Michelle, my belle, ganz universell

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Passt immer und zu allem: die Jacke Michelle aus grauem Jeans

Ein ganz normaler Heimarbeitstag mit ein bisschen Renovieren und Mantelnähen steht für mich heute auf dem Programm. Außerdem grabe ich mich durch die technischen Rafinessen meines neuen Handies (akustisch gesteuerter Selbstauflöser – sehr nützlich für Bloggerinnen!). Das kostet leider Zeit, deswegen schaffe ich es heute erst spät zum MeMadeMittwoch.

Ganz alltäglich ist das Kleidungsstück, das ich heute durch den milden Herbsttag trage: die „Veste Michelle“ von République du Chiffon ist eine leger geschnittene Jacke mit Schalkragen und aufgesetzten Taschen. Mein Exemplar ist aus hellgrauem Jeansstoff, linke Stoffseite nach außen verarbeitet. Das gibt eine hübsche Rippenstruktur. Genäht habe ich sie schon vor einer ganzen Weile und hier auch schon mal genau beschrieben.

Besonders empfehlenswert ist das Online-Tutorial von RdC zu Michelle – so elegant und so einfach lässt sich ein Jackenfutter einnähen!

Die Michelle ist universal einsetzbar. Einfach überwerfen, fertig. Ich freue mich immer wieder, wenn ich sie vom Bügel nehme, über das schöne Zebra-Innenfutter und das diagonale Paspelknopfloch. Allein für das gute Gefühl lohnt sich das bisschen Extra-Arbeit für die kleinen Details…

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Gemütlich wirds mit einem meiner Mama-made Strickstücke: zum Beispiel mit dem zarten hellblauen Schal oder dem gemütlichen petrolfarbenen Dreickstuch. Vor allem das Tuch ersetzt gerne eine Strickjacke – wunderbar!

Und wenn es doch noch ein bisschen herbstlich-ungemütlich wird, werfe ich mir einen der schönen Lace-Schals um, die meine Mutter mir gestrickt hat. Denn auch sie hat vor einer Weile die Blogwelt entdeckt, suft nun begeistert und beglückt mich regelmäßig mit den Ergebnissen ihrer Online-Recherchen. Danke, Mama!

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Blusenjacke Manufacture

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Blusenjacke und Recycling-Projekt: meine Manufacture

Ich zeige heute beim MeMadeMittwoch einen französischen Schnitt – Aime comme Manufacture von Aime comme Marie -, der mich allerdings nicht hundertprozentig überzeugt. Es handelt sich um einen Blusenschnitt, der mich zunächst wegen der asymmetrischen Front angesprochen hat. Vor allem wenn man sie mit Reißverschluss näht, erinnert die Manufacture-Bluse dadurch etwas an eine Bikerjacke.

Mein Stoff ist eine Kombination aus schwarzem Wollmischtuch aus meinem Lager und schwarz-creme-kariertem Wollstoff, der früher mal eine Hose war (ein Erbstück, das niemandem passte – aber den Stoff mochte ich gerne. Also habe ich die Hose auseinandergenommen und weiterverarbeitet). Die vielen mutigen Karo-Experimente beim Vivienne-Westwood-Sewalong haben mich übrigens dazu gebracht, das Karomuster teilweise diagonal auszurichten.

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Detail des Vorderteils – die asymmetrische Ausschnittlösung mit der umgeklappten Ecke finde ich gut

Durch den Wollstoff wirkt die Bluse mehr wie eine Jacke; ich habe sie bisher auch als Jacke über einem Shirt getragen. Das funktioniert zu schmalen Hosen gut.

Pluspunkte meiner Manufacture sind der schöne Wollstoff und die asymmetrsiche Front (bei mir mit zwei Knöpfen geschlossen). Für den Schnitt spricht grundsätzlich, dass er wirklich leicht und schnell umzusetzen ist und auch Anfänger und Ungeduldige damit ein ungewöhnliches Stück nähen können.

Als Minuspunkt des Schnittes sehe ich vor allem das formlose Rückenteil. Ich würde beim nächsten Mal unbedingt Taillenabnäher einbauen. Jetzt im Nachinein verzichte ich darauf, weil das die diagonale Teilung an meinem Rückenteil zerstören würde. Auch dem Vorderteil würden ein paar formende Abnäher nicht schaden. Ich gehöre eben zu den Anhängerinnen taillierter Oberteile. Wer gerne kastige Oberteile trägt, ist mit der angebotenen Variante sicher gut bedient.

