Spring Style Along – der Plan

Was will ich? Das ist heute die Frage beim Spring Style Along von Alex – Handmade glamour. Everyday. Ich habe einen ziemlich präzisen Plan – nur werde ich es sicher nicht schaffen, alle geplanten Teile zu nähen. Das macht aber nichts.

Jacken

Die kurze Jacke mit Perlenstickerei soll ein Kleid begleiten, der rote Blazer (Burda) klassische Jeden-Tag-Outfits aufpeppen

Ich wünsche mir einen handgenähten und verzierten Bolero als festliche Ergänzung zu einem Sommerkleid – zu tragen bei einer Kommunionsfeier Ende April.

Stand: Das Probeteil (nach einem ganz schlichten Schnitt von Alabam Chanin) ist genäht und ausprobiert. Die Ärmel sind etwas schmal zum Drüberziehen. Und etwas weniger kurz wäre vielleicht auch besser. Der Stoff (creme und eisblau) liegt schon bereit. Perlen auch.

Lust hätte ich auch, eine Blazer-artige Jacke zu nähen. Am liebsten in rot oder petrol. Derzeit gefällt mir dieses Burda-Modell (106A-082013-DL). Aber das schaffe ich zeitlich im Frühling wahrscheinlich nicht mehr.

Hosen und Kleider

Eine dunkelblaue Hose passt zu allem. Den Butterick-Kleiderschnitt habe ich erst kürzlich entdeckt

Ich habe gerade richtig Lust aufs Hosennähen. Ausprobieren möchte ich zuerst Claude von République du Chiffon. Der Schnitt ist nicht neu, mir aber gerade ein paar mal positiv aufgefallen, zum Beispiel bei „annexe dilettante“, „chocolat et vieilles dentelles“ und „Bee made“. Das Probeteil ist genäht und passt prima. Ob ich die karottige Form schmeichelhaft finde, weiß ich noch nicht. Deswegen will ich die „Echt-Hose“ einfach mal nähen. Als Stoff habe ich noch einen dunkelblauen, leicht stretchigen Twill im Schrank – das funktioniert hoffentlich gut.

Im Laufe des Jahres – aber sicher nicht mehr im Frühling – möchte ich auch gerne endlich eine Ginger-Jeans ausprobieren. Und die Thurlow Trousers von Sewaholic – der Schnitt liegt immerhin schon hier und ich könnte die Stoff- mit einer Schnittmuster-Diät verbinden. Egal welche zweite Hose es wird, hier muss ich sicher Stoff kaufen, denn an Stretch-Webware gibt mein Vorrat nicht viel her.

Das Kleid Butterick 6318 habe ich im Netz kürzlich irgendwo entdeckt. Ein Frühlingskleid mit Strickjacke für sonnige Tage soll es für mich werden. Aus meinem Lager fällt mir zu dem Schnitt der taubenblaugraue Pünktchenstoff ein, der schon seit mehreren Jahren auf Verarbeitung wartet. Allerdings habe ich nur zwei Meter und der Schnitt erfordert knapp drei. Mal schauen, ob ich das irgendwie hinkriege.

Oberteile

Geplant: Alma Blusen mit goldenen Punkten, roten Rosen und kleinen Blümchen

Ich lagere so viele schöne, gemusterte Baumwollstoffe für nette Sommeroberteile in meinem Stoffschrank, dass ich mich ernsthaft frage, wann ich die alle nähen und tragen soll. Der kleingemusterte weißgrundige Stoff mit türkis und rot (rechts im Bild) stammt vom Berliner Maybachufer-Markt. Eine ganz leicht gecrinkelte Viskose. Der pink-rot-geblümte Batist (Mitte) ist von Kaffe Fassett – eine ganz tolle, weiche Qualität. Der Stoff braucht einen Schnitt mit Geling-Garantie, weil ich ihn so wunderbar finde.

Für die allermeisten möglichen Oberteile gilt eines: sie brauchen ein schlichtes, unifarbenes Untendrunter. Davon habe ich eine ganze Reihe, meist in dunkelblau. Der Fake-Wickelrock für die Übergangszeit, der Leinen-Hollyburn und eine Kauf-Culotte wenn es warm wird.

