Festtagsgewänder

Fein gemacht fürs Fest: Vintage Shirt dress und Alabama Chanin-Jacke

Etwas Neues und etwas altes zeige ich heute – aber keine Blumen, wie es das MeMadeMittwoch-Motto vorschlägt. Und das Foto ist auch nicht von einem Mittwoch, sondern vom Sonntag. Zu einer Feier unter Freunden habe ich mein Fräulein-Rottenmeier-Kleid (Sew Over it: Vintage Shirt dress) getragen und dazu meine neue Alabama-Chanin-Jacke (Schnitt: Alabama Chanin). Die besteht aus gedoppeltem Jersey. Die Kreise sind teilweise appliziert, teilweise gestickt und teilweise in Reverse Appliqué gearbeitet. Zum Schluss habe ich Perlchen aufgestickt. So ist eine ganz besondere Jacke entstanden. Nichts für jeden Tag, aber dafür für besondere Tage. Ich freue mich dran.

Detailansicht: viele verschiedene Kreisformen und Perlchen, Ton in Ton

Ich bin geflasht – Morgan Boyfriend Jeans

Die Morgan Jeans von Closet Case Patterns – ich finde die Passform prima. Und dabei ist hier noch fast nichts angepasst.

So begeistert war ich schon lange nicht mehr von einem Nähwerk – vom Prozess ebenso wie vom Ergebnis. Schon seit Tagen befinde ich mich im Jeans-Flow. Am Karfreitag zugeschnitten, am Ostermontag vormittags die letzten Fädchen abgeschnitten. Jeans Nr. 1 war fertig. Mittags die Stoffvorräte nach mehr Jeansstoff durchwühlt und nachmittags Jeans Nr. 2 angeschnitten. Und heute, am MeMadeMittwoch, ist sie fast fertig. Und ich schwebe im siebten Jeans-Himmel. Immer noch.

Handgenähter Bolero mit gewollt unregelmäßiger Rüsche

Heute zeige ich die Hose mit Kaufshirt und dunkelblauem Alabama-Chanin-Bolero mit dezentem Rüschendetail.

Der Schnitt: Die Morgan Jeans wird zwar als Boyfriend-Schnitt beschrieben – ich würde eher sagen, es ist eine ganz klassische, gerade geschnittene Jeans. So wie die, die ich vor 20 Jahren ständig getragen habe. Oben schmal, am Knöchel mit ein bisschen Luft. Der Schnitt ist für Stoffe ohne Stretch ausgelegt und besitzt eine Menge typischer Jeans-Details, die viele von Euch von der Ginger Jeans kennen werden. Absteppungen mit dickem Garn, Metallknopf, Nieten. Morgan hat weder einen tiefergelegten Schritt noch weiter geschnittene Oberschenkel – das verstehe ich eigentlich unter einer „Boyfriend-Jeans.“

Rückansicht: Warum die Hose auf dem Foto am Knie so merkwürdige Falten wirft, weiß ich nicht. Ich bilde mir ein, sie tut das im Normalfall nicht… Was mich begeistert: Der Bund passt und steht kein bisschen ab.

Die Anleitung: Ich habe mich brav an das Anleitungsheft gehalten und wurde mit einem problemlosen Näh-Erlebnis belohnt. Weil ich keine Knopfleiste, sondern einen Reißverschluss   wollte, habe ich mich für diesen Schritt am Ginger-Sewalong orientiert. So einfach und so erfolgreich habe ich noch nie einen Hosenreißverschluss eingenäht. Obwohl vor dem Start die Hürde „eine echte Jeans“ recht hoch erscheint: mit der tollen Anleitung von Closet Case Patterns ist die Sache ein Spaziergang.

Das Nähen: Wie in der Anleitung vorgeschlagen, habe ich mit drei Maschinen parallel gearbeitet.

Der komplette Nähpark in Aktion – wie gut, dass mein Nähtisch so viel Platz hat

Die Konstruktionsnähte hat meine alte Singer-Maschine gemacht, die Ziersteppungen mit dem dicken Garn die moderne Brother. Und zwischendurch bin ich zum Versäubern immer wieder an die Overlock-Maschine gewandert. Mit dem kompletten Maschinenpark ist mein großer Nähtisch zwar gut gefüllt – aber es ist wirklich schön, nicht immer wieder umfädeln zu müssen.

