Hürdenlauf Jeanshose

Burda-Hose aus Jeansstoff: ein erster Schritt in Richtung perfekte Jeans. Und noch viel Luft nach oben.
Burda-Hose aus Jeansstoff: Eigentlich hat die Hose vorne keinen Katzenbart – das Foto zeigt die Trageknitter nach dem gestrigen Arbeits- und Autofahrtag. Das Shirt ist FrauLiese von Schnittreif, das ginge sicher noch ein bisschen enger.

Um das Nähen von Jeans habe ich lange einen Bogen gemacht. Jeans kauft man. Man probiert in mindestens drei Läden mindestens drei Dutzend Hosen an, von denen dann höchstens drei einigermaßen sitzen, muss zwischendurch mehr als drei Kaffeepausen einlegen und schwört sich zum Schluss, nun endlich täglich Sport zu treiben, nie wieder Schokolade zu essen oder nur noch Röcke zu tragen.

Also habe ich doch versucht, eine Jeans zu nähen. Und das war auf jeden Fall ein Sport. Hürdenlauf. Damit reihe ich mich gerne ein beim heutigen MeMadeMittwoch. Denn den haben die Organisatorinnen um Vortänzerin Sybille heute schließlich zum Tag der Jeans ausgerufen.

Erste Hürde: das Schnittmuster. Ich wollte eine schmale, eher gerade, aber nicht skinny Jeans. Über Ginger habe ich eine lange Weile nachgedacht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein enges Hosenbein an mir gut aussieht. Und eine breite Hüft- und besonders Oberschenkelregion in passenden Ginger Jeans habe ich im WWW nicht entdeckt. Also habe ich mich für einen „normalen“ Hosenschnitt entschienden: Burda 6981.

Seitentaschen - im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden
Seitentaschen – im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden

Zweite Hürde: Anpassungen. Hosen, die mir an der Hüfte passen, sind in der Taille zu weit. Ich habe am Rücken also nach der ersten Anprobe der „Roh-Hose“ zwei zusätzliche Abnäher eingebaut und außerdem an der Seitennaht zwischen Hüfte und Taille in Schritten immer mehr Stoff weggenommen. Die seitlichen Eingrifftaschen haben diese Anpassungen nur knapp überlebt. Mehr als drei Finger passen nicht mehr hinein (aber in dieser Hosennäh-Phase wollte ich erst mal eine vernünftige Passform erreichen und mich nicht mit solchen Details wie Taschen ablenken).

Dritte Hürde: Ergänzungen. Das war weniger Hürde als Routine. Wie immer habe ich den vorgesehenen geraden Bund durch den Formbund meiner Marlene-Hose ersetzt (Burda 8087), das passt einfach besser. Außerdem habe ich Po-Taschen aufgenäht, deren Form ich von einer alten Jeans abgenommen habe.

Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel - sie gehen einfach nicht weg
Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel – sie gehen einfach nicht weg.

Fazit: Die Hose passt an Taille und Po, das ist mehr als die meisten Kaufhosen hinkriegen. Bequem ist sie auch, obwohl der Stoff (billiger Restcoupon von Karstadt) nur wenig Elasthan enthält. Und ich mag den bunten Innenbund – so ein kleiner, farbenfroher Gruß macht mir morgens beim Anziehen gute Laune.

Verbesserungswürdig sind die unbenutzbaren seitlichen Eingriffstaschen und vor allem die Falten an den hinteren Oberschenkeln. Die sind trotz mehrerer Änderungsversuche (Kurve im Schritt ändern, Beine enger nähen) nicht verschwunden.

Was der Hose definitiv fehlt, sind die klassischen Jeansdetails: eingehämmerte Knöpfe, Steppungen, Nieten. Bevor ich mit der Kür anfange, muss die Hose erst mal sitzen.

Trotz der Änderungen überzeugt mich der Schnitt nicht ganz. Die Hose wirkt an mir karottiger als mir lieb ist. Wenn mein Wintermantel fertig ist (mit dem Mantelvirus hat mich Carola auf der Annäherung Süd infiziert), werde ich mich an der Thurlow Hose von Sewaholic versuchen. Die soll ja speziell für Figuren wie meine gemacht sein.

 

 

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11 Gedanken zu “Hürdenlauf Jeanshose

  1. Regina 11. November 2015 / 21:22

    Die Hose ist recht gut geraten für den ersten Versuch. Ich würde an dem Schnitt weiterarbeiten. Möglicherweise fehlt etwas Stoff in der Hinterhose oder die Seitennaht ist zu kurz. Hilfreich kann auch sein, von gut passenden Kaufhosen den Schnitt abzunehmen und zu vergleichen. Ich bin mit dieser Vorgehensweise mit meiner dritten Version jetzt ganz zufrieden. Die typische Passe hinten fehlt bei deiner Hose. In der kannst du alle Abnäher zusammenfassen. Es könnte sein, daß sie auch für die Optik hilfreich ist.

