Festtagsgewänder

Fein gemacht fürs Fest: Vintage Shirt dress und Alabama Chanin-Jacke

Etwas Neues und etwas altes zeige ich heute – aber keine Blumen, wie es das MeMadeMittwoch-Motto vorschlägt. Und das Foto ist auch nicht von einem Mittwoch, sondern vom Sonntag. Zu einer Feier unter Freunden habe ich mein Fräulein-Rottenmeier-Kleid (Sew Over it: Vintage Shirt dress) getragen und dazu meine neue Alabama-Chanin-Jacke (Schnitt: Alabama Chanin). Die besteht aus gedoppeltem Jersey. Die Kreise sind teilweise appliziert, teilweise gestickt und teilweise in Reverse Appliqué gearbeitet. Zum Schluss habe ich Perlchen aufgestickt. So ist eine ganz besondere Jacke entstanden. Nichts für jeden Tag, aber dafür für besondere Tage. Ich freue mich dran.

Detailansicht: viele verschiedene Kreisformen und Perlchen, Ton in Ton

Reverse Appliqué – so funktioniert’s

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Reverse Appliqué an einem Schal – der Oberstoff ist fuchsia, der Unterstoff korallenrot. Das Motiv stammt von Natalie Chanin; der Schal ist komplett gedoppelt. Rundherum sind beide Lagen offenkantig mit Steppstich zusammengenäht

Zum ersten Mal ist mir die Technik Reverse Appliqué vor Jahren bei Constanze von Nahtzugabe begegnet. Und später dann immer wieder in den tollen Teilen von Antje von machenstattkaufen. Da war ich schon längst ein Fan von Natalie Chanin, der amerikanischen Designerin, die die Technik mit ihren aufwändig handgenähten Modellen immer wieder vorführt. Auch auf dem amerikanischen Blog Lilacs & Lace von Laura Mae finden sich tolle Ensembles nach Alabama Chanin.

Inzwischen besitze ich drei der Bücher von Natalie Chanin und habe schon einige Stücke mit Reverse Appliqué genäht. Bei einigen habe ich das Motiv selbst entworfen, bei anderen habe ich Vorlagen von Natalie Chanin verwendet (im Internet umsonst zu finden). Schwierig ist die Technik nicht, nur ein bisschen Zeit und Geduld muss man haben.

Wichtig: passendes Material. Mit einem labbrigen Strickstoff habe ich – nach viel Arbeit mit dem Malen und Sticken – letztes Jahr ein Teil für die Tonne produziert und daraus gelernt: Der Jersey, den man verwendet, muss eine gewisse Stabilität haben. Baumwolljersey ist ok, von sehr weichem, dehnbaren Viskosejersey würde ich dringend abraten.

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Drei Arbeitsschritte an einem Stück: Das Muster (wieder von Natalie Chanin) auf der Schulterpasse ist fertig schabloniert, Ober- und Unterstoff sind zusammengeheftet. Im rechten Drittel sind die Konturen schon umstickt. Ganz rechts unten ist der Oberstoff in den Formen ausgeschnitten, der Unterstoff kommt zum Vorschein.

Und so funktioniert es:

  1. Motiv auswählen und überlegen, wo es platziert werden soll. Über der Farbkombination von Oberstoff, Unterstoff, Stofffarbe und Stickgarn grübeln. Kombinationen Ton in Ton sehen edel aus, aber auch starke Kontraste wirken toll.
  2. Beide Stoffe zuschneiden. Man kann ein Shirt, einen Schal oder eine Jacke komplett dopppeln, nur einzelne Teile (z.B. die Schulterpasse oder das Vorderteil) doppeln und verzieren. Alternativ lässt sich der Unterstoff wie ein breiter Beleg verarbeiten, wenn das Reverse Appliqué zum Beispiel am Ausschnitt auftauchen soll.
  3. Motiv aussuchen und eine Schablone herstellen, je nach Plan aus fester Folie oder aus Papier (eventuell mit Klebefolie stabilisiert; Tipps zum Schablonieren gibt es hier).
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    Mit Stofffarbe wird das Muster aufschabloniert
  5. Dann das Motiv mit Stofffarbe auf den Oberstoff schablonieren. Darunter sollte Zeitungspapier liegen, weil die Farbe an einigen Stellen durchschlägt. Besonders gut funktioniert das mit einem stumpfen Schablonierpinsel oder mit einem Stück Küchenschwamm (die gelben mit der blauen Scheuerschicht; sie lassen sich mit der Schere wunderbar zurecht schneiden).
  6. Ober- und Unterstoff ordentlich aufeinander heften.
  7. Nun kommt der gemütliche Teil des Projektes, der je nach Zeitbuget ein Weilchen dauern kann: Mit Knopflochgarn (oder geteiltem Stickgarn) die Kontur des Motivs nachsticken. Die Knoten können dabei auf der linken Seite des Stücks liegen oder gewollt auf der rechten, dann geben sie später eine zusätzliche Struktur. Ob man Steppstiche oder Vorstiche nimmt, ist Geschmackssache. Ich entscheide mich meist für Steppstich, weil das Gesamtbild dann ruhiger wirkt.