Entdeckungen: Ein Tipp aus der Morgan-Anleitung hat mir das Nähen sehr erleichtert. Ich habe Stellen, wo viele Nähte/Stoffschichten aufeinander treffen (zum Beispiel an den Gürtelschlaufen und an der Rückenpasse), mit einem Hammer platt gehämmert. So ließen sie sich deutlich besser absteppen, ganz ohne ausgelassene Stiche. Nur meine Familie hat sich gewundert, was ich da im Nähzimmer eigentlich treibe…

Sicheres Knopf-Einschlagen: der Dreifuß hilft dabei

Eine tolle Entdeckung meines Mannes ist dieses Prym-Gerät für das Einschlagen der Jeansknöpfe. Bisher hatte ich nie viel Glück mit Jeansknöpfen. Entweder ich habe zu sanft gehämmert und der Knopf saß zu locker. Oder ich habe zu fest geschlagen oder der Knopf hat sich verkantet und ist am Ende abgebrochen. Der Dreifuß sorgt jetzt dafür, dass der Knopf immer gut in Position bleibt und weil er sich nicht neigt, kann er auch nicht abbrechen. Für mich ein echter Durchbruch.

Meine Hose: Mein Stoff ist ein gestreifter Jeansstoff aus 100% Baumwolle vom örtlichen Stoffgeschäft. Trotz fehlenden Stretchs trägt sich die Hose nicht unbequem, sondern eher „so wie früher“. Für Taschen und Innenbund habe ich Reste eines bunten Baumwollstoffs benutzt. Die Absteppungen sind rot, was der Hose etwas Marine-Flair beschert – besonders im Sommer ist mir das immer sympathisch. Nieten hat die Hose noch nicht – die kommen aber im Laufe der Woche noch.

Außen blau-weiß gestreift, innen bunt gemustert. So macht die Hose schon beim Anziehen gute Laune

Genäht habe ich Größe 10 (Taille) bis 12 (Hüfte) – und nach dem ersten Heften und Anprobieren habe ich am Bund an den Seiten und vor allem an der hinteren Mitte noch einiges weggenommen. Kaufjeans stehen bei mir im Rücken immer ab – bei der selbstgemachten konnte ich das so verhindern.

Änderungen: Für Jeans Nr. 2 habe ich an den Schnittteilen von Hinterbein, Hüftpasse und Bund herumgebastelt, um die Passform zu verbessern.

Am Schnittteil für das hintere Hosenbein und an dem für die Hüftpasse habe ich an der hinteren Mitte jeweils einen Zentimeter Höhe hinzugefügt – das gibt mehr Platz für das Derrière.

Beim Hüftpassen-Teil habe ich an der Seite nach oben hin einen halben Zentimeter Weite weggenommen.

Bundstreifen: Im Rücken habe ich insgesamt etwas gekürzt, damit der Streifen noch zur Hüftpasse passt. Außerdem habe ich an der Oberkante noch extra Weite entfernt, so dass die Krümmung des Streifens nun sehr viel stärker ist. Dadurch steht der Bund nicht mehr ab. Das Schnittteil hat jetzt eine sehr eigentümliche Form – individuell eben.

Aufschneiden, spreizen, falten, kleben. Schnittbastelei an der Morgan Jeans.

Hose 2 aus einem Rest leicht stretchigen Jeansstoffes mit Streifenstruktur nähe ich nun mit all diesen Änderungen – und bin sehr, sehr gespannt auf das Ergebnis. Erste Anproben stimmen mich optimistisch.

 

 

 

 

Das Shrug-Experiment oder: Danke, Mama!

Lady Skater mit zweifarbigem Experimental-Shrug

Heute bin ich am Me-Made-Mittwoch außerdem Mama-made unterwegs. Über das universelle Lady-Skater-Kleid habe ich ein sehr experimentelles Strickstück geworfen, das meine Mutter kürzlich für mich gestrickt hat.

I Von hinten hat das Stricksstück einen gestreiften Zipfelkragen

Das Strickstück ist ein „Shrug & More“ von Martina Behm, der sich nicht nur als Jäckchen trägt. Ich kann ihn auch auf verschiedene Weise um meinen Hals schlingen, Arme oder Kopf durch Löcher stecken – kurz: das Ding lädt ein zum amüsanten Selbstverknoten. Gemütlich ist es auf jeden Fall. Ich mag die Kombination aus interessanter Form und gekonnter Farbaufteilung und den kleinen Dreieckskragen hinten. Und es macht schön warm am Hals – genau richtig bei diesem Übergangswetter.