Als erstes will ich den neuesten meiner Baumwoll-Blusen-Stoffe verarbeiten. Denn der liegt völlig außerhalb meines üblichen Schemas. Vielleicht finde ich ihn deswegen so spannend. Eine naturfarbene Webware mit goldenen Punkten von AnnaKaBazaar. Normalerweise lautet mein Prinzip: Naturfarben mag ich an mir nicht. Glitzer auf Klamotten geht gar nicht. Und Gold schon überhaupt nicht. Na also. Weil der Stoff für meine Verhältnisse also sehr innovativ ist, bleibe ich bei einem bewährten Schnitt und nähe eine Alma Bluse (Sewaholic). Die ist einfach sehr formschön.

Außerdem wünsche ich mir eine Bluse mit Matrosenkragen. Wahrscheinlich konstruiere ich den Kragen selbst und baue ihn an die Alma-Bluse dran.

Ein anderer reizvoller Schnitt, den ich gerade entdeckt habe ist „Cupidon“ des Schnittmusteranbieters „I am“- ein lockeres Pseudowickel-Oberteil mit Schalkragen. Das steht definitiv auch auf meiner Näh-Liste. Aber passenden Jersey müsste ich erst besorgen.

 

 

Näh-Bedarf fürs Frühjahr – Spring Style Along

mit bluse fertig
Bewährtes Frühlingsoutfit mit Bluse nach eigenem Schnitt – ein bisschen schick und nicht zu schräg

Schneeglöckchen blühen und die ersten Krokusse leuchten in der Wiese – die richtige Zeit, Nähpläne für den Frühling zu schmieden. Noch dazu hatte ich eine Woche Ferien, die To-Do-Liste ist rekordverdächtig abgearbeitet – da gehen die Gedanken neue Wege.

Den Anstoß hat SaSa gegeben, die in diesem Jahr bei Clothildes Näh-Projekt einer „garderobe capsule“ über das ganze Jahr mitmachen will. Das finde ich spannend, aber für mich derzeit zu langfristig. Außerdem habe ich seit einer Weile die Idee einer „Stoffdiät“ – also: Vorräte aufbrauchen statt neuer Stoffe kaufen – im Kopf. So streng wie Küstensocke, die die Stoffdiät als Gemeinschaftsaktion angestoßen hat, möchte ich dabei nicht mit mir sein – aber ein guter Vorsatz ist es allemal (und ich habe in den letzten Wochen schon drei Reste-Shirts für die Kinder genäht, außerdem einen Reste-Quilt fertiggestellt). Und jetzt treffe ich auch noch auf Alex‘ Neuauflage des Spring Style Along. Mit entspanntem Zeitplan. Und Anregungen zum reflektierten Nähen. Das ist genau das, was mir im Moment vorschwebt.

Starten will Alex mit einer Bestandsaufnahme. Was brauche ich? Eigentlich nichts. Das wird den meisten unter uns so gehen. Jede hat doch einen gut gefüllten Kleiderschrank. Wenn ich Nähprojekte plane, dann versuche ich zwar, gefühlte Lücken im Kleiderschrank zu füllen. Aber gleichzeitig bleibt Nähen als Hobby eben auch Selbstzweck. Also nähe ich auch Dinge, die ich nicht unbedingt brauche – wenn ich einen bestimmten Schnitt oder eine Silhouette ausprobieren möchte.

Bei meinen Frühlingsnähplänen treffen sich beide Motive.

Mein Alltag erfordert Kleidung, in der mich wohlfühle und in der ich mich bewegen kann. Besonders im Frühling gerne nach dem Zwiebelprinzip zusammengestellt, denn morgens ist mir oft kalt, aber wenn es wärmer wird, will ich nicht schwitzen. Ich brauch nichts Ausgeflipptes, nichts zu Enges, nichts zu Kurzes. „Schultauglich“ heißt das bei mir. Hosen und Röcke mit Shirts und Blusen, Kleider, Strickjacken, nicht zu formelle Drüberzieh-Jacken. Und ich liebe passende Schals, Strick- und andere Tücher dazu.