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    Die Formen werden umstickt. Hier habe ich Sticktwist geteilt und immer drei Fäden zum Sticken genommen
  8. Jetzt kommt mein Lieblings-Arbeitsschritt: Den Oberstoff im Inneren der Formen so wegschneiden, dass ein schmaler Rand von zwei bis drei Millimetern stehen bleibt. Dabei kommt der Unterstoff zum Vorschein und man bekommt zum ersten Mal eine Idee, ob Plan und Wirklichkeit übereinstimmen. Vorsichtig schneiden und keine Löcher in den Unterstoff machen! Am besten geht das mit einer sehr spitzen, scharfen Stickschere oder einer guten Nagelschere (besonders praktisch bei gebogenen Motiven).
  9. Die Schnitteile wie gewohnt zusammennähen. Wenn das Kleidungsstück komplett gedoppelt ist, kann man die beiden Lagen ganz bequem wie eine verarbeiten. Ob man jetzt zur Maschine greift oder der Handnäherei treu bleibt ist eine Frage von Zeit und Geduld.
  10. Et voilà: schon fertig.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Handnäherei? Zen mit der Nadel oder Nervenstress? Und schont ihr eure handgenähten Stücke auch so sehr wie ich? Ich schaue mir sie an, ich freue mich und lege sie oft zurück in den Schrank. Zum Schonen. Zu schade zum Tragen an einem normalen Tag. Verrückt, oder?

Bunt statt grau

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Bunter Schal, dezenter Rock – das ist bequem und hebt meine Laune

Mit Farbe gegen graues Wetter – das ist heute mein MeMadeMittwochs-Motto. Für bunte Laune sorgt für allem mein Tuch, das entgegen dem derzeitigen Trend nicht gestrickt, sondern genäht ist. Und zwar von Hand. Technik: Reverse Appliqué nach Alabama Chanin. Zwei Schichten Jersey, auf der oberen Motive aufschabloniert, umstickt, im Innern ausgeschnitten. An den Kanten zusammengenäht. Voilà.

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Rock mit Hüftpasse – aber die Farbe stimmt auch auf diesem Foto nicht. Der Stoff ist aus lila und schwarzem Garn gewebt, aber völlig unfotogen.

Der Rest des Outfits kann sich angesichts des Schals zurückhalten. Schwarzes Kaufshirt, Strickjacke (heißt die Farbe Fuchsia? – auf jeden Fall passt sie zum Schal), ein selbstgenähter, älterer dunkellila Wollrock nach einem japanischen Schnitt. Der ist ein dezentes Passt-Immer-Kleidungsstück, dass netterweise auch gewisse Gewichtsschwankungen mitmacht – er rutscht dank Hüftpasse im Taillenbereich einfach ein bisschen höher oder tiefer. Echter Pluspunkt: Der Rockwandert im Lauf des Tages auch nicht um mich herum, wie so viele andere Röcke, die am Bund nicht ganz fest sitzen. Und so hole ich ihn in diesen winterlichen Märztagen gerne aus dem Schrank, wenn ich mal keine Lust auf Jeans habe.

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Der breite Schal macht das Outfit gemütlich und hilft bei Zugluft – das ist im Spätwinter besonders wichtig, wenn es rund um mich hustet und schnieft.

 

Leichter Schablonieren

2,20 Francs - die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch
2,20 Francs – die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch

Wer schon einmal mit Schablonen gearbeitet hat, weiß wie lästig es werden kann, wenn die Schablone verrutscht oder Farbe unter die Schablone läuft. Das sieht immer unsauber aus und kann ein Werkstück völlig verhunzen.

Sehr praktisch sind deswegen selbstklebende Schablonen. Die kann man ganz einfach – nach dem Prinzip des US-amerikanischen Freezer Papers – selbst herstellen. Man braucht normales (Drucker-)Papier, Frischhaltefolie und Backpapier.