Ich finde es toll, was meine Mutter, die zwar schon seit Jahrzehnten eine passionierte Strickerin, aber noch nicht besonders lange auch routinierte Internet-Nutzerin ist, im WWW an Neuem auftut. Wolle kaufen, Ideen finden, Anleitungen herunterladen, Blogs durchstöbern… und die Nutznießerin bin meist ich. „Schau mal, was x oder y für eine schöne Jacke gepostet hat“, sagt sie dann. „Soll ich nicht vielleicht…?“ Immer gerne, Mama. Und vielen, vielen Dank.

Auf diese Weise besitze ich inzwischen eine ansehnliche Kollektion von Lace-Schals und -Tüchern, Strickjacken, Pullis und Shrugs. Die nächste Eiszeit kann kommen und ich erwarte sie in kunstvollem Mama-Strick.

Das Kleid, das ich heute trage, ist ein unspektakulärer Lady-Skater aus Romanit vom Roten Faden.  Das Dunkelblau mit leichtem Lila-Stich heißt dort „Blaubeere“. Ich habe den Schnitt schon aus einigen Stoffen genäht (hier mehr dazu) und finde diesen bisher am besten geeignet. Genau die richtige Mischung aus Standfestigkeit und Dehnbarkeit. Das macht das Kleid bequem und gibt einen schönen Fall.

Das ist ein gemütliches Outfit für Übergangstage

Ein Partner für Hollyburn

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Astoria mit Hollyburn – prima Partner

Hollyburn mag ich gern. Drei Stück hängen in meinem Schrank, ein blauer aus Wolle, ein roter aus Crepe und ein Sommerrock aus blauem Leinen. Es können gerne auch noch welche dazukommen. Aber das passende Oberteil zu finden fand ich oft nicht leicht – zumindest, wenn ich mal kein Shirt in den Bund stecken möchte.

Bei Dana von cutiecakeswelt habe ich kürzlich die Antwort auf die Frage nach Hollyburns perfektem Partner gefunden. Astoria von Seamwork. Der taillenkurze Pulli ergänzt die Silhouette des schwingenden Rockes ideal.  Also habe ich eine langehegte Skepsis gegenüber kurzen Oberteilen beiseitegeschoben, mich bei Seamwork angemeldet und losgelegt.

Der Schnitt ist simpel, aber dennoch formschön, außerdem schnell und einfach genäht. Das Astoria-Probeteil besteht aus einem wollweiß/grauweißen Stoff undefinierbarer Zusammensetzung, ein leicht leicht kratziger Strick, von dem ich mir nicht erkären kann, wie er in mein Stofflager geraten ist. Er ließ sich gut verarbeiten, trägt sich ok und passt farblich gut zum roten Hollyburn (zum dunkelblauen sowieso).

Ich bin sehr froh mit der Entdeckung – danke, Dana! Die nächsten zwei Exemplare sind schon geplant. Denn schließlich passt Astoria auch gut zu meiner Marlenehose und anderen Unterteilen, deren Bund etwas höher reicht.

Beim MeMadeMittwoch zeigen heute wie immer viele tolle Frauen selbstgenähte Sachen. Und Katharina tanzt in einer sensationellen Norweger-Strickjacke vor. Ich bin schwer beeindruckt.

 

Lehrreicher Wollrock mit Nadelstreifen

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Mit Pulli und Schal ist der lila Rock ein alltagstaugliches Winter-Outfit

Meine zeitmangelbedingte Blogpause endet heute mit einem interessanten Fall. Mein lila Wollrock (mit viel Spaß auf der Annäherung Süd 2016, dem Würzburger Näherinnentreffen gemacht) hat nämlich einige näherische Lektionen zu bieten.

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Senkrechte treffen waagerechte Nadelstreifen

Erste Lektion: der Schnitt. Bei der Annäherung hat eine Gruppe von Frauen den Vormittag beim Fabrikverkauf von Rene Lezard verbracht. Und dort nicht nur Stoffe und Kurzwaren gefunden, sondern auch Inspirationen. Bei mir war dies ein Wollrock, aus einem einzigen Stoffstück gemacht mit sehr reizvollem Streifenverlauf. In der vorderen Mitte trafen sich waagerechte und senkrechte Streifen des Nadelstreifenstoffes an der einzigen Naht des Rockes. Die Verarbeitung fand ich ebenso mager (simpler Gummibund, kein Futter) wie den Preis üppig (herabgesetzt noch gut 250 Euro). Also habe ich mich fürs Nach- und Bessermachen entschieden. Den Schnitt habe ich auf Grundlage eines Dreiviertel-Tellers selbst ausgetüftelt.

