Bouclé-Jacke für jeden Tag

Die Bouclé-Jacke in dunkelblau trägt sich gemütlich wie eine Strickjacke.
Die Bouclé-Jacke in dunkelblau trägt sich gemütlich wie eine Strickjacke.

Meine erste selbstgenähte Bouclé-Jacke war ein altrosafarbener Alptraum, von meinem Mann abfällig „die Zahnarzt-Gattinnen-Jacke“ getauft. Nichts gegen die Ehefrauen von Zahnärzten, er dachte eher an jene föhngewellten Damen, die im Vorabend-Werbefernsehen mit ihrer angeheirateten Kompetenz diese oder jene Zahncreme anpreisen.

Die Zahnarzt-Gattinnen-Jacke ist längst in einer Kleidersammlung gelandet, aber eine Bouclé-Jacke wollte ich weiterhin besitzen. In Paris bei Sacré Coupons fiel mir dann dieser Stoff in die Hände: dunkelblau mit schwarz, ohne Glitzer, ganz locker gewebt – kein Risiko einer weiteren Vorabendwerbung-Jacke. Daraus habe ich letztes Jahr eine neue Alltags-Bouclé-Jacke genäht. Heute merke ich an dieser Jacke an vielen Details, wie ich mich nähtechnisch weiterentwickelt habe – denn einiges würde ich inzwischen anders machen. Dennoch trage ich die Jacke gerne.

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Die Jacke hat Schulterpassen und Prinzessnähte vorne und hinten, Zweinahtärmel und einen etwas merkwürdig geformten Stehkragen.

Ich wollte den lockeren Charakter des Stoffes bewahren und habe ihn deswegen nicht komplett mit Einlage versehen. Nur die Kanten sind, der besseren Verarbeitung wegen, mit Vlieseline bebügelt. Den Schnitt (Relikt aus meinen Näh-Anfängen: „Sylt“ von Schnittreif) habe ich mehr tailliert als vorgesehen – heute denke ich: auch an den Schultern hätte ich die Jacke noch schmaler machen können. Das ist ein typischer Fall von mit der Näh-Erfahrung zunehmendem Perfektionismus.

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Buntes Futter und Paspelknopflöcher – solche Verarbeitungsdetails machen mir Freude

Der Kragen ist eine merkwürdige Variante auf den im Schnitt angebotenen Stehkragen. Er gehört ebenfalls zu den Details, die ich heute anderes arbeiten würde. Ich nenne ihn wegen der zueinanderzeigenden Spitzen „Säbelzahntiger-Kragen“ und behaupte gegenüber strengen Beobachtern einfach: Das muss so sein.Das Futter ist ein wildgemusterter Coupon von Karstadt – noch so ein Fall von buntem Gute-Laune-Futter in einem eher nüchternen Kleidungsstück. Das mag ich. Besonders stolz bin ich auf die Paspelknopflöcher: meine ersten. Und dank der Anleitung meiner Nählehrerin Martina sind sie richtig gut geworden.

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Alltagstauglich ist die Jacke mit einem bunten Schal

Die Jacke trage ich vor allem im Winter gerne statt Strickjacke zur Jeans. Dazu ein schlichtes Shirt und ein buntes Tuch – ein einfaches und variables Outfit, das nicht viel Überlegung braucht und im Alltag nicht overdressed wirkt.

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Eine spezielle Stricktechnik, von der ich leider gar nichts verstehe, macht den Schal zum zackigen Drachenschwanz

Das Stricktuch, das ich heute zur Jacke trage ist übrigens wieder Mama-made: ein Drachenschwanz-Tuch in eigentümlicher Ringelstrickweise – ich mag es, weil es etwas Besonders, schön bunt und sehr gemütlich ist.