1. Schritt

Als erstes zeichnest du dein Motiv auf das Papier – oder du druckst ein Motiv aus (wundervolle Muster gibt es zum Beispiel bei Alabama Chanin).

2. Schritt

Dann legst du ein Stück Backpapier auf das Bügelbrett, darauf ein Stück handelsübliche Klarsichtfolie, am besten etwas größer als das Papier, weil sie bei Hitze schrumpft. Auf die Folie kommt dein Papier mit dem Motiv. Zuletzt legst du ganz zuoberst noch ein Stück Backpapier auf.

3. Schritt

Jetzt bügelst du bei mittlerer Hitze vorsichtig über das Backpapier. Die Folie verbindet sich dabei mit dem Druckerpapier. Das Backpapier dient nur zum Schutz von Bügelbrett- und -eisen.

4. Schritt

Im nächsten Schritt schneidest du dein Motiv aus, ich mache das bei filigranen Mustern gerne mit einer Nagelschere. Vorsicht wenn dein Motiv einen Schriftzug enthält: Du musst die Frischhaltefolie dann unbedingt auf die Rückseite des Motivs bügeln, damit am Ende die Schrift nicht spiegelverkehrt ist!

5. Schritt

Jetzt legst du deine Folienschablone mit der Folienseite auf den Stoff, bedeckst sie mit Backpapier und bügelst mit mittlerer Hitze. Dadurch verbindet sich die Frischhaltefolie leicht mit dem Stoff und klebt. Keine Sorge: sie lässt sich später gut wieder ablösen.

6. Schritt

Nach dem Bügeln kannst du dein Motiv mit Stofffarbe schablonieren. Nicht zu viel Farbe auf den Pinsel nehmen! Durch das leichte Kleben fließt keine Farbe unter die Schablone und nichts verrutscht.

7. Schritt

Zum Schluss kannst du das Papier vorsichtig abziehen – nur keine Flecken aufs schablonierte Motiv klecksen! Wenn du behutsam bist und die Schablone nicht zerreißt, kannst du sie problemlos mehrfach verwenden.

Varianten

Wenn eine Schablone sehr aufwändig auszuschneiden ist und ich mir sicher bin, dass ich sie mehrfach verwenden möchte, stabilisiere ich Papier mit selbstklebender Klarsichtfolie, wie man sie zum Einbinden von Schulbüchern nimmt. Dann schneide ich das Motiv aus (dann würde ich aber auf das Aufbügeln von Frischhaltefolie verzichten. Ich weiß nicht, wie die Klebefolie mit Hitze klarkommt). So habe ich zum Beispiel bei der Alabama-Chanin-Jacke gearbeitet und die Schablone mit Sprühkleber auf dem Stoff befestigt.

Diese Schablone habe ich mit Klebefolie verstärkt und mit Sprühkleber auf den Stoff geklebt. Für die Jacke war die Schablone sechs Mal im Einsatz
Diese Schablone habe ich mit Klebefolie verstärkt und mit Sprühkleber auf den Stoff geklebt. Für die Jacke war die Schablone sechs Mal im Einsatz

Oder ich verwende statt Papier feste durchsichtige Plastikfolie, die in meinem Bastelladen als Mobile-Folie angeboten wird. Sprühkleber sorgt dann dafür, dass die Schablone bleibt wo sie soll. So habe ich es bei dem Reverse-Applique-Schal unten gemacht.

Mobile-Folie ist das stabilste Folienmaterial, das ich benutze. Dafür ist das Ausschneiden mühsam - die feste Folie eignet sich nicht für filigrane Motive. Der Schal mit Reverse Appliqué ist in Wirklichkeit nicht so leuchtend bunt wir auf dem Foto
Mobile-Folie ist das stabilste Schablonenmaterial, das ich benutze. Dafür ist das Ausschneiden mühsam – die feste Folie eignet sich daher nicht für filigrane Motive. Der Schal mit Reverse Appliqué ist in Wirklichkeit nicht so leuchtend bunt wir auf dem Foto. Schabloniert wurden die Formen mit dunkelroter Farbe, später habe ich den inneren Teil der Blätter ausgeschnitten, so dass der unten liegende orange Stoff sichtbar wird

imageBei dem Briefmarken-Shirt habe ich eine selbstgemachte Freezer-Papier-Schablone verwendet, um das Motiv ordentlich auf den Stoff zu bekommen. Die Idee für die Briefmarke stammt ursprünglich von Hamburger Liebe, die ein Briefmarken-Kissen gestaltet hat. Ich habe natürlich statt der britischen Marke eine klassische französische schabloniert.