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Gepaspelter Reißverschluss mit Nadelstreifen

Zweite Lektion: der Reißverschluss. Einen Reißverschluss in der vorderen Mittelnaht wollte ich nicht, um den Streifeneffekt nicht zu zerstören. Weil sonst keine Naht vorhanden war, habe ich einen gepaspelten Reißverschluss genäht, ähnlich wie ein dreiseitiges Paspelknopfloch. Ich bin sehr zufrieden, wie ordentlich mir das mit dem Streifenverlauf gelungen ist.

Dritte Lektion: der Fall. Es stört mich nicht, aber ich finde es lehrreich, denn mein Rock führt ein Doppelleben. Tut er vorne so wie ein A-Linien-Rock fällt er auf meiner Rückseite schwingend wie ein Tellerrock. Ich bin sicher, das liegt an den unterschiedlichen Fadenläufen – senkrecht und waagerecht vorne, diagonal im Rückenbereich. An einem Stück kann man selten so deutlich sehen, wie großen Einfluss der Fadenlauf tatsachlich hat.

Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller - von vorne ist er A-Linie
Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller – von vorne ist er A-Linie

Vierte Lektion: die Farbe. Gekauft habe ich den Stoff im vergangenen Frühherbst bei einer Fahrt nach Brighton, vor allem, weil ich den wunderbaren, höhlenartigen, mit Stoffschätzen vollgestopften Laden nicht ohne einen Kauf verlassen wollte. Und auf Grau und Schwarz hatte ich einfach keine Lust. Also habe ich drei Meter des lilafarbenen Nadelstreifenstoffes mitgenommen und mich danach wochenlang gefragt, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Was trägt man schliesslich zu lila? Inzwischen habe ich mich mit der Farbe angefreundet und plane sogar eine kleine Jacke aus dem Reststück. Auch wenn ein ganzes Kostüm vielleicht doch ein bisschen too much lila ist…

Fünfte Lektion: die Kleinigkeiten. Die machen für mich oft den Unterschied zwischen einem tragbaren und einem geschätzten Kleidungsstück. Mein Rock hat ein schönes, farblich perfekt passendes Blümchenfutter aus Viskose (der Stoff stammt vom Annäherungs-Wühltisch, vielen Dank der unbekannten Spenderin!). Der Saum ist unsichtbar von Hand genäht, der Beleg ebenso (fast) unsichtbar von Hand befestigt. Das macht den Rock feiner und seriöser als gesteppte Nähte. Noch so eine feine Kleinigkeit ist mein kleines Couseuse-Schild. All diese Details sorgen dafür, dass ich besonders zufrieden bin mit diesem Rock. Wenn ich ihn trage , freue ich mich über mich, über den Rock und darüber dass ich nähen kann. Ein richtiger Gute-Laune-Garant für trübe Tage.

Wie andere Näherinnen dem Winter begegnen, könnt ihr heute wie jede Woche beim MeMadeMittwoch lesen.

Verlinkt bei AfterWorkSewing

Bowline Sweater oder: vergnügliches Burrito-Nähen

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Die Drapierung ersetzt ein Teil des Halsbündchens und endet an der hinteren Ärmelnaht. Das Shirt hat Raglan-Ärmel

An einen Seemannsknoten soll die Drapierung am Vorderteil des Bowline Sweaters (Papercut Patterns) erinnern. Ein richtiger Knoten ist es allerdings nicht, sondern eher eine Verschlingung, eine angenähte, schön fallende Stoffröhre. Einen „Burrito“ soll man wickeln und zusammennähen, heißt es in der Anleitung.

Egal was nun genau da an der Schulter des Raglanshirts drapiert ist: Es ist sehr effektvoll, fällt schön und ist leicht zu nähen. Das Shirt näht sich bequem an einem Nachmittag, ein abwechslungsreiches Arbeiten mit schneller Belohnung.

Der Schnitt ist relativ leger ausgelegt, wer es gerne körpernah mag, sollte im Zweifel eine kleinere Größe nähen. Die Bündchen an Ärmeln und Saum sind recht breit und ergeben zusammen mit der Drapierung ein harmonisches Gesamtbild. Obwohl ich Bündchen eigentlich nicht sehr schätze und bei Shirts meist weglasse, gefallen sie mir beim Bowline Sweater gut, denn sie unterstützen den Faltenwurf. Die Ärmel sind relativ lang – in meiner zweiten Version habe ich sie um zwei Zentimeter gekürzt; das finde ich für mich optimal.