Konkreten Bedarf verursacht ein Event Ende April. Dann bin ich auf eine Kommunionsfeier eingeladen. Wenn das Wetter mitspielt, will ich eines meiner Sommerkleider tragen. Dazu hätte ich gern ein Drüberzieh-Teil, das schicker als eine Strickjacke ist und weniger formell als ein Blazer. Ich habe an einen Bolero gedacht. Vielleicht mit Reverse Appliqué nach Alabama Chanin.

Ansonsten möchte ich bei der Näh-Planung vor allem darauf achten, dass die neuen Teile zu denen passen, die ich habe und gerne trage. Also erst man einen Überblick verschaffen.

Hosen, Röcke, Kleider

Meine Frühlingsgarderobe enthält drei Kauf-Jeans (dunkelblau, mittelblau, grau) und eine marineblaue Marlene-Hose.

bild 4 blauer rock
Der Fake-Wickelrock braucht schicke Begleiter.

Als „Übergangs“Röcke hängen daneben eine Jupe Anemone aus graublauem Jeans und der dunkelblaue Fake-Wickelrock. Der rote Hollyburn ist ebenfalls frühlingstauglich, eventuell auch der dunkelblaue aus einem Wollmisch-Stoff.

Auch die beiden Waxprint-Röcke eignen sich für wärmere Frühlingstage, sind allerdings nicht gerade Kombinations-Wunder. Frühlingstauglich sind mit Strickjacke auch einige meiner Sommerkleider.

Insgesamt: Viel blau, viel uni – gute Voraussetzungen für die vorhandenen und geplanten gemusterten Oberteile.

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Jacke Michelle (République du chiffon) aus grauem Jeans, darunter meine Eiffelturm-Bluse

Oberteile

Mein Schrank enthält mehrere Hemdblusen mit langem und Dreiviertel-Ärmel (gekaufte Blusen, meine Paris-Bluse, die Paisley-Bluse nach dem selbst gemachten Schnitt) und zahlreiche Kauf-T-Shirts.

Kurzärmlige Kauf-Shirts habe ich genug. Ansonsten warten zwei Alma-Blusen mit kurzem Ärmel auf wärmeres Wetter: eine aus festem Baumwollstoff mit roten Punkten und eine aus türkis-rot gemusterter Popeline. Die gepunktete Bluse will ich jedes Jahr ausmisten, weil der Stoff eigentlich zu fest ist für eine Bluse. Aber ich mag das Muster so gerne, also gebe ich ihr doch jeden Frühling wieder Verlängerung.

Jacken

Kombifähige (Kauf-)Strickjacken besitze ich reichlich. Dunkelblau, schwarz, taupe, gelb, orange, stahlblau. Kein Bedarf vorhanden. Außerdem gibt es noch den kombinationsfreudigen Blazer Michelle aus grauem Jeansstoff, den ich im Frühling gerne trage. Eine weitere schicke Jacke wäre schon schön. Petrol oder rot, zu all den blauen Hosen und Röcken? Mal sehen.

Das Kleid mit dem Aber

Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle
Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle

Manchmal nähe ich ganz spontan. Ein Zeitfenster. Ein Stoff aus dem Vorrat. Ein bewährter Schnitt. Ein Wochenende, ein fertiges Stück. Oft bin ich dann sehr glücklich, wenn nach so viel Flow ein schönes, tragbares Lieblingsteil entstanden ist. Und wenn nicht, hatte ich wenigstens Spaß beim Tun.

Manchmal aber grübele ich wochenlang über einem Nähplan. Welchen von fünf ganz ähnlichen Schnitten ich verwende. Zu welcher Strickjacke das fertige Stück unbedingt oder nur eventuell passen soll. Ob der Stoff lieber dunkelblau, stahlblau, marineblau oder ganz gewagt anthrazit sein soll. Ob diese oder jene Qualität vom Online-Händler wohl vorzuziehen ist. Ob ich die Ärmel füttere oder nicht. Ob…ob…ob. Meist sind diese Obs mit lustvollen, langwierigen und teilweise selbstquälerischen Online-Recherchen verknüpft. Jede Information kann ja hilfreich sein, dem optimalen Kleidungsstück näherzukommen.

