Passt schon

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Morgan Jeans Nummer zwei, angepasst. Dass es vorne um den Reißverschluss leichte Falten gibt, finde ich eigentlich nicht schlimm, beim Tragen fällt das auch nicht auf. Die Hose hat verkürzte „cropped“-Länge. Für mehr hat der Stoffrest nicht gereicht. Und für Frühling/Sommer finde ich das auch ganz nett.

Passformprobleme stehen derzeit im Mittelpunkt des Spring Style Along von Alexandra von Handmade Glamour. Everyday. Passt schon, kann ich dazu nur sagen. Ich habe meine Angst vor dem Hosennähen in den letzten Wochen komplett besiegt.

Erster Schritt: Die Hose Claude von Republique du Chiffon. Sie ließ sich gut nähen. Sie passt mit leichten Änderungen (die ich schon vor dem Nähen auf dem Papier vorgenommen habe). Sie sitzt sogar gut. Nur ob sie mir steht, da bin ich nicht so sicher. Die karottige Form ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. So viel Stoff am Bein. So viel Stoff im Schritt. Ist das schmeichelhaft? Ich bin derzeit skeptisch. Was meint ihr?

Sehr ungewohnt: karottenförmige Hose Claude aus Stretch-Twill

Zweiter Schritt: Die Morgan Boyfriend Jeans von Closed Case Patterns, die eigentlich eine normale, gerade geschnittene Hose ist. Meiner Begeisterung über den Schnitt und die Hose habe ich schon am Mittwoch lautstark Luft gemacht.

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Morgan Boyfriend Jeans – sitzt, passt, macht mich froh.

Das erste Exemplar sitzt mit einigen Änderungen (vor allem Enger-Nähen an der Taille) gut. Und die Erfahrungen habe ich schon während der Anproben zum Anpassen des Papierschnitts genutzt.

Ich habe vor allem die Taille enger gemacht – und gleichzeitig am Po ein bisschen mehr Platz geschaffen

Dritter Schritt: Morgan Jeans – angepasst. Die Hose ist gerade fertig geworden. Und sitzt für meine Begriffe super. So gut hat mir noch nie eine Jeans gepasst – gleichzeitig an Hüfte und Taille. Wenn ich die Fotos sehe, denke ich allerdings: Eventuell nehme ich hinten am Bein einen Zentimeter Po-Platz wieder raus, das müsste auch reichen… Das ist der Näh-Perfektionismus, dem man nicht entkommt.

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Falten am Vorderteil. Normal, ok oder verbesserungswürdig?

Dass es immer irgendwo Falten gibt, gehört zwar dazu, wenn man sich in einem Kleidungsstück auch noch bewegen will. Gerade um den Reißverschluss hat die Hose aber durchaus einige Falten. Ok so? Oder meint Ihr, da kann man noch was tun?

Die Hose hat aus Gründen der Stoffknappheit Cropped-Länge, aber das finde ich im Frühling auch sehr hübsch. Ein bisschen leichter eben….

Ansonsten habe ich in den letzten Wochen fleißig an meinem Alabama-Chanin-Jäckchen gestickt. Am Sonntag führe ich es aus. Und obwohl so viel Perlenglitzerkram eigentlich nicht meins ist, bin ich von der Jacke sehr angetan. Auch da folgen die Tragefotos…

Ich bin geflasht – Morgan Boyfriend Jeans

Die Morgan Jeans von Closet Case Patterns – ich finde die Passform prima. Und dabei ist hier noch fast nichts angepasst.

So begeistert war ich schon lange nicht mehr von einem Nähwerk – vom Prozess ebenso wie vom Ergebnis. Schon seit Tagen befinde ich mich im Jeans-Flow. Am Karfreitag zugeschnitten, am Ostermontag vormittags die letzten Fädchen abgeschnitten. Jeans Nr. 1 war fertig. Mittags die Stoffvorräte nach mehr Jeansstoff durchwühlt und nachmittags Jeans Nr. 2 angeschnitten. Und heute, am MeMadeMittwoch, ist sie fast fertig. Und ich schwebe im siebten Jeans-Himmel. Immer noch.

Handgenähter Bolero mit gewollt unregelmäßiger Rüsche

Heute zeige ich die Hose mit Kaufshirt und dunkelblauem Alabama-Chanin-Bolero mit dezentem Rüschendetail.