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Das Shirt fällt locker und bequem
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Faltenwurf im Detail – man näht einen Burrito und erhält eine Stoff-Röhre

Gestern habe ich meine zweite Version des Schnittes zum ersten Mal ausgeführt. Das Material: ein lockerer Jersey mit weißen Strukturen (Knötchen? Melierungen? Flammen?), sehr angenehm zu tragen und wunderbar frühlingshimmelblau (gekauft beim neuen örtlichen Stoffladen, der eigentlich auf Kinderstoffe spezialisiert ist). Ich habe mich sehr wohl in dem Shirt gefühlt.

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Probestück aus labrigem Strick, das im Laufe des Tages immer länger wird. Der Strickstoff ist so weich, dass sich die Drapierung immer mal von selbst weiter drapiert

Die erste Version – das Probestück – habe ich aus einem hübschen silbergrauen Strickstoff genäht, der leider einen sehr schlechten Charakter hat. Er ist dünn, laberig, verzieht sich leicht, wächst und dehnt sich ganz von selbst – ein grässliches Zeug, typischer Online-Fehlkauf. Aber immerhin:  Der Stoff fällt schön, was eigentlich eine gute Voraussetzung für den Schnitt ist. Und er ist, vor allem wenn es wärmer wird, angenehm zu tragen. Das Shirt trägt sich auch gut, wenn man davon absieht, dass es im Laufe eines Tages mindestens eine halbe Größe länger wird.

Auf den Bildern sieht man gut das unterschiedliche Fall-Verhalten der beiden Stoffe (und die zu langen Ärmel beim ersten Shirt).

Ich bin mit dem Schnitt noch nicht am Ende und möchte mich bald an einer maritimen Variante probieren. Diesmal frühlingshaft – aus Ringeljersey, ein bisschen schmaler, mit Dreiviertelärmeln und vielleicht ohne Bündchen. Der Stoff wartet schon.

Im Netz habe ich noch nicht viele Varianten des Schnittes gesehen, die meisten kommen aus Frankreich. Eine hübsche hat Svila genäht,  andere Les fils d’Emilie und Anne-Charlotte. Auch bei den Französinnen sieht man übrigens, dass unterschiedliche Stoffqualitäten die Drapierung ganz anders wirken lassen.

Am MeMadeMittwoch begleitet uns Näherinnen heute Burkhard in komplett selbstgemachtem Outfit. Ich finde es toll, einen Mann als Vortänzer zu haben und freue mich, wie jede Woche, auf den Laufsteg für selbstgemachte Kleidung echter Frauen.

Universelles Jogginghosenkleid

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Gemütlich, warm und wandelbar ist mein neues Sweatkleid

Ein richtiges Jogginghosenkleid begleitet mich heute durch den MeMadeMittwoch. Gemütlich, warm, ohne Nachdenken tragbar, in meiner Lieblingsfarbe dunkelblau. Ein Jeden-Tag-Sofa-oder-Job-Kleid. Viele gute Eigenschaften. Man könnte zwar denken, dem Kleid fehle einiges: Es ist nicht spektakulär, besitzt keine besondere Passform, keine nähtechnischen Finessen. Macht aber überhaupt nichts. Ich kombiniere es mit einer interessanten Kette oder einem schönen Tuch.

Der Schnitt ist Clean Lines aus Ottobre 5/2014. Ich habe die Querteilung auf Hüfthöhe weggelassen und dafür Vorder- und Hinterteil mit einer durchgehenden Mittelnaht versehen. Das wäre für den Zuschnitt nicht nötig gewesen, aber mir gefällt die Linie, die so entsteht. Diese Linie habe ich durch beidseitiges Absteppen mit Knopflochgarn betont. Auch den Beleg am Halsausschnitt habe ich einmal schmal und einmal breit abgesteppt.

