Ich bin geflasht – Morgan Boyfriend Jeans

Die Morgan Jeans von Closet Case Patterns – ich finde die Passform prima. Und dabei ist hier noch fast nichts angepasst.

So begeistert war ich schon lange nicht mehr von einem Nähwerk – vom Prozess ebenso wie vom Ergebnis. Schon seit Tagen befinde ich mich im Jeans-Flow. Am Karfreitag zugeschnitten, am Ostermontag vormittags die letzten Fädchen abgeschnitten. Jeans Nr. 1 war fertig. Mittags die Stoffvorräte nach mehr Jeansstoff durchwühlt und nachmittags Jeans Nr. 2 angeschnitten. Und heute, am MeMadeMittwoch, ist sie fast fertig. Und ich schwebe im siebten Jeans-Himmel. Immer noch.

Handgenähter Bolero mit gewollt unregelmäßiger Rüsche

Heute zeige ich die Hose mit Kaufshirt und dunkelblauem Alabama-Chanin-Bolero mit dezentem Rüschendetail.

Der Schnitt: Die Morgan Jeans wird zwar als Boyfriend-Schnitt beschrieben – ich würde eher sagen, es ist eine ganz klassische, gerade geschnittene Jeans. So wie die, die ich vor 20 Jahren ständig getragen habe. Oben schmal, am Knöchel mit ein bisschen Luft. Der Schnitt ist für Stoffe ohne Stretch ausgelegt und besitzt eine Menge typischer Jeans-Details, die viele von Euch von der Ginger Jeans kennen werden. Absteppungen mit dickem Garn, Metallknopf, Nieten. Morgan hat weder einen tiefergelegten Schritt noch weiter geschnittene Oberschenkel – das verstehe ich eigentlich unter einer „Boyfriend-Jeans.“

Rückansicht: Warum die Hose auf dem Foto am Knie so merkwürdige Falten wirft, weiß ich nicht. Ich bilde mir ein, sie tut das im Normalfall nicht… Was mich begeistert: Der Bund passt und steht kein bisschen ab.

Die Anleitung: Ich habe mich brav an das Anleitungsheft gehalten und wurde mit einem problemlosen Näh-Erlebnis belohnt. Weil ich keine Knopfleiste, sondern einen Reißverschluss   wollte, habe ich mich für diesen Schritt am Ginger-Sewalong orientiert. So einfach und so erfolgreich habe ich noch nie einen Hosenreißverschluss eingenäht. Obwohl vor dem Start die Hürde „eine echte Jeans“ recht hoch erscheint: mit der tollen Anleitung von Closet Case Patterns ist die Sache ein Spaziergang.

Das Nähen: Wie in der Anleitung vorgeschlagen, habe ich mit drei Maschinen parallel gearbeitet.

Der komplette Nähpark in Aktion – wie gut, dass mein Nähtisch so viel Platz hat

Die Konstruktionsnähte hat meine alte Singer-Maschine gemacht, die Ziersteppungen mit dem dicken Garn die moderne Brother. Und zwischendurch bin ich zum Versäubern immer wieder an die Overlock-Maschine gewandert. Mit dem kompletten Maschinenpark ist mein großer Nähtisch zwar gut gefüllt – aber es ist wirklich schön, nicht immer wieder umfädeln zu müssen.

Entdeckungen: Ein Tipp aus der Morgan-Anleitung hat mir das Nähen sehr erleichtert. Ich habe Stellen, wo viele Nähte/Stoffschichten aufeinander treffen (zum Beispiel an den Gürtelschlaufen und an der Rückenpasse), mit einem Hammer platt gehämmert. So ließen sie sich deutlich besser absteppen, ganz ohne ausgelassene Stiche. Nur meine Familie hat sich gewundert, was ich da im Nähzimmer eigentlich treibe…

Sicheres Knopf-Einschlagen: der Dreifuß hilft dabei

Eine tolle Entdeckung meines Mannes ist dieses Prym-Gerät für das Einschlagen der Jeansknöpfe. Bisher hatte ich nie viel Glück mit Jeansknöpfen. Entweder ich habe zu sanft gehämmert und der Knopf saß zu locker. Oder ich habe zu fest geschlagen oder der Knopf hat sich verkantet und ist am Ende abgebrochen. Der Dreifuß sorgt jetzt dafür, dass der Knopf immer gut in Position bleibt und weil er sich nicht neigt, kann er auch nicht abbrechen. Für mich ein echter Durchbruch.

Meine Hose: Mein Stoff ist ein gestreifter Jeansstoff aus 100% Baumwolle vom örtlichen Stoffgeschäft. Trotz fehlenden Stretchs trägt sich die Hose nicht unbequem, sondern eher „so wie früher“. Für Taschen und Innenbund habe ich Reste eines bunten Baumwollstoffs benutzt. Die Absteppungen sind rot, was der Hose etwas Marine-Flair beschert – besonders im Sommer ist mir das immer sympathisch. Nieten hat die Hose noch nicht – die kommen aber im Laufe der Woche noch.

Außen blau-weiß gestreift, innen bunt gemustert. So macht die Hose schon beim Anziehen gute Laune

Genäht habe ich Größe 10 (Taille) bis 12 (Hüfte) – und nach dem ersten Heften und Anprobieren habe ich am Bund an den Seiten und vor allem an der hinteren Mitte noch einiges weggenommen. Kaufjeans stehen bei mir im Rücken immer ab – bei der selbstgemachten konnte ich das so verhindern.

Änderungen: Für Jeans Nr. 2 habe ich an den Schnittteilen von Hinterbein, Hüftpasse und Bund herumgebastelt, um die Passform zu verbessern.

Am Schnittteil für das hintere Hosenbein und an dem für die Hüftpasse habe ich an der hinteren Mitte jeweils einen Zentimeter Höhe hinzugefügt – das gibt mehr Platz für das Derrière.

Beim Hüftpassen-Teil habe ich an der Seite nach oben hin einen halben Zentimeter Weite weggenommen.

Bundstreifen: Im Rücken habe ich insgesamt etwas gekürzt, damit der Streifen noch zur Hüftpasse passt. Außerdem habe ich an der Oberkante noch extra Weite entfernt, so dass die Krümmung des Streifens nun sehr viel stärker ist. Dadurch steht der Bund nicht mehr ab. Das Schnittteil hat jetzt eine sehr eigentümliche Form – individuell eben.

Aufschneiden, spreizen, falten, kleben. Schnittbastelei an der Morgan Jeans.

Hose 2 aus einem Rest leicht stretchigen Jeansstoffes mit Streifenstruktur nähe ich nun mit all diesen Änderungen – und bin sehr, sehr gespannt auf das Ergebnis. Erste Anproben stimmen mich optimistisch.

 

 

 

 

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