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Durch den Wollstoff wirkt die Bluse mehr wie eine Jacke; ich habe sie bisher auch als Jacke über einem Shirt getragen. Das funktioniert zu schmalen Hosen gut.

Ob ich den Schnitt nochmal nähe? Vielleicht schon, aber nur mit den beschriebenen Änderungen. Eine Variante, die einen verspielten Stoff mit einem (Metall)reißverschluss bricht, kann ich mir als Bluse immer noch gut vorstellen.

Manufacture in Kürze

Stoff: Wollstoffe aus Recycling und aus dem Vorrat
Schnitt: Aime comme Manufacture von Aime comme Marie (Anleitung auf französisch, aber auch ohne viele Sprachkenntnisse dank Illustrationen wirklich einfach zu nähen)
Größe: M
Probleme: keine mit dem Schnitt – nur mit der Silhouette

 

 

Stoffe kaufen – französische Quellen

Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers
Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers: links Damast aus Damaskus und Südfrankreich, rechts Patchwork-Reste für künftige Reste-Projekte.

An Stoffmangel leide ich zugegeben nie. Regelmäßige Hamsterkäufe lassen die Augenbrauen meiner Umgebung in die Höhe fahren: Wann willst du das alles vernähen? Du hast doch schon so viel Stoff!

Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline...) und Stückgröße (richtig groß! Mittelgroß, Reststücke)
Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline…) und Stückgröße (richtig groß, mittelgroß, Reststücke)

Ja, erkläre ich dann. Aber dieser ! So eine schöne Farbe! Das Muster! Ein Super-Preis! Verlieren kann ich mich nicht nur auf Stoffmärkten und in schönen Läden, sondern auch im Internet. Jenseits der allbekannten deutschen Quellen gibt es dort auch französische Online-Händler, bei denen man Schönes entdecken kann. Das klappt auch (fast) ohne Sprachkenntnisse ganz gut, manche Händler haben sogar eine englische Seite (und das ist aus französischer Sicht wirklich keine Selbstversändlichkeit). Für den Notfall gibts für die Nicht-Francophonen ja den Google-Übersetzer oder Leo.

Meine liebsten französischen Stoffquellen möchte ich euch heute vorstellen. Eine kleine Shopping-Verführung zum Wochenende.

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Dieser schöne Stoff von Atelier Brunette über Annakabazaar ist eine Hemdbluse geworden.

Ich habe schon öfter schöne Stoffe bei Annakabazaar gefunden. Vor allem tolle Drucke gibt es (auf Baumwolle und auf Viskose-Mischungen), zum Beispiel die schönen Designs von Atelier Brunette (aus Cosmic Blue von AB hat sich SaSa gerade ein sehr schönes Kleid genäht). Derzeit ist übrigens Sale: Es gibt bis zu 50 Prozent …  Annakabazaar führt auch Kurzwaren (zum Beispiel schöne Schräg- und Paspelbänder), Schnitte (République du Chiffon und Aime comme Marie) und Zubehör. Was Versand und Zuverlässigkeit angeht, habe ich gute Erfahrungen gemacht; die Versandkosten liegen um 10 €, was auch nicht viel teurer ist als einmal länger in der Stadtmitte parken. Die Seite gibt’s auch auf Englisch.

Eine Riesenauswahl, aber nur auf Französisch, hat Fifi jolipois. Ich bin meist irgendwann so überwältigt, dass ich am Ende gar nichts bestelle. Es gibt dort Designerstoffe (viele schöne Muster von Liberty und Atelier Brunette bis Kaffee Fassett), Kurzwaren, Häkel- und Strickequipement. Bei den Stoffen findet man verschiedene Materialien und Qualitäten und – genauso fürs Kleider Schneidern wie für Patchwork. Zum Glück gibt es eine praktische Filterfunktion um das Riesenangebot übersichtlicher zu machen. Außerdem ist eine riesige Auswahl an Schnittmustern im Angebot (zum Beispiel Sew Over it, Deer and Doe, Papercut, Pauline Alice, By Hand London, Sewaholic…). Unklar sind mir die Versandkosten nach Deutschland (die muss man per Mail erfragen).

Manch anderer Onlinehändler hat zwar tolle Stoffe, aber relativ hohe Versandkosten, so dass ich die gefüllten Online-Einkaufskörbe meist wieder lösche, wenn die Versandkosten in Sicht kommen. So ging es mir schon öfter bei  versuchten Schnäppchenkäufen bei Ma petite mercerie und bei Cousette, wo man jeweils um die 15 € Versandkosten zahlt. Beide Shops haben aber schöne – wenn auch nicht besonders billige – Stoffe; bei Cousette mag ich besonders die schönen Woll-Flanell-Qualitäten gerne. Da werde ich im Herbst sicher mal zuschlagen.