Der Schnitt: Die Morgan Jeans wird zwar als Boyfriend-Schnitt beschrieben – ich würde eher sagen, es ist eine ganz klassische, gerade geschnittene Jeans. So wie die, die ich vor 20 Jahren ständig getragen habe. Oben schmal, am Knöchel mit ein bisschen Luft. Der Schnitt ist für Stoffe ohne Stretch ausgelegt und besitzt eine Menge typischer Jeans-Details, die viele von Euch von der Ginger Jeans kennen werden. Absteppungen mit dickem Garn, Metallknopf, Nieten. Morgan hat weder einen tiefergelegten Schritt noch weiter geschnittene Oberschenkel – das verstehe ich eigentlich unter einer „Boyfriend-Jeans.“

Rückansicht: Warum die Hose auf dem Foto am Knie so merkwürdige Falten wirft, weiß ich nicht. Ich bilde mir ein, sie tut das im Normalfall nicht… Was mich begeistert: Der Bund passt und steht kein bisschen ab.

Die Anleitung: Ich habe mich brav an das Anleitungsheft gehalten und wurde mit einem problemlosen Näh-Erlebnis belohnt. Weil ich keine Knopfleiste, sondern einen Reißverschluss   wollte, habe ich mich für diesen Schritt am Ginger-Sewalong orientiert. So einfach und so erfolgreich habe ich noch nie einen Hosenreißverschluss eingenäht. Obwohl vor dem Start die Hürde „eine echte Jeans“ recht hoch erscheint: mit der tollen Anleitung von Closet Case Patterns ist die Sache ein Spaziergang.

Das Nähen: Wie in der Anleitung vorgeschlagen, habe ich mit drei Maschinen parallel gearbeitet.

Der komplette Nähpark in Aktion – wie gut, dass mein Nähtisch so viel Platz hat

Die Konstruktionsnähte hat meine alte Singer-Maschine gemacht, die Ziersteppungen mit dem dicken Garn die moderne Brother. Und zwischendurch bin ich zum Versäubern immer wieder an die Overlock-Maschine gewandert. Mit dem kompletten Maschinenpark ist mein großer Nähtisch zwar gut gefüllt – aber es ist wirklich schön, nicht immer wieder umfädeln zu müssen.

Entdeckungen: Ein Tipp aus der Morgan-Anleitung hat mir das Nähen sehr erleichtert. Ich habe Stellen, wo viele Nähte/Stoffschichten aufeinander treffen (zum Beispiel an den Gürtelschlaufen und an der Rückenpasse), mit einem Hammer platt gehämmert. So ließen sie sich deutlich besser absteppen, ganz ohne ausgelassene Stiche. Nur meine Familie hat sich gewundert, was ich da im Nähzimmer eigentlich treibe…

Sicheres Knopf-Einschlagen: der Dreifuß hilft dabei

Eine tolle Entdeckung meines Mannes ist dieses Prym-Gerät für das Einschlagen der Jeansknöpfe. Bisher hatte ich nie viel Glück mit Jeansknöpfen. Entweder ich habe zu sanft gehämmert und der Knopf saß zu locker. Oder ich habe zu fest geschlagen oder der Knopf hat sich verkantet und ist am Ende abgebrochen. Der Dreifuß sorgt jetzt dafür, dass der Knopf immer gut in Position bleibt und weil er sich nicht neigt, kann er auch nicht abbrechen. Für mich ein echter Durchbruch.

Meine Hose: Mein Stoff ist ein gestreifter Jeansstoff aus 100% Baumwolle vom örtlichen Stoffgeschäft. Trotz fehlenden Stretchs trägt sich die Hose nicht unbequem, sondern eher „so wie früher“. Für Taschen und Innenbund habe ich Reste eines bunten Baumwollstoffs benutzt. Die Absteppungen sind rot, was der Hose etwas Marine-Flair beschert – besonders im Sommer ist mir das immer sympathisch. Nieten hat die Hose noch nicht – die kommen aber im Laufe der Woche noch.

