Oben ohne: Culotte ohne Bundfalten (2)

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Die Culotte ist fast fertig – noch mit Stecknadel statt Knopf

Befeuert von Lucys ausführlicher Culotte-Geschichte habe ich mich am verregneten Maiwochenende wieder meinem Exemplar gewidmet. Lucy hat denselben Schnitt genäht, an dem auch ich mich versuche: Schnitt 126 aus Burdastyle 3/2015. Und wie ich war sie nicht froh mit den Bundfalten und hat sie einfach umgebaut. Ich habe die Falten gleich ganz eliminiert und hier gezeigt, wie ich das mit meiner Nählehrerin Martina bewerkstelligt habe.

Hintere Mitte - fünf mal geheftet, aber irgendwann passt alles
Hintere Mitte – fünf mal geheftet, aber irgendwann passt alles

Weiter ging es ganz normal. Zuschneiden. Nähen. Taille noch ein ganz klein wenig enger machen. Bund dran – ich habe ja gelernt, dass man dabei die Hose einhalten soll, damit der Bund nachher gut sitzt, aber mit diesem Arbeitsschritt kämpfe ich doch jedesmal. Einhalten ohne Fältchen zu produzieren heißt: Nähen, teilweise auftrennen, nähen, trennen. Alles wieder ab. Nochmal dran… Egal, irgendwann war der Bund dran. Genug ist genug. Und bei jeder Anprobe musste ich an Lucys Frage denken: Clown oder Couture? Meine Familie votierte für Clown. Aber NATÜRLICH nur, weil ich dazu Wollsocken und ein Sackoberteil trug (oder?).

Allerdings: fertig genäht und mit weißem Shirt und Pumps basis-gestyled fand meine Umgebung das Teil immer noch zu 50% merkwürdig. Und ich bin mir sehr unsicher. Was ich mag: die Culotte ist sehr bequem und luftig – bei heißem Wetter sicher prima. Außerdem mag ich die Verriegelung an den Nahttaschen (was meine neue Nähmaschine alles kann…). Und die Vorgehensweise mit dem Bundfalten-Ex hat wunderbar geklappt. Was ich nicht mag: Da wo ich am Bund eingehalten habe, fällt der dünne Popelinestoff nicht wirklich glatt, trotz Bügelns. Das ist ein typisches Näherinnen-Problem, das wahrscheinlich nie einer bemerken wird. Vor allem, weil ich das Shirt eher drüber trage. Mal abwarten, ob ich die Culotte wirklich anziehen werde. Eins ist klar: die 40er Jahre Variante in Knielänge – hier schon mal gezeigt – finde ich weit weniger gewöhnungsbedürftig.

Sie ist bequem, ich mag das Blau - aber trotzdem... merkwürdig?
Sie ist bequem, ich mag das Blau – aber trotzdem… merkwürdig?

Die Culotte könnte ja neben dem Wickelkleid zum Lemming-Teil des Frühjahrs werden – interessante Varianten seht ihr etwa bei Elke (mega-mutig in pink), Ann (ganz klassisch, elegant und gar nicht clownesk) und Novita (sehr schön mädchenhaft und alltagstauglich gestyled). Auffällig, dass sich fast jede Näherin die Frage nach der Absonderlichkeit des Kleidungstücks stellt. Aber sie hat eben irgendwas, die Culotte…

Ann näht einen für mich neuen, sehr schönen Culotte-Schnitt: Hot patterns camera ready culottes. Der Schnitt hat, wenn ich das richtig erkenne, Kellerfalten, die recht weit zugenäht werden, damit die Hose oben schmal bleibt und unten am Hosenbein gibt es Aufschläge. Eine sehr reizvolle Variante. Allerdings: $14.95 für einen Download-Schnitt ist doch üppig. Ich warte erst mal ab, wie sich mein Lemming-Gefühl entwickelt…

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Die Passform ist ok – auch ohne Bundfalten

Auf französischen Blogs habe ich übrigens noch eine weitere Lemming-Culotte entdeckt, die es aber noch nicht zu uns geschafft hat. Es handelt sich um ein japanisches Schnittmuster: Pochée Nr. 10. Die französischen Näherinnen sind begeistert, zum Beispiel Génépi, Elodie und Domibou.  Ich finde das Modell aber etwas merkwürdig: heftig angekräuselte Taschen vorne können doch keine schöne Silhouette machen, oder? Und so ein Gummizug im Bund ist zwar gemütlich, aber…. Kurz: Ich bin skeptisch.

Oben ohne – Bundfalten aus einem Schnitt entfernen (1)

Ich mag keine Bundfalten. Überhaupt nicht. Und Schnitte, die Bundfalten enthalten, habe ich bisher immer als indiskutabel beiseitegeschoben. Nun hat mich, wie einige andere Näherinnen auch, das Culottefieber gepackt, und die meisten dieser neuen Hosenrockschnitte schaffen die großzügige Beinweite durch mehr oder weniger voluminöse Bundfalten.

Also: her mit der Culotte, weg mit den Falten. Meine Nählehrerin Martina hat mir gezeigt, was zu tun ist – vielen Dank, liebe Martina! Nun gebe ich weiter, was ich erfahren habe. Heute: Schnitt-Origami und: adé, Falte. Meine Culotte ist Schnitt 126 aus Burda Style 3/2015. Aber genauso funktioniert das Prinzip natürlich auch für andere Hosenröcke oder Bundfaltenhosen.

1. Schritt: Schnitt ganz normal abpausen, mit allen Falten, Zeichen etc.

IMG_06072. Schritt: Die Falten genau so falten, wie sie laut Schnittzeichen liegen sollen (von rechts nach links oder links nach rechts oder, wie in meinem Fall, aus beiden Richtungen übereinander).

glatt streichen3. Schritt: Falten schön ausstreichen und darauf achten, dass die untere Beinweite erhalten bleibt.

 

 

 

4. Schritt: Die Falte ist jetzt weg, aber der Schnitt hat im Hüftbereich auch Weite verloren. Deswegen hier anhand der eigenen Maße oder eines bewährten Hosenschnittes die Weite anpassen. Dazu einfach an der Außennaht am Vorder- und am Hinterbein entsprechend Weite zugeben.

doppelschnittIch habe jeweils 2 Zentimeter „angebaut“ und zur Taille hin zum Originalschnitt hin auslaufen lassen. Dass das Hosenbein dadurch unten etwas weiter wird, ist bei diesem Schnitt egal. Bei einer schmaleren Hose kann man die Weite unten entsprechend auslaufen lassen.

So ist derzeit der Zustand meines Hosenrocks. Heute ist das Paket mit dem passenden Stoff endlich angekommen und bald zeige ich, wie sich Madame la Culotte entwickelt.