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Kleid im Detail: ordentlich genähte Ziernähte an der vorderen Mitte und am Ausschnitt. Das hat mit dem Sweat besser geklappt als erwartet

Der feste dunkelblaue Sweat hat diese Ziernähte problemlos mitgemacht. Innen ist er kuschlig angeraut und damit ideal für die Morgenkälte dieser Tage. Damit das Kleid trotzdem schön fällt, habe ich mir einen Unterrock gekauft. Ich hätte sehr gerne einen genäht, aber ich konnte nirgendwo den flutschig-glatten (Poly?)Jersey finden, den man dafür braucht. Wenn jemand einen guten Tipp für eine Bezugsquelle hat, bin ich dankbar!

Am MeMadeMittwoch tummeln sich, wie immer, viele Frauen in toller selbstgenähter Kleidung. Angeführt werden sie von Sybille in einem sehenswerten, profimäßigen Trenchcoat. Schaut mal vorbei!

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Bunt statt grau

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Bunter Schal, dezenter Rock – das ist bequem und hebt meine Laune

Mit Farbe gegen graues Wetter – das ist heute mein MeMadeMittwochs-Motto. Für bunte Laune sorgt für allem mein Tuch, das entgegen dem derzeitigen Trend nicht gestrickt, sondern genäht ist. Und zwar von Hand. Technik: Reverse Appliqué nach Alabama Chanin. Zwei Schichten Jersey, auf der oberen Motive aufschabloniert, umstickt, im Innern ausgeschnitten. An den Kanten zusammengenäht. Voilà.

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Rock mit Hüftpasse – aber die Farbe stimmt auch auf diesem Foto nicht. Der Stoff ist aus lila und schwarzem Garn gewebt, aber völlig unfotogen.

Der Rest des Outfits kann sich angesichts des Schals zurückhalten. Schwarzes Kaufshirt, Strickjacke (heißt die Farbe Fuchsia? – auf jeden Fall passt sie zum Schal), ein selbstgenähter, älterer dunkellila Wollrock nach einem japanischen Schnitt. Der ist ein dezentes Passt-Immer-Kleidungsstück, dass netterweise auch gewisse Gewichtsschwankungen mitmacht – er rutscht dank Hüftpasse im Taillenbereich einfach ein bisschen höher oder tiefer. Echter Pluspunkt: Der Rockwandert im Lauf des Tages auch nicht um mich herum, wie so viele andere Röcke, die am Bund nicht ganz fest sitzen. Und so hole ich ihn in diesen winterlichen Märztagen gerne aus dem Schrank, wenn ich mal keine Lust auf Jeans habe.

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Der breite Schal macht das Outfit gemütlich und hilft bei Zugluft – das ist im Spätwinter besonders wichtig, wenn es rund um mich hustet und schnieft.

 

Das Kleid mit dem Aber

Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle
Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle

Manchmal nähe ich ganz spontan. Ein Zeitfenster. Ein Stoff aus dem Vorrat. Ein bewährter Schnitt. Ein Wochenende, ein fertiges Stück. Oft bin ich dann sehr glücklich, wenn nach so viel Flow ein schönes, tragbares Lieblingsteil entstanden ist. Und wenn nicht, hatte ich wenigstens Spaß beim Tun.

Manchmal aber grübele ich wochenlang über einem Nähplan. Welchen von fünf ganz ähnlichen Schnitten ich verwende. Zu welcher Strickjacke das fertige Stück unbedingt oder nur eventuell passen soll. Ob der Stoff lieber dunkelblau, stahlblau, marineblau oder ganz gewagt anthrazit sein soll. Ob diese oder jene Qualität vom Online-Händler wohl vorzuziehen ist. Ob ich die Ärmel füttere oder nicht. Ob…ob…ob. Meist sind diese Obs mit lustvollen, langwierigen und teilweise selbstquälerischen Online-Recherchen verknüpft. Jede Information kann ja hilfreich sein, dem optimalen Kleidungsstück näherzukommen.

In die Kategorie der Grübel-Klamotten gehört das Kleid, das ich am Sonntag zum Familiengeburtstagsfest ausgeführt habe. Und trotz aller daran verschwendeten Gedanken ist das Kleid überhaupt nicht das geworden, was ich geplant habe.

Das Projekt

Genäht habe ich das Sew Over It Vintage Shirt Dress. Für mich zum zweiten Mal nach dem sommerlichen Koi-Kleid. Der Stoff ist eine dunkelblaue Wollmischung von Stoffe Zanderino (eine tolle, schön fallende Qualität), das Futter ist mittelblau und die altmodisch-charmanten Knöpfe stammen aus einem regionalen Stoffladen.