In die Kategorie der Grübel-Klamotten gehört das Kleid, das ich am Sonntag zum Familiengeburtstagsfest ausgeführt habe. Und trotz aller daran verschwendeten Gedanken ist das Kleid überhaupt nicht das geworden, was ich geplant habe.

Das Projekt

Genäht habe ich das Sew Over It Vintage Shirt Dress. Für mich zum zweiten Mal nach dem sommerlichen Koi-Kleid. Der Stoff ist eine dunkelblaue Wollmischung von Stoffe Zanderino (eine tolle, schön fallende Qualität), das Futter ist mittelblau und die altmodisch-charmanten Knöpfe stammen aus einem regionalen Stoffladen.

Der Plan

Geplant war ein schickes, aber vor allem alltagstaugliches Winterkleid. Kombinationsfreudig mit bunten Stricktüchern sollte es sein, ein Jeden-Tag-Webstoff-Kleid, das ich auch in der Schule tragen kann.

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Nein, das ist nicht die Ausgehuniform einer Stewardess

Das Ergebnis

Das Kleid ließ sich wunderbar nähen (zum größten Teil auf der AnNäherung Süd in Würzburg im Herbst; danach hat es noch gut drei Monate gebraucht, bis ich Lust auf die Knopflöcher hatte). Es sitzt prima und bequem, die Passform gefällt mir, die Silhouette auch. Die Säume sind von Hand angenäht und es ist mit dem Futter liebevoll verarbeitet. Ich bin stolz darauf.

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Mittelblaues Futter zu dunkelblauem Kleid – die Knöpfe passen in Wirklichkeit besser zum Stoff als auf dem Foto

Das Aber

Aber alltagstauglich komme ich mir in diesem Kleid nicht vor. Nicht in der puren Variante, die ich auf den Fotos zeige (damit man das Kleid sieht, nicht das Drumherum). Nicht mit groben Stiefeln, bunten Tüchern, nicht mit Gürtel oder Tuch um die Taille. „Noch eine Hornbrille auf die Nase dann kannst du als Fräulein Rottenmeier gehen“ – danke, lieber kleiner Bruder. „Ein schönes Kleid“, findet der Ehemann – „aber auf keinen Fall für die Schule“.

Ins Konzert habe ich das Kleid schon ausgeführt, für die Geburtstagsfeier war es wunderbar. Aber im Klassenzimmer würde ich mich (wahrscheinlich) overdressed fühlen. Jetzt habe ich statt eines Alltags- also ein Anlasskleid genäht. Trotz aller Grübeleien.

Kein Grund zum Jammern natürlich, denn ich finde das Kleid ganz wunderbar. Aber mal wieder ein Hinweis darauf, wie viel Überraschung doch immer wieder im Nähen steckt, aller Gedanken und Garderoben-Planungen zum Trotz. Schön finde ich das eigentlich. Und tröste mich damit, dass ich mir einfach noch ein Vintage Shirt Dress nähen muss. Diesmal garantiert alltagstauglich. Aus leichtem Jeans oder Chambray vielleicht und mit kurzen Armen.

Was andere Näherinnen mehr oder weniger geplant genäht haben, zeigen sie heute, wie immer, beim MeMadeMittwoch.

 

 

Meine kleine Herbstkollektion

Kollektion HerbstHeute zeige ich den Plan für eine kleine Herbstkollektion – entstanden aus bestimmten Nähwünschen und -experimenten (Schnittmuster selbst modifizieren zum Beispiel, ein handgenähtes Teil nach Alabama Chanin fertigstellen) und dem Bedürfnis, dass die genähten Stücke viele Kombipartner finden.

Das Bildmaterial ist das Ergebnis erster Experimente mit Inkscape, die ich für die Nähplanung recht vielversprechend finde.

