Netz-Schätze

Toll präsentiert: das Hermes-Ensemble von La Petite Maison Couture
Toll präsentiert: das Hermes-Ensemble von La Petite Maison Couture

Ferientagentspannung – das steht heute auf meinem Programm. Ganz gemütlich an der experimentellen Konstruktionsbluse nähen, genüsslich in der Näh-Blogosphäre herumsurfen. Ich nutze die Gelegenheit und stelle einige inspirierende französische Nähblogs vor, die unter deutschen Nähnerds noch nicht gängig sind.

Eleganz aus Paris: Annie Coton

Annie Coton ist die erste Bloggerin, die ich euch ans Herz legen möchte. Sie näht viele französische Schnittmuster (Aime comme Marie, etwas weniger Republique du Chiffon, Pauline Alice) und weniger gängie Indie-Label wie Paprika Patterns oder Les Fusettes (das Retro-Kleid Perla finde ich wirklich reizvoll!). Dadurch sieht man bei ihr oft Modelle, die noch nicht zu Dutzdenden durch die deutsche Nähbloggerszene schwirren. Annie Coton zeigt ihre Kleider auf wundervollen Fotos – meist vor dem beneidenswerten Hintergrund Pariser Stadtansichten. Ich mag ihren Stil: schlicht, auf französische Weise elegant und damenhaft, ohne tantenhaft zu sein.

Am Ende jedes Artikels gibt sie eine Zusammenfassung über Schnitt, Stoffe, Materialien und Kosten – das ist ein sehr praktischer Service, wenn man mal keine Zeit hat, ihre gut geschriebenenen, oft sehr stimmungsvollen Posts zu lesen (oder wenn es an den Sprachkenntnissen hapert). Für mich sehr nützlich und informativ waren ihre Posts über Stoffeigenschaften und -qualitäten (Webarten, Fasern, die berühmten Anbrenn-Tests) und die tolle tabellarische PDF-Zusammenfassung zum Thema.

Bilder für die Kollektion: Clopiano
Eine Kollektion von Mathilde
Eine Kollektion von Clothilde
Grau ist eine Lieblinigfarbe von Clothilde - das Schnittmuster "I want Candy" ist gratis, hier ist der Link: http://essais_erreurs.eklablog.com/a-jellybaby-a113029582
Grau ist eine Lieblingsfarbe von Clothilde – das Schnittmuster „I want Candy“ ist gratis, hier ist der Link: http://essais_erreurs.eklablog.com/a-jellybaby-a113029582

Bei Clothilde, die ebenfalls gerne diverse Indie-Schnitte näht, habe ich den Hinweis auf ein sehr nützliches Tool entdeckt. Sie hat sich vorgenommen, geplanter zu nähen (ein klarer Fall von Kopfnähen also, aber garantiert ohne Genussverlust!) und zwei Mal im Jahr eine kleine Nähkollektion aus Schnittmustern und passenden Stoffen zusammenzustellen, die sie dann nach und nach umsetzt. Für die Darstellung der Kollektion benutzt sie das Tool Inkskape und bietet ein ausführliches Tutorium dazu an. Darin erfährt man, wie man die technischen Zeichnungen von Schnitten aus dem Netz mit Farben/Stoffmustern füllt – ich habe es kürzlich ausprobiert: spannend!

Im Blog Master Class Couture bietet Clothilde mit einer Mit-Bloggerin außerdem illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Tipps zu Indie-Schnittmustern an (die ich aber noch nicht getestet habe).

Styling und Stil: La Petite Maison Couture
blaues kleid petitemaisoncouture
Cool gestyled und schön fotografiert – so macht das blaue Kleid viel her

LaPetiteMaisonCouture näht, weil sie kein Fashion Victim – Opfer der Modeindustrie – mehr sein will. Sie hat Spaß daran, nähend Kleidung vom dem Kopfkleiderschrank in den echten Schrank zu bringen und in der Näh-Blogosphäre Anregungen zu finden. Ich mag ihren Mut zu Mustern, zum Beispiel auf dem Wassermelonenshirt und der Oma-Blumen-Keana Bluse von Named Clothing. Und ich bewundere ihren Sinn für Stil und Styling – etwa beim blauen Kleid, dem Mantel Gerard oder dem tollen Hermès-Ensemble – die Fotos könnten aus einer besonders coolen Illustrierten stammen und machen das Schmökern in ihrem Blog zum Vergnügen. Was die Schnittmuster angeht, finden sich Indie-Schnitte, Burda und selbstgemachte Varianten. Für mich ein richtiges Bilderbuch unter den Nähblogs (und ich mag Bilderbücher).

Der Mantel Gerard, ausgeführt in den Straßen von Paris
Der Mantel Gerard, ausgeführt in den Straßen von Paris

Und noch ein Plus bei LaPetiteMaisonCouture: eine kleine Linkliste mit teilweise wenig bekannten Schnittmusteranbietern. Bei PurlBee zum Beispiel findet sich ein Wickelkleid, das wunderbar als (Weihnachts-)Morgenmantel durchgeht – irgenwo habe ich gerade gelesen, das die Morgen/Bade/Hausmäntel unter Nähnerds im Kommen sind. Ganz entzückt bin ich als nicht-unbedingt-Vintage-Verfechterin von Decades of style und ihre wunderbaren Schnittmuster von den 1920ern bis zu den 50ern – da findet man wirklich besondere Schnitte!

Vintage-Queen: Lilacs & Lace
Ein schönes Vintage-Ensemble von Laura Mae
Ein schönes Vintage-Ensemble von Laura Mae

Apropos Vintage. Er ist zwar nicht frankophon, aber wundervoll inspirierend: der Blog Lilacs & Lace von Laura Mae. Sie zeigt toll genähte Vintage-Kleider und ganze Ensembles in Alabama Chanin-Handnäherei – sensationell. Außerdem beeindrucken mich ihre Verarbeitungstechniken sehr (sie füttert einen Rock mit Seidenorganza … das übersteigt meinen Horizont – but I’m deeply impressed). Auf Lilacs and Lace finden sich außerdem regelmäßig Informationen über neue Vintage-Schnitte und gut erklärte Tutorials (zum Beispiel zum ominösen Seidenorganza…). Die vielen schönen Fotos von Laura Mae laden mich zum Schmökern ein.

Ein Alabama Chanin-Ensemble - ich bin beeindruckt von so viel fleißiger Handarbeit!
Ein Alabama Chanin-Ensemble – ich bin beeindruckt von so viel fleißiger Handarbeit!

Interessanterweise bekomme ich dabei richtig Lust, das eine oder andere Vintagekleid zu nähen. Das wäre ein klarer Fall von Herznähen, denn alltagstauglich sind die Roben nicht, in die ich mich da gerade vergucke. Vielleicht ein guter Plan fürs Weihnachtskleid, so wie es SaSa kürzlich vorgeschlagen hat: „beim Weihnachtskleid-Sew-Along, etwas Luxuriöses (oder eigentlich Unnötiges) für sich zu nähen“. Vogue 9126 vielleicht – oder noch besser Vogue 9127?

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