Schöne Druckstoffe findet man bei France Duval-Stalla. Neben ihren eigenen Designs verkauft sie japanische Stoffe, Liberty, Aime comme Marie und andere. Die meisten Designs haben relativ zurückhaltende, pudrige Farben – es geht deutlich dezenter zu als in der deutschen Stoffdesigner-Szene. Mehr als bei uns bemerkt man hier übrigens die Ananas-Druck-Mode. Die Stoffe sind nicht besonders billig, aber derzeit ist einiges reduziert („soldes“). Die Auswahl ist sehr geschmackvoll und inspirierend. Das gilt auch für die Schräg-, Paspel- und sonstigen Bänder. Der Gedanke an Liberty-Paspel mit Uni-Stoff gefällt mir richtig gut… Die Versandkosten liegen ebenfalls um 15 €.

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Coupons de St. Pierre am Montmartre in Paris ist ein tolles Stoff-Wühl-Geschäft. Aber auch das Online-Angebot ist groß

Ebenso viel zahlt man bei Coupons de St. Pierre – die Adresse finde ich trotzdem sehr charmant, denn es handelt sich um eines der schönen Pariser Stoffgeschäfte am Fuße des Montmartre-Hügels. Wenn man gerade nicht im wahren Leben dort in den Tischen voller 3m-Coupons wühlen kann, dann wenigstens im Internet. Hier findet ihr Kleiderstoffe aller Art: Jeans, Krepp, Satin, Seide, Baumwoll-Voile, Jersey, Spitze, sogar Leder. Das meiste wird, wie im Laden, als 3m-Coupon verkauft, es gibt aber auch Meterware, außerdem Schnitte und Kurzwaren.

Was haltet ihr von solche Online-Stoffparadiesen? Seid ihr Fans der großen Auswahl? Oder besteht ihr aufs Anfassen von Stoffen im echten Leben?

Französisch nähen: République du chiffon

Ein kleines aber feines Indie-Schnittmusterlabel ist République du chiffon. Géraldine Debeauvais macht schlichte Schnitte mit dem gewissen Etwas – und mit prima Anleitungen. So kann man sich auch als mittelgute Näherin an anspruchsvollere Projekte wagen – Géraldine lotst  mit schriftlicher Erklärung und besser noch per Online-Tutorial durch jeden Nähprozess.

République du chiffon bietet Kleider, Jacken, Blusen und Hosen, auf Papier oder als PDF und auch auf Englisch. Auch ein paar Kinderschnitte sind zu haben.

Ganz neu in diesem Frühling und allerliebst finde ich die Bluse Rose mit einer Art Blütenblätterkragen. Sie zu nähen wäre sicher eine echte Erweiterung meines schneiderischen Horizonts – auf der To-Sew-Liste ist Rose auf jeden Fall gelandet… (schade, dass ich sie noch nicht gemacht habe, sonst könnte ich ein Foto zeigen. Eins einfach klauen, das verkneife ich mir lieber.)

Michelle, my belle!

IMG_0427Mein persönlicher Liebling ist – bis jetzt – die Veste Michelle, ein leger geschnittener Blazer mit Schalkragen und Futter. Michelle ist ein wunderbares Teil für jeden Tag, das je nach Stoff sportlich oder elegant aussehen kann. Meine Jacke ist aus hellgrauem Jeansstoff von Coupons de St. Pierre und hat sich als echter Kleiderschrank-Joker erwiesen. Sie passt zu Jeans, zum Kleid, in den Alltag und wenns mal seriös oder schicker sein soll. Durch den legeren Schnitt – ohne jeden Brustabnäher! – passt auch mal ein Pulli drunter und trotzdem sieht die Jacke nicht formlos aus.

Tolle Varianten von Michelle IMG_0433findet ihr zum Beispiel bei Jolies bobines – schwarz-weiß, rot-ethnogemustert oder wunderfrühlingsschön mit grün und Vögeln.

Ich liebe meine Veste Michelle vor allem, weil ich so stolz auf die profimäßige Innenverarbeitung bin. Ein Futter mit Bewegungsfalten, dank des Online-Tutorials makellos eingeIMG_0434näht – und dann auch noch mit Zebras auf Türkis – ich schaue so gerne in meine Jacke hinein! Tatsächlich habe schon von Nicht-Näherinnen verständnislose Blicke geerntet, weil ich auf einmal anfing, von meinem Jackenfutter zu schwärmen.