Der Plan

Geplant war ein schickes, aber vor allem alltagstaugliches Winterkleid. Kombinationsfreudig mit bunten Stricktüchern sollte es sein, ein Jeden-Tag-Webstoff-Kleid, das ich auch in der Schule tragen kann.

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Nein, das ist nicht die Ausgehuniform einer Stewardess

Das Ergebnis

Das Kleid ließ sich wunderbar nähen (zum größten Teil auf der AnNäherung Süd in Würzburg im Herbst; danach hat es noch gut drei Monate gebraucht, bis ich Lust auf die Knopflöcher hatte). Es sitzt prima und bequem, die Passform gefällt mir, die Silhouette auch. Die Säume sind von Hand angenäht und es ist mit dem Futter liebevoll verarbeitet. Ich bin stolz darauf.

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Mittelblaues Futter zu dunkelblauem Kleid – die Knöpfe passen in Wirklichkeit besser zum Stoff als auf dem Foto

Das Aber

Aber alltagstauglich komme ich mir in diesem Kleid nicht vor. Nicht in der puren Variante, die ich auf den Fotos zeige (damit man das Kleid sieht, nicht das Drumherum). Nicht mit groben Stiefeln, bunten Tüchern, nicht mit Gürtel oder Tuch um die Taille. „Noch eine Hornbrille auf die Nase dann kannst du als Fräulein Rottenmeier gehen“ – danke, lieber kleiner Bruder. „Ein schönes Kleid“, findet der Ehemann – „aber auf keinen Fall für die Schule“.

Ins Konzert habe ich das Kleid schon ausgeführt, für die Geburtstagsfeier war es wunderbar. Aber im Klassenzimmer würde ich mich (wahrscheinlich) overdressed fühlen. Jetzt habe ich statt eines Alltags- also ein Anlasskleid genäht. Trotz aller Grübeleien.

Kein Grund zum Jammern natürlich, denn ich finde das Kleid ganz wunderbar. Aber mal wieder ein Hinweis darauf, wie viel Überraschung doch immer wieder im Nähen steckt, aller Gedanken und Garderoben-Planungen zum Trotz. Schön finde ich das eigentlich. Und tröste mich damit, dass ich mir einfach noch ein Vintage Shirt Dress nähen muss. Diesmal garantiert alltagstauglich. Aus leichtem Jeans oder Chambray vielleicht und mit kurzen Armen.

Was andere Näherinnen mehr oder weniger geplant genäht haben, zeigen sie heute, wie immer, beim MeMadeMittwoch.

 

 

Lady Skater fünf und Lektionen über Stoffe

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Aus weichem Wollstrick stören mich die Achselfalten kaum.

Ein ungeplantes Zeitfenster am Sonntagnachmittag und der Wunsch nach einem schnellen, sicheren Näherfolg – mein neues Lady Skater-Kleid ist das Ergebnis einer solchen glücklichen Konstellation. Nachmittags zugeschnitten und bei der Tagesschau die letzten Fäden vernäht. Wunderbar unkompliziert.
Es ist bereits das fünfte Kleid nach diesem Schnitt und dasjenige, an dem ich bisher am wenigsten zu mäkeln habe.
Der Stoff ist ein schwarz-silbergrauer kleingemusterter Wollstrick, den ich letztes Jahr preiswert bei Buttinette bestellt habe: ziemlich dehnbar und weich und mit entsprechender Verzieh-Gefahr. Am Schnitt habe ich inzwischen ziemlich viel herumgebastelt: der hintere Rücken ist gekürzt (hilft gegen Falten im Hohlkreuz), das Rockteil um ein paar Zentimeter verlängert. Auf die Brustabnäher vom letzten Mal habe ich wegen des weichen Stoffes verzichtet. Ich habe beschlossen, dass ich mit den paar Falten an den Achseln leben kann. Außerdem habe ich die Ärmel nach der ersten Anprobe einen guten Zentimeter schmaler gemacht und den Ausschnitt für mehr Gemütlichkeit deutlich kleiner zugeschnitten als vorgesehen.