Blau, blau, blau sind alle meine Kleider

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Mit Alabama Chanin Poncho und Jupe Anemone muss ich mir heute nicht viele Gedanken machen – die kombinieren sich von selbst

Dunkelblau ist meine Leib- und Magenfarbe. Immer schon gewesen. Es gab Zeiten, da trug ich fast nur blau-weiße Ringel. Inzwischen haben sich meine farblichen Interessen deutlich verbreitert, dennoch bleibt dunkelblau ein Farb-Schwerpunkt in meinem Kleiderschrank. Es ist eben eine Passe-partout-Farbe – genauso wie für manche Leute schwarz.Mit Marineblau lässt sich (fast) jede andere Farbe tragen, Marine bildet einen Hintergrund für Muster und Strukturen und für mich eine Uniform, die immer geht. Passe partout eben.

Einen Nachteil hat Dunkelblau jedoch gegenüber schwarz. Es gibt unzählige Dunkel- und Marineblaus. Welche mit Graustich, mit Grün-Anklang, sogar mit Tendenz zu Violett. Und die Kombination von verschiedenen Dunkelblaus finde ich schwierig – oft sehen sie zusammen unharmonisch aus.
Bei meinem Poncho habe ich aus dem Problem eine Tugend gemacht und auf den (graustichig) marineblauen Untergrund lauter mehr oder weniger runde Formen in verschiedenen dunkelblau-Schattierungen genäht. Mich erinnern sie immer an Kiesel in einem Bachbett, so rundlich und gleichzeitig ungleichmäßig. Genäht habe ich mit royalblauem Knopflochgarn – nicht nur die Applikationen, sondern auch die eine Naht, die aus dem Jerseystreifen einen Poncho formt (die Anleitung stammt aus einem der Alabama-Chanin-Bücher).

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Den Zipfel des Ponchos kann man je nach aktuellem Wärme-Bedürfnis vorne, seitlich oder hinten tragen.

Der Poncho ist kein sehr gängiges Kleidungsstück. Ich werfe ihn mir gerne an Sommerabenden über ein Kleid oder benutze ihn in Übergangszeiten als Strickjacken- und Schalersatz. So auch heute, kombiniert mit gekaufter Streifenbluse und selbstgenähter Jupe Anemone (Deer & Doe). Die Anemone ist aus feingestreiftem graublauen Jeans und passt sich all den anderen Dunkelblaus gut an und ist auch ansonsten ein dankbares Kombiteil.

Die Vorzüge von (dunkel)blau könnt ihr heute auch bei der MeMadeMittwoch-Vorturnerin Muriel von Nahtzugabe 5cm bewundern. Das ist die Frau, die die Nähnerd-Gemeinde mit den wunderbaren Näh-Podcasts beglückt. Sie trägt heute ein tolles Kleid – natürlich blau gemustert – mit geheimnisvollem Band im Saum, das einen Petticoat-Effekt hervorruft. Steht ihr super.

Ich habe heute Nähzeit. Auf dem Plan steht eine Hose – klar: in dunkelblau.

Meine kleine Herbstkollektion

Kollektion HerbstHeute zeige ich den Plan für eine kleine Herbstkollektion – entstanden aus bestimmten Nähwünschen und -experimenten (Schnittmuster selbst modifizieren zum Beispiel, ein handgenähtes Teil nach Alabama Chanin fertigstellen) und dem Bedürfnis, dass die genähten Stücke viele Kombipartner finden.

Das Bildmaterial ist das Ergebnis erster Experimente mit Inkscape, die ich für die Nähplanung recht vielversprechend finde.

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ein Kernstück meines Nähplans für den Herbst: die selbstentworfene Bluse

Objekt 1 heißt auch: die experimentelle Bluse. Hätte ich heute nicht so viele Blogs gelesen, wäre sie wahrscheinlich schon fertig. Die Bluse hat vorne und hinten je vier Falten im Taillenbereich und einen Tropfenausschnitt. Die ursprünglich geplanten Manschetten habe ich zugeschnitten, aber ich werde sie weglassen, damit die Bluse weniger nach alter Tante aussieht. Die Ärmel bleiben besser unten offen. Wie ich den Grundschnitt verändert habe, ist hier genau beschrieben.
Der Stoff ist ein ganz billiger, aber schön gemusterter Polyester. Fällt wunderbar weich und lässt sich gut verarbeiten. Wie er sich trägt, muss ich ausprobieren – ich habe mit Kunstfasern kaum Erfahrung. Als Probestoff für das Schnittmusterexperiment ist er auf jeden Fall ok.

