Reverse Appliqué – so funktioniert’s

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Reverse Appliqué an einem Schal – der Oberstoff ist fuchsia, der Unterstoff korallenrot. Das Motiv stammt von Natalie Chanin; der Schal ist komplett gedoppelt. Rundherum sind beide Lagen offenkantig mit Steppstich zusammengenäht

Zum ersten Mal ist mir die Technik Reverse Appliqué vor Jahren bei Constanze von Nahtzugabe begegnet. Und später dann immer wieder in den tollen Teilen von Antje von machenstattkaufen. Da war ich schon längst ein Fan von Natalie Chanin, der amerikanischen Designerin, die die Technik mit ihren aufwändig handgenähten Modellen immer wieder vorführt. Auch auf dem amerikanischen Blog Lilacs & Lace von Laura Mae finden sich tolle Ensembles nach Alabama Chanin.

Inzwischen besitze ich drei der Bücher von Natalie Chanin und habe schon einige Stücke mit Reverse Appliqué genäht. Bei einigen habe ich das Motiv selbst entworfen, bei anderen habe ich Vorlagen von Natalie Chanin verwendet (im Internet umsonst zu finden). Schwierig ist die Technik nicht, nur ein bisschen Zeit und Geduld muss man haben.

Wichtig: passendes Material. Mit einem labbrigen Strickstoff habe ich – nach viel Arbeit mit dem Malen und Sticken – letztes Jahr ein Teil für die Tonne produziert und daraus gelernt: Der Jersey, den man verwendet, muss eine gewisse Stabilität haben. Baumwolljersey ist ok, von sehr weichem, dehnbaren Viskosejersey würde ich dringend abraten.

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Drei Arbeitsschritte an einem Stück: Das Muster (wieder von Natalie Chanin) auf der Schulterpasse ist fertig schabloniert, Ober- und Unterstoff sind zusammengeheftet. Im rechten Drittel sind die Konturen schon umstickt. Ganz rechts unten ist der Oberstoff in den Formen ausgeschnitten, der Unterstoff kommt zum Vorschein.

Und so funktioniert es:

  1. Motiv auswählen und überlegen, wo es platziert werden soll. Über der Farbkombination von Oberstoff, Unterstoff, Stofffarbe und Stickgarn grübeln. Kombinationen Ton in Ton sehen edel aus, aber auch starke Kontraste wirken toll.
  2. Beide Stoffe zuschneiden. Man kann ein Shirt, einen Schal oder eine Jacke komplett dopppeln, nur einzelne Teile (z.B. die Schulterpasse oder das Vorderteil) doppeln und verzieren. Alternativ lässt sich der Unterstoff wie ein breiter Beleg verarbeiten, wenn das Reverse Appliqué zum Beispiel am Ausschnitt auftauchen soll.
  3. Motiv aussuchen und eine Schablone herstellen, je nach Plan aus fester Folie oder aus Papier (eventuell mit Klebefolie stabilisiert; Tipps zum Schablonieren gibt es hier).
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    Mit Stofffarbe wird das Muster aufschabloniert
  5. Dann das Motiv mit Stofffarbe auf den Oberstoff schablonieren. Darunter sollte Zeitungspapier liegen, weil die Farbe an einigen Stellen durchschlägt. Besonders gut funktioniert das mit einem stumpfen Schablonierpinsel oder mit einem Stück Küchenschwamm (die gelben mit der blauen Scheuerschicht; sie lassen sich mit der Schere wunderbar zurecht schneiden).
  6. Ober- und Unterstoff ordentlich aufeinander heften.
  7. Nun kommt der gemütliche Teil des Projektes, der je nach Zeitbuget ein Weilchen dauern kann: Mit Knopflochgarn (oder geteiltem Stickgarn) die Kontur des Motivs nachsticken. Die Knoten können dabei auf der linken Seite des Stücks liegen oder gewollt auf der rechten, dann geben sie später eine zusätzliche Struktur. Ob man Steppstiche oder Vorstiche nimmt, ist Geschmackssache. Ich entscheide mich meist für Steppstich, weil das Gesamtbild dann ruhiger wirkt.

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    Die Formen werden umstickt. Hier habe ich Sticktwist geteilt und immer drei Fäden zum Sticken genommen
  8. Jetzt kommt mein Lieblings-Arbeitsschritt: Den Oberstoff im Inneren der Formen so wegschneiden, dass ein schmaler Rand von zwei bis drei Millimetern stehen bleibt. Dabei kommt der Unterstoff zum Vorschein und man bekommt zum ersten Mal eine Idee, ob Plan und Wirklichkeit übereinstimmen. Vorsichtig schneiden und keine Löcher in den Unterstoff machen! Am besten geht das mit einer sehr spitzen, scharfen Stickschere oder einer guten Nagelschere (besonders praktisch bei gebogenen Motiven).
  9. Die Schnitteile wie gewohnt zusammennähen. Wenn das Kleidungsstück komplett gedoppelt ist, kann man die beiden Lagen ganz bequem wie eine verarbeiten. Ob man jetzt zur Maschine greift oder der Handnäherei treu bleibt ist eine Frage von Zeit und Geduld.
  10. Et voilà: schon fertig.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Handnäherei? Zen mit der Nadel oder Nervenstress? Und schont ihr eure handgenähten Stücke auch so sehr wie ich? Ich schaue mir sie an, ich freue mich und lege sie oft zurück in den Schrank. Zum Schonen. Zu schade zum Tragen an einem normalen Tag. Verrückt, oder?

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Ein Gedanke zu “Reverse Appliqué – so funktioniert’s

  1. knittingwoman 27. März 2016 / 19:19

    super gemacht, ich würdsja auh mal testen, aber ich bin noch nicht überzeug,dass es zu mit passt
    lg
    monika

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