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ein Kernstück meines Nähplans für den Herbst: die selbstentworfene Bluse

Objekt 1 heißt auch: die experimentelle Bluse. Hätte ich heute nicht so viele Blogs gelesen, wäre sie wahrscheinlich schon fertig. Die Bluse hat vorne und hinten je vier Falten im Taillenbereich und einen Tropfenausschnitt. Die ursprünglich geplanten Manschetten habe ich zugeschnitten, aber ich werde sie weglassen, damit die Bluse weniger nach alter Tante aussieht. Die Ärmel bleiben besser unten offen. Wie ich den Grundschnitt verändert habe, ist hier genau beschrieben.
Der Stoff ist ein ganz billiger, aber schön gemusterter Polyester. Fällt wunderbar weich und lässt sich gut verarbeiten. Wie er sich trägt, muss ich ausprobieren – ich habe mit Kunstfasern kaum Erfahrung. Als Probestoff für das Schnittmusterexperiment ist er auf jeden Fall ok.

Objekt 2 ist ein roter Hollyburn-Rock. Der Stoff, ein sanft-hellweinroter Crepe vom Berliner Maybachufer, wartet schon seit den Osterferien darauf, ein Hollyburn zu werden. Er passt, anders als auf der Illustration, wunderbar zum Stoff der Bluse.

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Objekt 3 – ein Hosenrock nach einem Schnitt von 1942

Objekt 3 ist eine Culotte nach dem 1942er-Schnitt – sieht aus wie ein Rock mit Kellerfalte und hängt in schwarz (im Herbst und Winter gerne getragen) schon seit letztem Winter in meinem Schrank. Der Stoff ist ein Fischgrat-Chambray vom blauen Kleid, den ich petrol überfärbt habe.

Objekt 4: eine schmale Hose aus dunkelblauer Gabardine – auf diese Näherfahrung bin ich sehr gespannt. Denn über Passformprobleme bei Hosen, insbesondere bei weiblicheren Hüften, habe ich leider schon so viel gelesen… Für einen Schnitt habe ich mich noch nicht entschieden. Mir gefallen viele Varianten der Sew Over it Ultimate Trousers, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Schnitt nicht zu eng für mich ist – besonders um die Hüfte und die Oberschenkel. Ähnliches gilt für die Ginger Jeans. Vielleicht lieber Simplicity 1696? Diese Version macht mir Appetit darauf. Wenn jemand von euch mit 1696 Erfahrung hat – ich bin dankbar für Hinweise.

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Basis-Schnitt mit dezentem Extra: die Blätter sind von Hand appliziert.

Objekt 5 ist schon fast fertig: ein schlichtes dunkelblaues Shirt mit handapplizierter Alabama-Chanin-Verzierung. Nur säumen muss ich es noch.

 

 

 

 

 

 

Ein Vorderteil meiner Alabama-Chanin-Jacke. Sie besteht aus zwei Lagen Jersey - petrol und dunkelblau - und wird komplett von Hand genäht
Ein Vorderteil meiner Alabama-Chanin-Jacke. Sie besteht aus zwei Lagen Jersey – petrol und dunkelblau – und wird komplett von Hand genäht

Objekt 6 ist schon seit Wochen in Arbeit. Mein Nähyoga-Sommerferien-Projekt. Es wird eine Alabama-Chanin-Jacke in Petrol mit Dunkelblau. Die Vorderteile habe ich komplett in Reverse Appliqué gearbeitet, den Rücken nur im Schulterbereich (daran sitze ich gerade an gemütlichen Abenden). Ob und wie ich die Ärmel besticke, weiß ich noch nicht.