Objekt 2 ist ein roter Hollyburn-Rock. Der Stoff, ein sanft-hellweinroter Crepe vom Berliner Maybachufer, wartet schon seit den Osterferien darauf, ein Hollyburn zu werden. Er passt, anders als auf der Illustration, wunderbar zum Stoff der Bluse.

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Objekt 3 – ein Hosenrock nach einem Schnitt von 1942

Objekt 3 ist eine Culotte nach dem 1942er-Schnitt – sieht aus wie ein Rock mit Kellerfalte und hängt in schwarz (im Herbst und Winter gerne getragen) schon seit letztem Winter in meinem Schrank. Der Stoff ist ein Fischgrat-Chambray vom blauen Kleid, den ich petrol überfärbt habe.

Objekt 4: eine schmale Hose aus dunkelblauer Gabardine – auf diese Näherfahrung bin ich sehr gespannt. Denn über Passformprobleme bei Hosen, insbesondere bei weiblicheren Hüften, habe ich leider schon so viel gelesen… Für einen Schnitt habe ich mich noch nicht entschieden. Mir gefallen viele Varianten der Sew Over it Ultimate Trousers, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Schnitt nicht zu eng für mich ist – besonders um die Hüfte und die Oberschenkel. Ähnliches gilt für die Ginger Jeans. Vielleicht lieber Simplicity 1696? Diese Version macht mir Appetit darauf. Wenn jemand von euch mit 1696 Erfahrung hat – ich bin dankbar für Hinweise.

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Basis-Schnitt mit dezentem Extra: die Blätter sind von Hand appliziert.

Objekt 5 ist schon fast fertig: ein schlichtes dunkelblaues Shirt mit handapplizierter Alabama-Chanin-Verzierung. Nur säumen muss ich es noch.

 

 

 

 

 

 

Ein Vorderteil meiner Alabama-Chanin-Jacke. Sie besteht aus zwei Lagen Jersey - petrol und dunkelblau - und wird komplett von Hand genäht
Ein Vorderteil meiner Alabama-Chanin-Jacke. Sie besteht aus zwei Lagen Jersey – petrol und dunkelblau – und wird komplett von Hand genäht

Objekt 6 ist schon seit Wochen in Arbeit. Mein Nähyoga-Sommerferien-Projekt. Es wird eine Alabama-Chanin-Jacke in Petrol mit Dunkelblau. Die Vorderteile habe ich komplett in Reverse Appliqué gearbeitet, den Rücken nur im Schulterbereich (daran sitze ich gerade an gemütlichen Abenden). Ob und wie ich die Ärmel besticke, weiß ich noch nicht.

Schönes Scheitern

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Mit der Stickerei bin ich zufrieden – mit dem Shirt leider nicht

Ich trage zum heutigen MeMadeMittwoch einen schönen Fehlschlag. Ein Shirt inspiriert von der amerikanischen Designerin Natalie Chanin und ihrer Firma Alabama Chanin. Dort gibt es wundervolle, komplett handgenähte (zu Recht sehr teure) Jerseyklamotten mit aufwändiger Verzierung: ornamentale Applikationen, Reverse Appliqué, Perlenstickerein. Das Tolle: die Schablonenmotive, die den Modellen zugrunde liegen, lassen sich auf der Website des Unternehmens ausdrucken, Anleitungen und Schnitte hat Natalie Chanin in inzwischen vier Büchern veröffentlicht. Ich habe nach einem Poncho und zwei Schals zum ersten Mal ein Kleidungsstück à la Chanin ausprobiert. Und bin gescheitert.

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Shirt an der Leiter: farblich passt das gut
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Ich habe die Formen mit Stabperlen umstickt

Das Shirt ist nach dem Schnitt Renfrew von Sewaholic mit der Maschine genäht. Handgenäht ist nur das Reverse Appliqué am Ausschnitt. Dazu habe ich den Ausschnitt mit einem Beleg aus weißem Jersey verstürzt (altes T-Shirt). Dann habe ich ein selbstgezeichnetes Motiv aufschabloniert; die Schablone habe ich aus fester Kunststofffolie – Mobile-Folie – geschnitten. Die schablonierten Formen habe ich mit Perlen umstickt und am Ende die Formen so ausgeschnitten, dass nur der Rand stehen bleibt. So weit, so gut – und mit diesem Teil des Shirts bin ich auch zufrieden (obwohl die dunkelgraue Stofffarbe mir zu dunkel geraten ist).

