoff ist eine schön fallende Wollmischung in schwarz, kombinationsfreundlich zu den meisten meiner Herbst-Winter-Frühlings-Übergangs-Oberteile (und schmeichelnd für meine Birnenfigur).

Am Schnitt habe ich nur eine kleine Veränderung vorgenommen und im Hüftbereich ein paar cm zugegeben – das hat sich als gute Idee erwiesen. Ein Schnittteil für den Taschenbeutel musste ich – mit Hilfe meiner Nähkurs-Lehrerin – ergänzen.

Der Bund des fertigen Hosenrocks hätte mir eigentlich weit über dem Nabel gesessen – fast direkt unter dem BH. Daher habe ich vor dem Anbringen des Taillenbelegs  gute zehn cm abgeschnitten und das Stück trägt sich immer noch mehr in der Taille als in der Hüfte – da hatte man früher wahrscheinlich andere Vorstellungen von gutem Sitz.

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Die Culotte macht alles mit und lässt (fast) alles mit sich machen

Ich bin sehr froh mit meiner Culotte. Der Hosenrock für die radelnde Dame von 1942 sieht fast aus wie ein Rock mit Kellerfalte. Aber er trägt sich praktischer – ich komme mir angezogener vor als im Rock. Das Teil ist dadurch sehr alltagstauglich. Im Herbst/Winter funktioniert der Hosenrock mit Stiefeln wunderbar und nun im Frühling lässt er sich auch mit Pumps oder Schnürschuhen kombinieren. Und ich plane schon eine frühlingshaftere Variante aus einem leichten Zickzack-Jeans.

Beim Nähen der Eingrifftaschen – deren eckige Form ich sehr schön finde – habe ich leider an der falschen Stelle zugenäht. Dadurch ist der Tascheneingriff miniklein geworden. Aber weil ich die Taschen sowieso nicht benutze, habe ich beschlossen, mir das Auftrennen zu sparen. So bleiben die Taschen eben klein.

Besonders zufrieden bin ich mit dem handgenähten Saum – der ist wirklich unsichtbar!

Ich bin sehr froh, dass ich nach langem Mitlesen jetzt auch aktiv beim MeMadeMittwoch dabei sein kann – und ich bin gespannt, was die anderen Näherinnen heute präsentieren!

 

Spring style – frisch und locker

Über Frühling und Stil wollen sich MamaMachtSachen und MarjaKatz mit uns austauschen – bei mir rennen sie offene Türen ein. Denn über Stil und meinen Kleiderschrank habe ich mir in letzter Zeit einige Gedanken gemacht. Schließlich will ich nicht Kleidung nähen, die mich später enttäuscht, weil sie mir nicht steht oder nicht zu mir passt. Und ich will nicht mehr (oder nur noch ganz selten) in die Schöne-Bunte-Muster-Jersey-Falle tappen, aus der ich dann verkleidet wie Pippi Langstrumpf wieder auftauche.

Angeregt von Colettes Wardrobe Architect habe ich deswegen versucht, meinen „Look“ zu beschreiben. So sollen meine Klamotten (und ich mit ihnen) aussehen: frisch, klar, entspannt, bequem und ein bisschen überraschend.

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Meine Akzentfarben für den Frühling

Außerdem habe ich Basis- und Akzentfarben für meinen Frühling festgelegt. Das sind allerdings keine Trendfarben, sondern die Farben, die ich sowieso im Frühling gerne trage. Ich bin da seit Jahren ziemlich konstant und wenig trendig. (Dunkel)blau, Weiß und Grau als Basis-Farben, dazu noch mehr Blau in allen Schattierungen, Türkis und Rot. Netterweise passen all diese Farben auch gut zusammen. Allerdings sehe ich das mit dem Farbschema eher als Hilfe denn als Regel und habe kein Problem, auch mal auszubrechen, wenn mich ein Stoff anlacht.

Mein Ziel ist es, auf dieser Grundlage eine Frühlingsgarderobe von Teilen zusammenzustellen, die gut zueinander passen und einfach zu kombinieren sind. Das wird dadurch erleichtert, dass ich bei der Arbeit oft Jeans trage – dann reicht ein besonderes Oberteil für das „Überraschende“ aus meinen Stil-Überlegungen.

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Meine Jupe Anemone aus gestreiftem Jeans
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Veste Michelle aus hellgrauem Jeans

Neben meinen Jeans soll mein neuer Rock Anemone nach dem Schnittmuster von Deer and Doe (super Passform – ich bin begeistert!) ein Basic sein. Fürs Obendrüber habe ich gerade den Blazer „Veste Michelle“ von République du chiffon fertiggestellt – aus hellgrauem Jeans (ganz preiswert in Paris gekauft) ist die Jacke nicht nur bequem und praktisch, sondern passt auch zu allem und sieht schön lässig aus. Michelle wird ein richtiges Lieblingsteil – das Schnittmuster und das französische Indie-Label RdC stelle ich euch demnächst mal ausführlich vor.

 

Liberty: blaue Teetassen
Liberty: blaue Teetassen
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Liberty: Englisches Landhaus mit Park – wundervoll!

 

 

 

 

 

 

Geplant sind für den Frühling ein neuer Hollyburn-Rock in rot und zwei Webware-Oberteile aus wunderschönen Liberty-Stoffen, die ich vor einer Weile billig bei Stragier bestellt habe. Ich habe gehörigen Respekt davor, die beiden anzuschneiden, denn der Stoff ist so schön glatt und das Muster so nett und die Farben so toll…

IMG_0452Außerdem habe ich gerade eine Hemdbluse aus Eiffelturmpopeline in Arbeit – ein absoluter Lieblingsstoff, den ich mit Netz und doppeltem Boden im Nähkurs verarbeite (minimiert das Risiko). Über die Stoffquelle, einen französischen Online-Shop, will ich euch demnächst berichten.

Ich hoffe, dass ich mit so viel Plan dann wirklich eine Frühjahrsgarderobe „aus einem Guss“ zusammenbekomme.

Was die anderen Damen sich für Frühlings-Stil-Gedanken machen, seht ihr hier.