Freiheit zur Veränderung

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Wie ein Gummiband kann ich beim Nähen meine Grenzen ausdehnen. Und feststellen, was mir guttut und was nicht

Veränderung hat Meike als neues Stichwort in die Runde der sommerphilosophierenden Näherinnen geworfen. Verändern wir unsere Kleidung, weil wir uns verändern? Oder verändert unsere Kleidung unser Ich? Ich vermute: Die Freiheit, uns immer wieder zu verändern, schaffen wir uns selbst. Indem wir nähen. Wer Kleidung kauft, muss aus dem wählen, was zu bekommen ist. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren ein schickes Outfit für eine besondere Gelegenheit einkaufen wollte. Ging nicht. Denn zu bekommen war in den üblichen Innenstadtläden nur Rüschen, Fransen, Volants und Tuniken, meist auch noch pastellfarbig-großgeblümt – all das hielt ich für indiskutabel. „Das ist die Mode in diesem Jahr“ war die Erklärung für das Shopping-Desaster.

Wer Kleidung näht, muss sich an keine Mode halten. Das verschafft unbegrenzte Möglichkeiten. Lang oder kurz, eng oder weit, gemustert oder uni, retro oder clean oder Chanel oder öko oder wie? So viel Freiheit! Und so viel Unabhängigkeit von dem, was in der Innenstadt „die Mode“ heißt.

Freiheit zum Ausprobieren

Was machen mit so viel Freiheit? Ich habe am Anfang meiner Näherei ganz viel herzgenäht. Ich habe spontanen Stimmungen nachgegeben, Ideen umgesetzt, Stile ausprobiert, in alle Richtungen gedacht und geschneidert und experimentiert (und das ein oder andere scheußliche Teil produziert – aber damals fand ich’s toll). Ich habe meine Freiheit genutzt und gedehnt wie ein Gummiband. Die einzigen Grenzen setze ich. Wenn ich feststelle, dass ich mich nicht mag oder nicht wohlfühle in einer Farbe, einer Silhouette, einem Kleidungsstück.

Je mehr ich dank all dieser näherischen Experimente über mich gelernt habe (und je mehr ich dabei über das Nähen gelernt habe), umso mehr habe ich angefangen, überlegter zu nähen. Weil ich ja besser wusste, was mir gefällt, was mir steht, was ich im Alltag gerne trage. Dieses Kopfnähen muss natürlich nicht langweilig sein – darauf haben Frau Lotterfix und Kuestensocke in ihren Kommentaren auf meine Überlegungen zum Kopf- und Herznähen ganz vehement und natürlich nicht zu Unrecht hingewiesen. Für mich wird es dann langweilig, wenn ich unbedingt etwas nähen muss – gegen vernünftiges Bedarfsnähen entwickle ich einen richtigen Widerstand. Oft finde ich Kopfnähen aber sehr spannend, weil ich mir gerne viele Gedanken darüber mache, wie ein Nähprojekt sich in den Kleiderschrank einfügt, wie ich es kombinieren kann, was ich zur Ergänzung auch noch nähen könnte.

Veränderung muss sein

Immer wieder schiebe ich  weiter auch Experimente ein, um festzustellen, wie weit ich bei den Farben, Formen, Mustern und Nähtechniken mein persönliches Gummiband dehnen kann und mag. Dieses Ausprobieren und Grenzen-testen gehört dazu, wenn man wächst und reift und älter wird. Und das Neu-Setzen von Grenzen ebenfalls. Insofern finde ich es ganz natürlich, dass sich auch die Stile schneidernder Frauen mit der Zeit entwickeln. Julia, Zsusa und Michou berichten gerade davon. Und in vielen Blogs kann man solche Veränderungen nachvollziehen, wenn man ein bisschen in die die Vergangenheit blättert (jedem seine eigene Modegeschichte – auch eine schöne Funktion von Blogs). Ich bin sicher: Der Kleiderschrank reift mit der Frau, die ihn füllt. Das muss so sein. 10 Jahre lang dieselbe sein und dieselben Kleider tragen – das wäre doch schrecklich! (Und was würden wir dann nur nähen?)

Mode setzt Grenzen

Weil ich als Näherin so viele Alternativen habe, kann ich auch die Entwicklungen der Mode als Angebot betrachten. Ich nehme, was mir gefällt. Und lasse den Rest liegen. Ich habe den Eindruck, dass ich viel unabhängiger von „der Mode“ bin, seit ich nähe. Mancher würde vielleicht sagen: Ich bin nicht mehr so modisch. Eben weil ich mir meine Alternativen schaffen kann. Ich lasse mich viel von dem inspirieren, was ich auf Blogs sehe und lese. Manchen Schnitt probiere ich dann auch aus und lasse den Lemming am Gummiband meiner Kleiderschrank-Grenzen ziehen. (Auch das ist meist Herznähen: So schön! Will ich auch haben! Ob mir das steht/passt/an mir gefällt?)