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Gemütlich und winterwarm fühlt sich diese Variante des Lady Skaters an

Ich finde es lehrreich, meine Lady Skater nebeneinander zu stellen. Es lässt sich daran einiges über die Eigenschaften der verschiedenen Stoffe lernen. Und darüber, dass oft nicht der Schnitt Schuld ist, wenn ein Kleidungsstück nichts wird, sondern der Stoff.
Das Ur-Kleid aus labbrigem Viskosejersey hat direkt und ohne Umweg zum Fotografieren den Weg in den Kleidersack genommen. Der Stoff war zu weich, das Kleid zog sich deswegen beim Tragen immer mehr in die Länge und sah wie ein missratenes Nachthemd aus. Zu ersten Schnittanpassungen am hinteren Rücken hat das Modell allerdings getaugt.
Kleid zwei ist aus dunkelblauem Viskose-Romanit vom Roten Faden genäht (aber nicht fotografiert weil gerade im Waschzyklus des Hauses verschollen). Dieser Romanit ist ziemlich fest; entsprechend bilden sich besonders stabile (und mich störende) Falten an den Achseln. Der hintere Rücken ist immer noch ein bisschen lang. Der wenig dehnbare Stoff ließ sich trotz mehrerer Versuche nicht gut zum Bündchen nähen. Dieses bildet hartnäckige Falten, die sich nicht wegbügeln lassen. (Ja, der Bündchenstreifen war zu lang. Mit einem kürzeren Streifen zog sich der Halsausschnitt wie gerafft zusammen. Auch nicht besser.) Ärgerlich außerdem: Der Romanit fing an den Ärmelkanten schon nach dem zweiten Tragen an zu pillen. Trotzdem trage ich das Kleid gerne – vor allem wegen der unkomplizierten Farbe. Allerdings denke ich darüber nach, für den Frühling aus dem Kleid einen Rock zu machen. So wäre ich alle Probleme mit dem Oberteil los; ein dunkelblauer Rock geht immer und das Kleid könnte ich durch ein neues Exemplar aus einem anderen Stoff ersetzen.

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Der weiche Strickstoff wellt sich und macht den Rock ziemlich lappig (links). Der feste Sweat ist nicht ganz so gemütlich, fällt aber deutlich schöner (rechts).

Kleid drei besteht aus petrolfarbenem weichem Strickstoff unbekannter Zusammensetzung – charakterlich das Gegenteil des Romanits der Vorgängerversion. Der Stoff wellte sich beim Nähen, vor allem an den Ärmeln und an der Taillennaht. Mit meiner neuen Maschine wäre die Verarbeitung vielleicht besser geworden – vor allem dank des Obertransportfußes – aber die gute alte Singer kam mit dem Strick einfach nicht klar. Dieses Kleid trage ich wegen der unschönen Wellennähte nur zuhause – am liebsten an ungemütlich kalten Sonntagen auf dem Sofa.
Kleid vier ist mein AnNäherung Würzburg-Vorbereitungskleid. Es sollte ein gemütlicher Überwurf fürs fränkische Nähwochenende werden. Ich habe es aus petrolfarbenem Sweat von Buttinette genäht. Dieser Stoff ist ziemlich fest und wenig dehnbar. Ich habe Brustabnäher eingebaut, um die lästigen Falten unter den Achseln loszuwerden. Das hat aber nur eingeschränkt funktioniert. Weil ich aus unerfindlichen Gründen die Teile ohne Nahtzugabe zugeschnitten habe, sitzt das Oberteil grenzwertig eng. Außerdem ist der Halsausschnitt hinten so tief geraten, dass es mir ohne Tuch schnell kühl wird im Kleid. Den Halsausschnitt habe ich bei diesem Exemplar mit einem Beleg versäubert, um das Bündchenproblem vom dunkelblauen Kleid zu umgehen. Das scheint mir eine gute Lösung zu sein. Erst auf den Fotos fällt mir auf, dass der Rock aus Sweat deutlich schöner fällt als aus Strick – da sieht er schnell lappig aus.

Meine Erkenntnisse aus all diesen Kleidern:
Bei festen Stoffen finde ich die Faltenbildung störend, bei weichem Strick kaum. Dafür fällt der Rock mit weichem Strick nicht so schön. Da muss man Prioritäten setzen.
Aber auf keinen Fall Viskose-Jersey benutzen.
Ein Brustabnäher macht die Sache nicht viel besser.
Bei wenig dehnbaren Stoffen würde ich am Halsausschnitt statt Bündchen immer einen Beleg nähen.

Fürs Frühjahr will ich ein Exemplar aus Baumwolljersey nähen. Vielleicht aus Piqué. Und ich bin mal gespannt, wie sich der Schnitt damit benimmt.

Noch viel mehr über Näherfahrungen, sehr und vielleicht auch mal weniger gelungene, findet ihr wie jede Woche hier beim MeMadeMittwoch.