Außen blau-weiß gestreift, innen bunt gemustert. So macht die Hose schon beim Anziehen gute Laune

Genäht habe ich Größe 10 (Taille) bis 12 (Hüfte) – und nach dem ersten Heften und Anprobieren habe ich am Bund an den Seiten und vor allem an der hinteren Mitte noch einiges weggenommen. Kaufjeans stehen bei mir im Rücken immer ab – bei der selbstgemachten konnte ich das so verhindern.

Änderungen: Für Jeans Nr. 2 habe ich an den Schnittteilen von Hinterbein, Hüftpasse und Bund herumgebastelt, um die Passform zu verbessern.

Am Schnittteil für das hintere Hosenbein und an dem für die Hüftpasse habe ich an der hinteren Mitte jeweils einen Zentimeter Höhe hinzugefügt – das gibt mehr Platz für das Derrière.

Beim Hüftpassen-Teil habe ich an der Seite nach oben hin einen halben Zentimeter Weite weggenommen.

Bundstreifen: Im Rücken habe ich insgesamt etwas gekürzt, damit der Streifen noch zur Hüftpasse passt. Außerdem habe ich an der Oberkante noch extra Weite entfernt, so dass die Krümmung des Streifens nun sehr viel stärker ist. Dadurch steht der Bund nicht mehr ab. Das Schnittteil hat jetzt eine sehr eigentümliche Form – individuell eben.

Aufschneiden, spreizen, falten, kleben. Schnittbastelei an der Morgan Jeans.

Hose 2 aus einem Rest leicht stretchigen Jeansstoffes mit Streifenstruktur nähe ich nun mit all diesen Änderungen – und bin sehr, sehr gespannt auf das Ergebnis. Erste Anproben stimmen mich optimistisch.

 

 

 

 

Hürdenlauf Jeanshose

Burda-Hose aus Jeansstoff: ein erster Schritt in Richtung perfekte Jeans. Und noch viel Luft nach oben.
Burda-Hose aus Jeansstoff: Eigentlich hat die Hose vorne keinen Katzenbart – das Foto zeigt die Trageknitter nach dem gestrigen Arbeits- und Autofahrtag. Das Shirt ist FrauLiese von Schnittreif, das ginge sicher noch ein bisschen enger.

Um das Nähen von Jeans habe ich lange einen Bogen gemacht. Jeans kauft man. Man probiert in mindestens drei Läden mindestens drei Dutzend Hosen an, von denen dann höchstens drei einigermaßen sitzen, muss zwischendurch mehr als drei Kaffeepausen einlegen und schwört sich zum Schluss, nun endlich täglich Sport zu treiben, nie wieder Schokolade zu essen oder nur noch Röcke zu tragen.

Also habe ich doch versucht, eine Jeans zu nähen. Und das war auf jeden Fall ein Sport. Hürdenlauf. Damit reihe ich mich gerne ein beim heutigen MeMadeMittwoch. Denn den haben die Organisatorinnen um Vortänzerin Sybille heute schließlich zum Tag der Jeans ausgerufen.

Erste Hürde: das Schnittmuster. Ich wollte eine schmale, eher gerade, aber nicht skinny Jeans. Über Ginger habe ich eine lange Weile nachgedacht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein enges Hosenbein an mir gut aussieht. Und eine breite Hüft- und besonders Oberschenkelregion in passenden Ginger Jeans habe ich im WWW nicht entdeckt. Also habe ich mich für einen „normalen“ Hosenschnitt entschienden: Burda 6981.

Seitentaschen - im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden
Seitentaschen – im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden

Zweite Hürde: Anpassungen. Hosen, die mir an der Hüfte passen, sind in der Taille zu weit. Ich habe am Rücken also nach der ersten Anprobe der „Roh-Hose“ zwei zusätzliche Abnäher eingebaut und außerdem an der Seitennaht zwischen Hüfte und Taille in Schritten immer mehr Stoff weggenommen. Die seitlichen Eingrifftaschen haben diese Anpassungen nur knapp überlebt. Mehr als drei Finger passen nicht mehr hinein (aber in dieser Hosennäh-Phase wollte ich erst mal eine vernünftige Passform erreichen und mich nicht mit solchen Details wie Taschen ablenken).

Dritte Hürde: Ergänzungen. Das war weniger Hürde als Routine. Wie immer habe ich den vorgesehenen geraden Bund durch den Formbund meiner Marlene-Hose ersetzt (Burda 8087), das passt einfach besser. Außerdem habe ich Po-Taschen aufgenäht, deren Form ich von einer alten Jeans abgenommen habe.

Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel - sie gehen einfach nicht weg
Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel – sie gehen einfach nicht weg.

Fazit: Die Hose passt an Taille und Po, das ist mehr als die meisten Kaufhosen hinkriegen. Bequem ist sie auch, obwohl der Stoff (billiger Restcoupon von Karstadt) nur wenig Elasthan enthält. Und ich mag den bunten Innenbund – so ein kleiner, farbenfroher Gruß macht mir morgens beim Anziehen gute Laune.

Verbesserungswürdig sind die unbenutzbaren seitlichen Eingriffstaschen und vor allem die Falten an den hinteren Oberschenkeln. Die sind trotz mehrerer Änderungsversuche (Kurve im Schritt ändern, Beine enger nähen) nicht verschwunden.

Was der Hose definitiv fehlt, sind die klassischen Jeansdetails: eingehämmerte Knöpfe, Steppungen, Nieten. Bevor ich mit der Kür anfange, muss die Hose erst mal sitzen.

Trotz der Änderungen überzeugt mich der Schnitt nicht ganz. Die Hose wirkt an mir karottiger als mir lieb ist. Wenn mein Wintermantel fertig ist (mit dem Mantelvirus hat mich Carola auf der Annäherung Süd infiziert), werde ich mich an der Thurlow Hose von Sewaholic versuchen. Die soll ja speziell für Figuren wie meine gemacht sein.

 

 

Marlene und Alabama Chanin in blau

aufmacherbild marlene2Bei mir ist heute dunkelblauer Mittwoch. Marine ist nicht nur meine Lieblingsfarbe, sondern Hosen und Röcke in blau passen auch zu (fast) allem, was in meinem Schrank hängt. Sehr praktisch.

Die Marlenehose (Schnitt: Burda 8087) hat mir lange Kopfzerbrechen bereitet, denn ich habe die Länge mit Hilfe meiner Nählehrerin im Kurs abgesteckt. Dann gesäumt und liebevoll Aufschläge von Hand befestigt. Und am Ende – war sie zu lang und nur mit Mega-Absätzen tragbar. Alltagstauglich war das nicht, also blieb Marlene über Winter ungetragen. Für den Spring Style-Along habe ich nun Kleiderschrankinventur gemacht und Marlene wiedergetroffen.

Und obwohl ich solche Änderungen nicht mag, habe ich mich vor einigen Tagen daran gemacht und gekürzt (aber die Aufschläge sind nun weg – macht nichts). Jetzt ist die Länge prima und ich bin froh, Marlene endlich ausführen zu können. Der Stoff (Viscose-Gabardine vom Roten Faden) fällt sehr schön und durch die Weite ist die Hose natürlich auch bequem.

 

 

 

 

 

 

2 poncho

 

Der Überwurf heißt „Poncho“ und die Inspiration dazu kommt aus einem Buch von Natalie Chanin (Alabama Studio Sewing and Design, 2012). Ich finde die handgenähten Projekte dieser amerikanischen Designerin toll: nicht nur ästhetisch, sondern auch nachhaltig. Zwei Schals und den Poncho habe ich nach Art von Alabama Chanin bereits gemacht – ein Shirt ist in Planung.

Den Poncho trage ich wie eine Strickjacke – er ist praktisch und bequem. Der Grundstoff ist ein dunkelblauer Jersey, die applizierten Kreisformen stammen von verschiedenen alten Kindershirts. Aufgenäht habe ich sie in den letzten Sommerferien – meditativ von Hand und mit doppelt genommenem royalblauem Knopflochgarn. Mich erinnert das Muster an Kieselsteine in einem Bachlauf – auch das ein meditativer Gedanke.

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Kreisformen, von Hand aufgenäht

Der Poncho besteht eigentlich nur aus einem Stoffrechteck, bei dem zwei Kanten verbunden werden. Dadurch entsteht die Zipfelform. Dieser Zipfel kann nach vorne oder hinten oder zur Seite getragen werden, am Hals fällt der Stoff wie ein Wasserfallausschnitt.

Was die anderen Näherinnen am MeMadeMittwoch zeigen, seht ihr heute wie jede Woche hier.