Der Unterschied von der Nähnerd- zur Innenstadt-Mode? In den Innenstädten gibt es keine Alternativen zum derzeit Angesagten (ja, in Berlin, da gibt es andere Läden. Junge Designer. Second Hand-Shops. Hier in der Provinz ist so was sehr rar). Kaufkleidung setzt mir und meinem Ich enge Grenzen. Meine Nähwelt hat solche Grenzen nicht. Auf ihren Blogs zeigen die Nähbloggerinnen immer wieder, was alles möglich ist. Denn alles ist möglich. Ich freue mich immer wieder über die Vielfalt die ich im Näh-Web entdecke. All das könnte ich auch tragen. Wenn ich wollte. Wenn ich will, dann probiere ich mal etwas aus. Vielleicht ist das dann der Anstoß zu einer neuen Veränderung. Ich freu mich drauf.

 

Vernunft und Gefühl

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Wenn ich nähe, bin ich hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Bauchgefühl. Leuchtend pinkfarbene Schlauchkleider und blaue Frisuren, wie unsere Nana sie trägt, liegen aber weit außerhalb meiner modischen Reichweite

Ich bin wie ein Seil, mit dem zwei Mannschaften tauziehen. Jede zieht in eine Richtung, so fest sie kann, und weil beide ungefähr gleich stark sind, ist der Wettkampf nie zuende. Ich hänge dazwischen fest. Beide Mannschaften füllen übrigens zahlreiche Nähblogs mit ihren Überlegungen. Die einen planen SWAPs (Sewing with a Plan), folgen dem Wardrobe Architect, durchdenken minimalistische Capsule Wardrobes, schneidern Wunschkleiderschränke, in denen alles zu allem passt und organisieren Style Alongs.

Die anderen nähen drauflos. Wilde Kreationen aus Waxprint, kunterbunte Blusen und Shirts aus diversen Kombistoffen, konsequente Retro-Garderoben, die in Berlin und Hamburg stylish wirken und in ländlichen Regionen zu Menschenaufläufen und Nachbarinnen-Herzinfarkten führen würden.

Mein Problem: Ich bin das Seil dazwischen. Ich sehe den Charme beider Mannschaften und ziehe mal auf der einen und mal auf der anderen Seite mit.

Eine Wortführerin der ersten Mannschaft war gerade wieder Sewing Galaxy, die dafür wirbt, die Kleider zu nähen, die zum eigenen Lebensstil passen und Nähpläne „auf Tauglichkeit“ zu prüfen. Das gilt sowohl für Schnitte – kein Cocktailkleid nähen, wenn man die Wochenenden am Fußballplatz verbringt – als auch für Farben und Muster. Ziel: Die selbstgenähten Kleider sollen zu dem passen, was schon im Schrank steckt. Das ist vernünftig, denn dann ziehe ich das Genähte auch an – regelmäßig, ohne verzweifelte Suche nach Kombipartnern und mit dem entspannten Gefühl stilistischer Sicherheit. Diese Mannschaft nenne ich Kopf-Näherinnen.

Als Mitglied der zweiten Mannschaft outet sich zum Beispiel Sophie, die auf Ada Spragg bloggt. Sie kokettiert damit, regelmäßig Kleidung zu nähen, die sie nicht trägt, die als Gesamtkunstwerk im Schrank hängt, ohne ausgeführt zu werden. Weil sie nicht passt – weder zu anderen Kleidungsstücken noch zu den Erfordernissen des Alltags. Sophie weiß um diese Schwäche und widersteht ihr nicht einmal halbherzig. Sie nähe so wie ein Teenager isst, so schreibt sie, der alles Mögliche in sich hineinstopft, wenn die Eltern mal übers Wochenende wegfahren. Gesund und bekömmlich ist so ein Verhalten nicht, vielmehr lustgesteuert und bestenfalls auch genießend. Wer so näht, kauft spontan und ohne Pläne die tollsten Musterstoffe und näht sich exotische Kleidungsstücke, die er vielleicht liebt, aber kaum trägt. Das sind die Herz-Näherinnen.

