Ein Partner für Hollyburn

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Astoria mit Hollyburn – prima Partner

Hollyburn mag ich gern. Drei Stück hängen in meinem Schrank, ein blauer aus Wolle, ein roter aus Crepe und ein Sommerrock aus blauem Leinen. Es können gerne auch noch welche dazukommen. Aber das passende Oberteil zu finden fand ich oft nicht leicht – zumindest, wenn ich mal kein Shirt in den Bund stecken möchte.

Bei Dana von cutiecakeswelt habe ich kürzlich die Antwort auf die Frage nach Hollyburns perfektem Partner gefunden. Astoria von Seamwork. Der taillenkurze Pulli ergänzt die Silhouette des schwingenden Rockes ideal.  Also habe ich eine langehegte Skepsis gegenüber kurzen Oberteilen beiseitegeschoben, mich bei Seamwork angemeldet und losgelegt.

Der Schnitt ist simpel, aber dennoch formschön, außerdem schnell und einfach genäht. Das Astoria-Probeteil besteht aus einem wollweiß/grauweißen Stoff undefinierbarer Zusammensetzung, ein leicht leicht kratziger Strick, von dem ich mir nicht erkären kann, wie er in mein Stofflager geraten ist. Er ließ sich gut verarbeiten, trägt sich ok und passt farblich gut zum roten Hollyburn (zum dunkelblauen sowieso).

Ich bin sehr froh mit der Entdeckung – danke, Dana! Die nächsten zwei Exemplare sind schon geplant. Denn schließlich passt Astoria auch gut zu meiner Marlenehose und anderen Unterteilen, deren Bund etwas höher reicht.

Beim MeMadeMittwoch zeigen heute wie immer viele tolle Frauen selbstgenähte Sachen. Und Katharina tanzt in einer sensationellen Norweger-Strickjacke vor. Ich bin schwer beeindruckt.

 

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Lehrreicher Wollrock mit Nadelstreifen

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Mit Pulli und Schal ist der lila Rock ein alltagstaugliches Winter-Outfit

Meine zeitmangelbedingte Blogpause endet heute mit einem interessanten Fall. Mein lila Wollrock (mit viel Spaß auf der Annäherung Süd 2016, dem Würzburger Näherinnentreffen gemacht) hat nämlich einige näherische Lektionen zu bieten.

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Senkrechte treffen waagerechte Nadelstreifen

Erste Lektion: der Schnitt. Bei der Annäherung hat eine Gruppe von Frauen den Vormittag beim Fabrikverkauf von Rene Lezard verbracht. Und dort nicht nur Stoffe und Kurzwaren gefunden, sondern auch Inspirationen. Bei mir war dies ein Wollrock, aus einem einzigen Stoffstück gemacht mit sehr reizvollem Streifenverlauf. In der vorderen Mitte trafen sich waagerechte und senkrechte Streifen des Nadelstreifenstoffes an der einzigen Naht des Rockes. Die Verarbeitung fand ich ebenso mager (simpler Gummibund, kein Futter) wie den Preis üppig (herabgesetzt noch gut 250 Euro). Also habe ich mich fürs Nach- und Bessermachen entschieden. Den Schnitt habe ich auf Grundlage eines Dreiviertel-Tellers selbst ausgetüftelt.

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Gepaspelter Reißverschluss mit Nadelstreifen

Zweite Lektion: der Reißverschluss. Einen Reißverschluss in der vorderen Mittelnaht wollte ich nicht, um den Streifeneffekt nicht zu zerstören. Weil sonst keine Naht vorhanden war, habe ich einen gepaspelten Reißverschluss genäht, ähnlich wie ein dreiseitiges Paspelknopfloch. Ich bin sehr zufrieden, wie ordentlich mir das mit dem Streifenverlauf gelungen ist.

Dritte Lektion: der Fall. Es stört mich nicht, aber ich finde es lehrreich, denn mein Rock führt ein Doppelleben. Tut er vorne so wie ein A-Linien-Rock fällt er auf meiner Rückseite schwingend wie ein Tellerrock. Ich bin sicher, das liegt an den unterschiedlichen Fadenläufen – senkrecht und waagerecht vorne, diagonal im Rückenbereich. An einem Stück kann man selten so deutlich sehen, wie großen Einfluss der Fadenlauf tatsachlich hat.

Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller - von vorne ist er A-Linie
Von hinten hat der Rock etwas von einem Teller – von vorne ist er A-Linie

Vierte Lektion: die Farbe. Gekauft habe ich den Stoff im vergangenen Frühherbst bei einer Fahrt nach Brighton, vor allem, weil ich den wunderbaren, höhlenartigen, mit Stoffschätzen vollgestopften Laden nicht ohne einen Kauf verlassen wollte. Und auf Grau und Schwarz hatte ich einfach keine Lust. Also habe ich drei Meter des lilafarbenen Nadelstreifenstoffes mitgenommen und mich danach wochenlang gefragt, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Was trägt man schliesslich zu lila? Inzwischen habe ich mich mit der Farbe angefreundet und plane sogar eine kleine Jacke aus dem Reststück. Auch wenn ein ganzes Kostüm vielleicht doch ein bisschen too much lila ist…

Fünfte Lektion: die Kleinigkeiten. Die machen für mich oft den Unterschied zwischen einem tragbaren und einem geschätzten Kleidungsstück. Mein Rock hat ein schönes, farblich perfekt passendes Blümchenfutter aus Viskose (der Stoff stammt vom Annäherungs-Wühltisch, vielen Dank der unbekannten Spenderin!). Der Saum ist unsichtbar von Hand genäht, der Beleg ebenso (fast) unsichtbar von Hand befestigt. Das macht den Rock feiner und seriöser als gesteppte Nähte. Noch so eine feine Kleinigkeit ist mein kleines Couseuse-Schild. All diese Details sorgen dafür, dass ich besonders zufrieden bin mit diesem Rock. Wenn ich ihn trage , freue ich mich über mich, über den Rock und darüber dass ich nähen kann. Ein richtiger Gute-Laune-Garant für trübe Tage.

Wie andere Näherinnen dem Winter begegnen, könnt ihr heute wie jede Woche beim MeMadeMittwoch lesen.

Verlinkt bei AfterWorkSewing