Gescheitert bin ich am Material. Ich habe einen dünnen Strick verwendet (älterer Fehlkauf von Stoffe.de), der für wahrscheinlich jedes Nähprojekt zu flutschig, laberig, instabil ist. Während des Nähens wuchs dieser Stoff in alle möglichen Richtungen, verzog sich wie ein Gummiband – war auch mit Engelsgeduld kaum zu bändigen. Nur der Ausschnitt bleibt wie er soll, weil ich ihn mit Band bebügelt habe. Durch all das Wachsen und Flutschen ist mir die Saumkante schief geraten und das Shirt wird immer weiter und weiter.

Schablone aus fester Kunststoff-Folie
Schablone aus fester Kunststoff-Folie
Muster, mit Stofffarbe aufschabloniert
Muster, mit Stofffarbe aufschabloniert
Zwischenstadium: halbbestickt
Zwischenstadium: halbbestickt

Obwohl ich also ein formschönes, verziertes Shirt geplant habe, ist am Ende ein schön verziertes unförmiges Shirt entstanden. Ich habe es heute dennoch im Alltagsleben eingeweiht. Und ich schwöre hiermit: Alabama Chanin nur noch mit hochwertigstem Jersey! Laberige Fehlkäufe in die Tonne!

Übrigens: Ich habe beschlossen, das schön gescheiterte Shirt bald durch einen formstabilen Nachfolger zu ersetzen. Handnäherei ist ein wunderbarer Zeitvertreib an lauen Sommerabenden.

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Das Shirt ist zu laberig – aber zu Jeans finde ich es einigermaßen tragbar

Was andere Näherinnen heute an schöner, selbstgemachter Kleidung ausführen, könnt ihr wie immer beim MeMadeMittwoch sehen.

 

 

 

 

Style für das Teil und: die Suche nach einer Strickjacke

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Culotte in gelb und rot – beide Varianten mag ich gerne. Das Ringelshirt holt den Hosenrock aus der exzentrischen Ecke und schiebt sie etwas in Richtung Sommerfrische. Das gefällt mir.

„Being on the needle“ heißt heute das Thema des Spring Style Along, der bei Alex (MamaMachtSachen) zu Gast ist. Handarbeiten ist bei mir in der vergangenen Woche leider komplett ausgefallen. Viel zu tun im Job, keine Zeit fürs Nähzimmer. Aber ein Paar Styling-Gedanken um meine neue königsblaue Culotte habe ich mir immerhin gemacht. Anlass waren 25%-Tage bei Boden. Deren Kataloge finde ich häufig inspirierend. Die Sachen haben einen besonderen Chic, der mir gut gefällt. Weniger gut gefallen mir meist die Preise und dann denke ich: So ein Kleid kann ich auch selber machen. Für weniger als 150 Euro. Und es passt auch noch besser. Aber im Sale habe ich nun bei zwei T-Shirts zugeschlagen. Ringel mögen der einen oder anderen langweilig vorkommen, sind bei mir aber Dauer-Klassiker, die ich seit Teenie-Zeiten liebe. Mutig war ich vor allem bei dem gelbgestreiften Stück, denn ganz lange war ich der Überzeugung, dass Gelb keine Farbe für mich ist. Weil es aber zu dem Königsblau so gut passt (und ich ein paar coole gelbe Sandalen mein eigen nenne), habe ich mich getraut.

Was jetzt noch fehlt – dringend – sind passende Strickjacken. In meinem Schrank finden sich vorwiegend Exemplare der Gattung „Extra-groß zum drüberziehen“ (und hüft-kaschierend im Winter…). Nun wünsche ich mir, für die Culotte und meine Sommerkleider, ein Gegenmodell (oder besser mehrere). Kürzer – vielleicht nur bis zur Taille? – und schmal geschnitten, mit weiblichem Touch (Wiener Nähte???), eventuell nur mit kurzen Ärmeln. Nur ein Schnittmuster fehlt. Hat jemand vielleicht eine Idee? Ich wäre dankbar für gute Strickjacken-Tipps.

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Das Alabama-Shirt macht Fortschritte. Teilweise sind die schablonierten Elemente schon mit Glasperlen bestickt. Ein Ornament habe ich auch schon ausgeschnitten. Dann sieht man schon mal, wie’s am Ende aussehen soll.