Für das Kopf-Nähen spricht der praktische Aspekt: Nähen und tragen sind dann zwei Seiten einer Medaille. Häufig näht der Kopf unifarbene Basic-Teile, die zu vielem passen und unauffällig sind. Zu meinen gern getragenen Kopf-Nähereien gehören der dunkelblaue Hollyburn-Rock, der schwarze Hosenrock, die blau-schwarze Bouclé-Jacke, die graue Veste Michelle.

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Gern getragene Basics: Hollyburn-Rock, Hosenrock, Veste Michelle, Bouclé-Jacke

Für das Herz-Nähen spricht Grundsätzliches. Nähen ist eine sinnliche Sache. Das Schwelgen in schönen Farben, spannenden Mustern und wundervoll anzufassenden Stoffen gehört einfach dazu. Wer sich das versagt, verpasst (zu) viel. Außerdem: Nur wer die eigenen Grenzen hin und wieder überschreitet, entwickelt sich weiter. Das gilt auch für Kleidung, die ja Ausdruck des eigenen Ich sein soll (spannende Gedanken dazu gibt’s zum Beispiel im kürzlich gehaltenen Vortrag von Meike alias Frau Crafteln). Ich muss neue Wege gehen, wenn ich neue Welten entdecken möchte. Und dazu gehört das Risiko, Irrwege und Sackgassen einzuschlagen.

Die Gefahr beim Kopf-Nähen: Zu viel Vernünftigkeit macht keinen Spaß, kann langweilig werden. Und Nähen ist schließlich mein Hobby, soll also Spaß machen. Weil Nähen meine Leidenschaft ist, ist es auch Selbstzweck. Bedarf also keiner Nützlichkeit. Sinn der Sache ist das Tun – das Tragen fertiger Kleider ist nur das Sahnehäubchen obendrauf.

Birgt das Herz-Nähen auch Gefahren? Der Verbrauch von Material und Zeit vielleicht, um Dinge herzustellen, die man hinterher nicht nutzt, sondern nur anhimmelt. Aber dieser Verbrauch ist keine Verschwendung – denn Nähen ist ja auch Selbstzweck. Und fast jeder Mensch hat Leidenschaften, die mehr Selbstzweck als nützlich sind: Figuren filzen, Decken häkeln, Fußballvereine unterstützen, Blumen ziehen, Zuckertortendekorationen formen, Tiffany-Objekte bauen, im Chor Lieder singen, sich im Yoga verrenken, in der Sauna schwitzen.

bunte kleider
Bunt und gewagt gemustert: das Koi-Kleid, mein neues Sommerkleid, der Waxprint-Rock

Zu meinen Herz-Nähereien gehören sicher das Koi-Kleid, der Waxprint-Rock, mein wildgemustertes Sommerkleid. Ob dies Irrwege sein werden oder neue Wege zu unbekannten Seiten meines Ichs, das weiß ich noch nicht. Bei anderen selbstgenähten Sachen bin ich schon sicher: sie haben mir geholfen, neue Seiten an mir zu entdecken. Das Kleid nach Butterick 5951 zum Beispiel. Ich hatte beim Nähen keine Ahnung ob ich so ein Kleid je tragen würde – und ich trage es. Gerne. Häufig. Mit wunderbarem Selbst-Gefühl.

Meist geht es mir also ganz gut, so hin- und hergerissen zwischen dem Kopf- und dem Herz-Nähen. Ich bin ein stabiles Seil. Für den Herbst habe ich mir vorgenommen, eine Mini“Kollektion“ zu schneidern, bei der nichts langweilig ist und alles zusammen passt. Auch Kopf und Herz sollen dann zusammenpassen. Mehr dazu bald.