Oben ohne – Bundfalten aus einem Schnitt entfernen (1)

Ich mag keine Bundfalten. Überhaupt nicht. Und Schnitte, die Bundfalten enthalten, habe ich bisher immer als indiskutabel beiseitegeschoben. Nun hat mich, wie einige andere Näherinnen auch, das Culottefieber gepackt, und die meisten dieser neuen Hosenrockschnitte schaffen die großzügige Beinweite durch mehr oder weniger voluminöse Bundfalten.

Also: her mit der Culotte, weg mit den Falten. Meine Nählehrerin Martina hat mir gezeigt, was zu tun ist – vielen Dank, liebe Martina! Nun gebe ich weiter, was ich erfahren habe. Heute: Schnitt-Origami und: adé, Falte. Meine Culotte ist Schnitt 126 aus Burda Style 3/2015. Aber genauso funktioniert das Prinzip natürlich auch für andere Hosenröcke oder Bundfaltenhosen.

1. Schritt: Schnitt ganz normal abpausen, mit allen Falten, Zeichen etc.

IMG_06072. Schritt: Die Falten genau so falten, wie sie laut Schnittzeichen liegen sollen (von rechts nach links oder links nach rechts oder, wie in meinem Fall, aus beiden Richtungen übereinander).

glatt streichen3. Schritt: Falten schön ausstreichen und darauf achten, dass die untere Beinweite erhalten bleibt.

 

 

 

4. Schritt: Die Falte ist jetzt weg, aber der Schnitt hat im Hüftbereich auch Weite verloren. Deswegen hier anhand der eigenen Maße oder eines bewährten Hosenschnittes die Weite anpassen. Dazu einfach an der Außennaht am Vorder- und am Hinterbein entsprechend Weite zugeben.

doppelschnittIch habe jeweils 2 Zentimeter „angebaut“ und zur Taille hin zum Originalschnitt hin auslaufen lassen. Dass das Hosenbein dadurch unten etwas weiter wird, ist bei diesem Schnitt egal. Bei einer schmaleren Hose kann man die Weite unten entsprechend auslaufen lassen.

So ist derzeit der Zustand meines Hosenrocks. Heute ist das Paket mit dem passenden Stoff endlich angekommen und bald zeige ich, wie sich Madame la Culotte entwickelt.

Retro-Culotte – ein Abenteuer

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Mit Ringelshirt ist die Culotte bequem und alltagstauglich

Meinen ersten Me-Made-Mittwoch bestreite ich heute mit einem Näh-Abenteuer: meiner schwarzen Retro-Culotte. Schon vor einer Weile habe ich bei parvasedapta  ihren Bericht über die Rekonstruktion eines Hosenrockes von 1942 gelesen. Ich war fasziniert von dem tollen Schnittmusterfund und von der Vorgehensweise – einen Schnitt selbst aufzeichnen, nicht nur kopieren, ohne ausführliche Anleitung nähen. Und ich war sehr angetan von dem Kleidungsstück.

Also habe ich es versucht. Der Stoff ist eine schön fallende Wollmischung in schwarz, kombinationsfreundlich zu den meisten meiner Herbst-Winter-Frühlings-Übergangs-Oberteile (und schmeichelnd für meine Birnenfigur).

Am Schnitt habe ich nur eine kleine Veränderung vorgenommen und im Hüftbereich ein paar cm zugegeben – das hat sich als gute Idee erwiesen. Ein Schnittteil für den Taschenbeutel musste ich – mit Hilfe meiner Nähkurs-Lehrerin – ergänzen.

Der Bund des fertigen Hosenrocks hätte mir eigentlich weit über dem Nabel gesessen – fast direkt unter dem BH. Daher habe ich vor dem Anbringen des Taillenbelegs  gute zehn cm abgeschnitten und das Stück trägt sich immer noch mehr in der Taille als in der Hüfte – da hatte man früher wahrscheinlich andere Vorstellungen von gutem Sitz.

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Die Culotte macht alles mit und lässt (fast) alles mit sich machen

Ich bin sehr froh mit meiner Culotte. Der Hosenrock für die radelnde Dame von 1942 sieht fast aus wie ein Rock mit Kellerfalte. Aber er trägt sich praktischer – ich komme mir angezogener vor als im Rock. Das Teil ist dadurch sehr alltagstauglich. Im Herbst/Winter funktioniert der Hosenrock mit Stiefeln wunderbar und nun im Frühling lässt er sich auch mit Pumps oder Schnürschuhen kombinieren. Und ich plane schon eine frühlingshaftere Variante aus einem leichten Zickzack-Jeans.

Beim Nähen der Eingrifftaschen – deren eckige Form ich sehr schön finde – habe ich leider an der falschen Stelle zugenäht. Dadurch ist der Tascheneingriff miniklein geworden. Aber weil ich die Taschen sowieso nicht benutze, habe ich beschlossen, mir das Auftrennen zu sparen. So bleiben die Taschen eben klein.

Besonders zufrieden bin ich mit dem handgenähten Saum – der ist wirklich unsichtbar!

Ich bin sehr froh, dass ich nach langem Mitlesen jetzt auch aktiv beim MeMadeMittwoch dabei sein kann – und ich bin gespannt, was die anderen Näherinnen heute präsentieren!