Ein bisschen war ich auch in der vergangenen Woche „on the needle“. Abends während der Tagesschau stichele ich meditativ am Alabama-Chanin-Shirt. Als Perlen habe ich mich für silbrige Glasstifte entschieden: eine für jeden Stich (wie sie sich waschen weiß ich immer noch nicht). Ich bin ganz erstaunt, wie fix das Sticken geht – vielleicht schaffe ich ja die Fertigstellung bis nächste Woche? Bis dahin wünsche ich Euch fröhliches Nähen!

 

 

 

Im Nähflow

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Shirt-Oberteil mit Muster – aber noch ohne Stickerei

Accessoires heißt heute das Thema des Spring Style Along, heute bei  Antonia (MarjaKatz). Deko habe ich derzeit aber noch gar nicht zu bieten. Im Gegenteil. Ich bin im Nähflow. Seit zwei Wochen habe ich eine neue Nähmaschine (Brother Innov Is 100 Prime Edition), die sich im Vergleich zu meiner alten Singer verhält wie ein Porsche zum Trabi. Also freue ich mich über die Regentage und nähe und nähe und nähe.

Sie ist bequem, ich mag das Blau - aber trotzdem... merkwürdig?
Sie ist bequem, ich mag das Blau – aber trotzdem… merkwürdig?

Fertig geworden: die königsblaue, bundfaltenbefreite Culotte. Gestern schon vorgeführt. Nur den Knopf muss ich noch annähen. Was ich davon halte, weiß ich noch nicht. Eine Styling-Frage wahrscheinlich. Und das Styling muss (s)ich noch entwickeln. Froh bin ich auf alle Fälle, dass die Veränderung am Schnitt so gut funktioniert hat. Bundfalten entfernen – das erweitert die Möglichkeiten und mein Repertoire – was will man mehr.

Nur die Knöpfe fehlen noch!
Nur die Knöpfe fehlen noch!

Außerdem soeben (fast) fertig geworden: die Eiffelturmbluse. Nur die Knöpfe… fehlen noch. Die Knopf-Annäh-Funktion der neuen Maschine stimmt mich noch etwas skeptisch. Also brauche ich einen langen TV-Abend mit möglichst anspruchslosem Film um all die Knöpfe (1+12+6 von einer Kinderjeansjacke) an die Kleidung zu bringen.

Was ich jetzt schon an der Bluse mag: Sie ist klassisch, kombinierfreudig und das ungewöhnliche Muster gibt ihr etwas Besonders. Garantiert nicht von der Stange!

zur schablone in 3 schritten
Zur Schablone in drei Schritten: Muster aussuchen, auf feste Folie durchzeichnen, sorgfältig ausschneiden
Perlen fürs Shirt und für andere Projekte
Perlen fürs Shirt und für andere Projekte

Fortschritte kann ich auch vom Alabama-Chanin-Shirt vermelden. Der weiße Beleg ist zugeschnitten. Das Muster ist ausgesucht (das war schwierig!) und drauf schabloniert. So dunkel sollte die Farbe gar nicht werden, aber mein liebevoll gemischtes Mausgrau ist beim Trocknen heftig nachgedunkelt. Macht nichts, das meiste wird sowieso rausgeschnitten. Ich habe mich für die Variante mit Perlen entschieden und sicherheitshalber – guter Vorwand – noch ein paar eingekauft. Und noch ein paar türkis-blaue gemischte Perlen für ein noch auszubrütendes Objekt. Ich fand sie so hübsch.

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Ein Vintage-Kleid als Herausforderung

Eine styletechnische Herausforderung habe ich gestern in einer Stoffsammelschublade gefunden: Dieses Seiden(?)kleid ist das Geschenk einer lieben Freundin, aus der Erbmasse einer entfernten Tante. „Da kannst du doch sicher was draus machen“, sagte sie. Die Farben finde ich super – passen sogar  zur Culotte! Aber insgesamt ist das Ding höchst merkwürdig. Mit tiefer Taille, Kellerfalten im Rock, Mega-Bewegungsfalte im Rücken. Passt mir nicht, steht mir noch weniger, ist so untragbar. Also überlege ich: Rock abschneiden und das Oberteil zur Bluse machen? Rockteile in nettes Oberteil umarbeiten? Rockteil zum Rock machen? Ihr seht: viel Luft für kreatives Potenzial. Vorerst habe ich das Objekt meiner Puppe angezogen, schaue immer mal wieder drauf und denke nach…

Was andere Damen sich ausdenken, seht ihr heute beim Spring Style Along bei Marja Katz.

