Nähen für’s innere Gleichgewicht

Gegen Stress finde ich Patchwork fast so gut wie Yoga
Gegen Stress finde ich Patchwork fast so gut wie Yoga

Manchmal lassen wir uns auffressen – vom Frust über Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben, vom Ärger über Menschen, die wir nicht ändern können, von Aufgaben, die uns nicht gut tun. Wir vergessen im alltäglichen Survival-Modus auf die Dinge zu achten, die eigentlich wichtig sind.

Kürzlich saß ich mit lieben Kolleginnen zusammen und wir sinnierten über diese Fragen. Und über die wirklich bedeutsamen Dinge. Ich habe mir an diesem Nachmittag vorgenommen, das Gleichgewicht in meinem Leben besser zu pflegen. Wie das gehen kann und was die bedeutsamen Dinge sind – das sind sehr persönliche Fragen. Zu meinen Antworten gehören diese: Öfter den Job neben den Kindern herlaufen lassen statt umgekehrt. Genug Zeit für mich selbst und mein inneres Gleichgewicht freihalten. Und das heisst auch: Nähen, ganz egal, wie groß der Bügelwäscheberg sein mag und wie staubig das Wohnzimmer.
Vor ein paar Tagen habe ich bei Louise ein ganz wunderbares Gleichnis gelesen das mir wie ein Echo auf mein Kolleginnen-Gespräch vorkommt.

Kurz übertragen geht die Geschichte so:

Ein alter Dozent einer französischen Elite-Hochschule hält einen Vortrag über Zeitmanagement. In einer Stunde soll er dem Führungsnachwuchs alles Wissenswerte über das Thema nahebringen. Er tut dies mit einem Experiment.
Der Dozent stellt einen riesigen Glaskrug auf den Tisch. Dann bringt er einen Haufen tennisballgroßer Steine zum Vorschein und legt sie nacheinander in den Krug. Als kein Stein mehr hineinpasst, fragt er seine Schüler: Ist der Krug nun voll? Ja!, rufen sie. Da holt er einen Eimer mit Kies unter dem Pult hervor, füllt die Kiesel in den Krug und schüttelt, bis sie sich in alle Hohlräume verteilt haben. Wieder fragt er: Ist der Krug nun voll? Nein, ruft einer besonders gewitzter unter seinen Schülern. Zufrieden stellt der Dozent einen Eimer mit Sand auf das Pult, schüttet ihn in den Krug und rüttelt vorsichtig, bis der Sand sich gut verteilt hat. Erneut fragt er: Ist der Krug voll? Nun sind sich alle Schüler einig: Nein, ist er nicht. Und der alte Herr nimmt die Wasserkaraffe vom Pult und gießt den Krug bis zum Rand mit Wasser voll. Dann fragt er: Welche große Wahrheit zeigt nun dieses Experiment? Ein eifriger Schüler antwortet ihm: Es zeigt, dass wir immer noch eine Lücke in unserem Zeitplan finden, dass wir immer noch etwas mehr arbeiten, ein paar Termine mehr einbauen können, wenn wir nur wollen.

Ganz falsch, antwortet der alte Dozent. Das Experiment zeigt uns dies: Wenn wir die dicken Steine nicht als erste in den Krug füllen, passen am Ende nicht alle von ihnen hinein.
Und, nach einem Moment nachdenklicher Stille, fährt er fort: welches sind nun die großen Steine in eurem Leben? Eure Familie? Ein Hobby? Für eine Sache eintreten? Sich entspannen und Spaß haben? Einen Traum verfolgen? Das sollt ihr lernen: ins Leben erst die großen Steine, die wichtigen, einfüllen. Sonst werdet ihr keinen Erfolg haben – mit eurem Leben. Wenn ihr den Nichtigkeiten – Kieseln und Sand – den Vorrang einräumt, werden sie euer Leben ausfüllen, und den wichtigen Dinge keinen Platz lassen. Das ist es also, was ihr euch fragen müsst: was für euch die wichtigen Dinge sind. Und diese müsst ihr dann zuerst in den Krug eures Lebens füllen.

So wenig ich oft mit Gleichnissen, Lebensweisheiten, Aphorismen und ähnlichen geflügelten Geschichten anfangen kann – diese hat mich berührt. Louise hat natürlich die Verbindung zum Nähen gezogen, für das sie sich Zeit nimmt, auch wenn 1000 andere Dinge anstehen. Das versuche ich auch. Und freue mich, wenn es klappt. Denn wenn ich erst mal ein Stündchen genäht habe, profitiert meine Familie hinterher von meinem entspannteren, zufriedeneren ich. Genauso, wenn ich mit lieben Freundinnen geplaudert oder mehr oder weniger große Gedanken für den Blog aufgeschrieben habe.

 

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3 Gedanken zu “Nähen für’s innere Gleichgewicht

  1. Dana 4. Dezember 2015 / 18:09

    Du hast ja so Recht! Ich hab gestern nach Ca.5 Wochen wieder genäht und sofort viel entspannter und glücklich.
    Die Zeit muss ich mir einfach nehmen.
    LG Dana

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