Ein Kleid für Downton Abbey

Auf meiner To-Sew-Liste stehen auch die charmante Veste Bernadette – eine kurze, kragenlose und gesteppte Jacke, die sicher aus Liberty-Stoff ganz entzückend aussieht – und das kleine feine Kleid Gladys, mit dessen 20er-Jahre-Esprit ich direkt bei Downton Abbey einsteigen könnte.

Habt ihr schon Erfahrung mit den Schnitten von RdC gemacht? Und wart ihr auch so glücklich mit euren Werken wie ich mit Michelle? Berichtet – ich freue mich über eure Meinung!

Französisch nähen: Mlm Patrons

L’Indecise mit gelungener Knopfleiste

Facile à coudre, facile à vivre – leicht zu nähen, leicht zu (er)leben – das ist das Motto der Schnittmusterfirma Mlm Patrons, die seit Januar 2014 die französische Schnittmusterszene bereichert. Die Schnitte von Marisa Goossens sind einfach, auch für Anfängerinnen geeignet, gut erklärt und dementsprechend beliebt bei französischen Bloggerinnen. „Zeitlose Schnitte für die Alltagsgarderobe“, so beschreibt Goossens ihre Entwürfe. Die 30-Jährige ist Autodidaktin und hat, wie so viele Nähbloggerinnen, zuerst für ihre Kinder genäht, bevor sie anfing, auch für sich zu schneidern und dann auch Schnittmuster zu entwickeln.

Schwerpunkt von Mlm Patrons liegt auf Oberteilschnitten, aber einen Minirock, zwei Kleider und eine Jacke gibt es auch. Ich habe meine ersten Mlm-Experimente mit zwei Blusen gemacht. Die meisten Schnitte gibt es auf schönem, stabilen Papier für 13 Euro oder als PDF für 5 Euro (und immer sind sie übersichtlich und als Mehrgrößenschnitte ausgelegt).

Indécise
L’Indécise von MLM Patrons Bild: Marisa Goossens/MLM

L’Indécise ist eine leicht taillierte Bluse mit Rückenpasse, Knopfleiste, abgerundetem Kragen und Manschetten. Sie wird häufig in französischen Nähblogs präsentiert.

Meine Version kommt ohne Kragen und Manschetten aus, dafür habe ich die Kanten mit selbstgemachtem Schrägband versäubert und an der Rückenpasse selbstgemachte Paspel angebracht.

Super fand ich die Anleitung für die Knopfleiste – denn die war eine echte Premiere für mich: Dank der bebilderten Erklärung war das Nähen aber ganz unproblematisch. Ein Erfolgserlebnis in der Kategorie „ich will mich näherisch weiter entwickeln“.

Ob ich mit dem fertigen Teil glücklich bin, weiß ich trotzdem nicht. Das Muster und die Farben kommen mir nun, da die Bluse fertig ist, so schreiend und unruhig vor (siehe oben). Dabei mag ich den Stoff eigentlich gern. Was meint ihr: fein – oder Fehlschlag? Die nächste Version ist auf jeden Fall schon geplant.

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La Classique als Upcycling-Projekt und mit Kellerfalte

ClassiqueGanz simpel aber irgendwie charmant ist La Classique, eine relativ weit geschnittene Bluse, deren einzige Besonderheit in den drei kleinen Falten am Ausschnitt bestehen. Die habe ich in meiner Testversion durch eine Kellerfalte ersetzt. La Classique ist supereinfach zu nähen – ein tolles Anfängerprojekt. Und obwohl ich dachte „das ist mir zu simpel (und zu weit)“ trage ich meine Recycling-Classique aus drei ausrangierten Herrenhemden wirklich gerne, aber vor allem zuhause.

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Dieses schöne Exemplar von La Joueuse zeigt Marisa Goossens, die Frau hinter MLM, auf ihrer Website. Bild: Marisa Goossens/MLM

Auf meiner To-Sew-Liste steht auf jeden Fall La Joueuse. Ein tailliertes Top aus Webware mit V-Ausschnitt, das aus zwei Lagen besteht. Die untere spitzt am Saum deutlich hervor. Ich stelle mir Baumwoll-Batist in blau und türkis vor – das wird sicher eine schöne Hochsommerbluse.

Wie viele französische Indie-Schnittmusterfirmen hat auch Mlm übrigens einen Fan-Blog auf dem man sich viele verschiedenen Varianten der Modelle anschauen kann. Das ist nicht nur inspirierend, sondern man findet beim Surfen auch immer wieder neue schöne Nähblogs.