 

 

Spring Style Along: Fortschritte und Fragen

Muster zur Auswahl, das zugeschnittene Oberteil und weißer Jersey für den Beleg
Muster zur Auswahl, das zugeschnittene Oberteil und weißer Jersey für den Beleg – das wird ein Shirt mit Reverse Appliqué

Spring Style Along – ich mache Fortschritte, gleichzeitig an mehreren Baustellen: Richtig froh war ich, dass mich das Projekt von Alexandra (MamaMachtSachen) und Antonia (MarjaKatz) letzte Woche dazu gebracht hat, endlich einmal kritisch meinen Kleiderschrankinhalt zu  beäugen. Dort habe ich einige Kombiklamotten gefunden, die meist nach dem Prinzip dunkelblau + X funktionieren. Und ich habe mich einer ungeliebten Schrankleiche angenommen und meine marine Marlenehose gekürzt.

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Marlene ist gekürzt – und endlich tragbar

Am Tag danach habe ich sie schon ausgeführt und die Länge für gut befunden. Dass die Hose ungewöhnlich ist, habe ich in der Schule übrigens schnell gemerkt: „Ist das eine Hose oder ein Rock?“, wurde ich zwei Mal von Schülern gefragt – die überlicherweise Lehrer-Kleidung lieber ohne diese diskutieren.

links königsblauer Popeline, rechts rauchblaues Leinen - und beides passt nicht zu den Liberty-Teetassen
links königsblauer Popeline, rechts rauchblaues Leinen – und beides passt nicht zu den Liberty-Teetassen

Außerdem habe ich ganz experimentell an einem Culotte-Schnitt herumgedoktort und die Bundfalten herauskonstruiert. Der dafür vorgesehene königsblaue Popeline vom Roten Faden gefällt mir gut – leider passt die Farbe nicht, wie geplant, zum Liberty-Teetassenstoff. Wahrscheinlich nähe ich die Culotte aber trotzdem wie geplant und suche ihr neue Kombipartner. Das ist derzeit meine Spring-Style-Herausforderung Nummer 1.

Ein universal kombinierbares, aber dennoch besonderes Oberteil habe ich diese Woche schon mal in Angriff genommen. Ein Shirt aus leichtem silbergrauen Strick, das am Halsausschnitt eine Dekoration in Reverse Appliqué-Technik nach Alabama Chanin bekommen soll. Dazu werden mit Stofffarbe und mit Hilfe einer Schablone Ornamente aufgemalt. Dann verstürze ich den Halsausschnitt mit einem Beleg aus weißem Jersey (alters Kindershirt) und umsticke die Ornamente durch beide Lagen hindurch. Schließlich wird das Innere der Ornamente vorsichtig ausgeschnitten, so dass vom bemalten Strick nur noch ein Rand stehen bleibt und der Jersey des Belegs hervorkommt.

Viele tolle Beispiele in dieser Technik zeigt immer wieder Antje von „Machen statt kaufen“ unter dem Label „Slow fashion“. Sie näht ihre Klamotten sogar von Hand zusammen – so weit bin ich noch nicht. Zwischendurch mag ich solche Hand-Arbeiten aber sehr gerne, vor allem, weil sie auch gesellige Plauder- oder Fernsehabende oder Gartennachmittage mitmachen und ich nicht unbedingt im Nähzimmer sitzen muss.

Türkis oder weiß zum silbergrauen Strickstoff?
Türkis oder weiß zum silbergrauen Strickstoff?

Der Zuschnitt für das Shirt ist gemacht (Schnitt: das bewährte Sewaholic Renfrew Top) und ich habe liebevoll die Ausschnittkanten mit Band bebügelt, weil der Stoff sehr flutschig und dehnbar ist und sonst sicher völlig die Form verlieren würde. Auch die Stofffarben stehen bereit, nur ein
Muster muss ich noch aussuchen – oder selbst zeichnen. Und ich weiß noch nicht, ob ich graue Farbe und weißes Garn nehme (monochrom, passt zu allem, eher elegant) oder lieber beides in türkis – ein bisschen bunter, aber auch nicht mehr so universell kombinierbar… Und vielleicht sollte ich auch ein paar Perlen aufnähen? Das sieht in den Alabama-Chanin-Büchern super aus, aber ich habe es noch nie probiert. All diese kleinen, aber schwierigen Entscheidungen sind heute meine Spring-Style-Herausforderung Nummer 2.

Wie es weitergeht, könnt ihr hier nächste Woche lesen. Und welche Gedanken sich viele andere Frauen machen, lest ihr beim Spring Style Along.