Was andere Näherinnen derzeit an selbstgemachter Kleidung tragen seht ihr hier bei der allwöchentlichen Parade des MeMadeMittwoch. Besonders sehenswert ist der selbstgemachte Frack von Gastbloggerin Ann-Sophie – sie legt die Latte wirklich hoch…

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10 Gedanken zu “Bouclé-Jacke für jeden Tag

  1. SaSa 3. Dezember 2015 / 9:29

    Deine Jacke ist ein tolles Kombinationsteil! besonders bin ich von den Paspelknopflöchern beeindruckt; das Futter macht gute Laune und passt zu dem tollen Mama-Tuch wie aus einer Kollektion.
    Liebe Grüße, SaSa

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  2. caro bac 3. Dezember 2015 / 9:08

    Liebe Almut, das ist doch ein Erfolg, wenn du nach einem Jahr schon nähtechnisch einiges anders machen würdest. Ich mag Jacken. die als Alternative zur Strickjacke getragen werden, sehr gern. Im Winter sind warme Jakcne einfach ein Muss. Und der Stoff sieht sehr edel aus. LG Carola

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  3. AnniMakes 3. Dezember 2015 / 7:32

    Eine Bouclé-Jacke steht auch noch auf meiner To-Sew-Liste, vielleicht 2016. Besser geht immer, aber mir gefällt die Jacke so wie sie ist sehr. Etwas zu bereite Schultern sind besser als zu schmale, da kannst du auch mal ein dickeres Shirt drunter tragen :-). Toll ist auch das kontrastreiche Futter, solche schönen Details mag ich sehr. Weiterhin viel Spaß mit deiner schönen Jacke, liebe Grüße, Anni

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  4. Ewa Franek 2. Dezember 2015 / 22:25

    Natürlich wird man mit der Zeit und wachsender Erfahrung immer kritischer und betrachtet das eigene Werke mit einem strengen Blick, aber ich finde das ist gut so. Auf diese Weise sieht man seine eigene Entwicklung.
    Ich finde Deine Jacke sieht immer noch toll aus. Sehr schön!:)
    LG
    Ewa

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  5. Pünktchen & Viktoria 2. Dezember 2015 / 16:18

    Bei der schönen Jacke kann man sich kaum vorstellen, dass deine erste solch ein „Unglück“ gewesen sein soll! Sie sieht nicht nur klasse aus, sondern kleidet dich auch ganz hervorragend.

    Liebe Grüße,
    Viktoria

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  6. Susanne Dienstag 2. Dezember 2015 / 15:05

    Die Jacke würde ich auch nicht ausmustern, nur weil da ein paar Details sind, die du möglicherweise heute anders machen würdest, dafür sind Stoff und Futter viel zu schön und die Jacke an sich sowieso.
    LG von Susanne

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  7. kuestensocke 2. Dezember 2015 / 14:42

    Wie schön, dass Du uns die Jacke heute zeigst. Egal ob es aus heutiger Sicht etwas zu kritteln gäbe – der Trageerfolg gibt Dir in allen Punkten recht! Tolle Jacke, passt gut und wird gern getragen – da bleiben ja kein Wünsche offen. Ich musste allerdings gerade schmunzeln, dass Du den Schnitt mit Deinen Nähanfängen in Verbindung bringst. Ich habe aus meiner Anfangszeit auch etliche Farbenmix Schnitte und frage mich heute machmal warum das so ist. Wahrscheinlich liegt es an den Fotoanleitungen im Netz und den vielen verfügbaren Fotos für genähte Exemplare. Den Schnitt Sylt habe ich auch daheim, aber noch nicht genäht. Am Wochenende nähte ich hingegen den Kinderschnitt der Bluse Bjarne und war gar nicht zufrieden damit, dass der Ärmel im Bruch zugeschnitten werden sollte… auch klarer Fall von steigender Nähkompetenz – darum hab ich das freihändig abgeändert und es passte meiner Nichte sehr gut.
    LG Kuestensocke

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  8. fraumuellermachtsachen 2. Dezember 2015 / 13:40

    Liebe Almut,
    klar – Verbesserungen sind immer möglich, aber nicht immer nötig 🙂
    Bei den Bildern mit und ohne Schal sieht man auch gleich, dass es ganz viele Möglichkeiten gibt, mit Farben zu spielen.
    Super Jacke!
    LG
    Simone

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  9. Fröbelina 2. Dezember 2015 / 13:18

    Wirklich eine schöne Jacke und gut dass du sie noch trägst. Ich habe auch einige Sachen im Schrank bei denen ich heute etwas anders machen würde, aber das ist ja ganz klar und natürlich. Eigentlich ist es ja sogar gut so, weil das heißt, dass man seit dem etwas gelernt hat! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

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