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  2. Sandra Sonnenburg 4. November 2015 / 20:09

    Oha, ein Taschenproblem hatte ich bei meiner Hose auch, allerdings durch den tiefer gesetzten Bund. Deine Beschreibung des Jeanskaufs kenne ich sehr gut und finde ihn ebenso frustrierend. Allerdings noch nicht ganz so frustrierend wie Jeans nähen – ich meine eine mit Nieten und Steppungen und allem Zippzapp.
    Deine Hose sitzt gut, wie ich finde, und ist absolut tragbar. Aber nun bin ich gespannt auf die Thurlow. Von den Bildern und der Beschreibung her könnte das auch ein Schnitt für mich sein – aber den Preis finde ich schon happig… da will ich erst mal bei dir luschern.
    LG
    Sandra

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    • couseuse 4. November 2015 / 21:48

      ja, ich überlege auch oft zweimal bei den independent-Schnittmustern. aber mit sewaholic habe ich gute erfahrungen gemacht… ich werde berichten.
      lg almut

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  3. Tily 4. November 2015 / 19:49

    Gefällt mir gut, besonders mit „eingestecktem“ Shirt – ich mag auch karottigere Schnitte, vielleicht mit höheren Schuhen und weißer Bluse?
    Die Falten sind gar nicht so schlimm, Kaufhosen sehen oft viel unpassender aus. Schnickschnack wie Nieten etc braucht es gar nicht. Viel Spaß mit der Hose!
    viele Grüße
    Tily

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  4. kuestensocke 4. November 2015 / 14:54

    Jetzt wo der Anfang gemacht ist, nur nicht aufhören 😉 Ich glaube bis zur perfekten Jeans sind es nur noch wenige Schritte. Bin gespannt, wass du über den Sewaholoc Schnitt berichten wirst, den habe ich auch hier liegen aber noch nicht genäht. Die Hosentaschen etwas tiefer zu setzen ist ein Versuch wert, denke ich. Damit kann man die rückwärtige Ansicht ganz entscheidend beeinflussen. LG Kuestensocke

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  5. Susanne Dienstag 4. November 2015 / 10:35

    Die ersten Schritte hast du gemacht, das ist doch schon mal gut.
    Bezüglich der Anpassungen hätte ich auch auf Julia von sewing galaxy verwiesen. Vielleicht hilft sie dir auch persönlich weiter, wenn du sie fragst.
    LG von Susanne

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    • couseuse 4. November 2015 / 21:49

      danke für den tipp – ich hatte schon mal geschaut, mich aber in sewing galaxys faltenanalyse mit meinem problem nicht ganz wiedergefunden. vielleicht frage ich sie wirklich mal…
      lg almut

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  6. MaxLau 4. November 2015 / 9:39

    Deine Jeans finde ich absolut bürotauglich. Sie ist klassisch und ohne unnötige Schnörkelei. Mir gefällt sie sehr gut.
    Vielen Dank für deine Jeanshosen-Wegbeschreibung. Durch deinen Bericht habe ich gemerkt, dass die Ginger (bisher mein größter Jeans-Favorit) nicht für meine Kurvenfigur geeignet ist. Missmut und Trauer beim Nähen bzw. Anprobieren wären vorprogrammiert.
    LG Martina

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    • couseuse 4. November 2015 / 21:51

      danke für die ermutigung – ich habe auch beschlossen, die hose trotz falten auszuführen (ich seh sie ja sowieso nicht). und es nochmal mit einem anderen schnitt zu probieren. ich werde berichten.
      lg almut

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  7. naehkatze 4. November 2015 / 9:21

    :-). :-)) Freut mich, dass ich dich angesteckt habe. Deine Jeans sitzt doch ganz gut. Bei Sewinggalaxy gibt es einen Post, der erklärt, wie du die Falten minimieren kannst, indem du aus der hinteren Naht mehr Stoff herauslässt und die Seiten entsprechend verschmälerst. Oder hast du das schon probiert? LG Carola

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    • couseuse 4. November 2015 / 21:52

      ein bisschen was habe ich probiert und jetzt ehrlich keine lust mehr. derzeit habe ich mehr das gefühl von „neuer schnitt, neues glück“. mal sehen. jetzt kommt erst mal der mantel 😉
      lg almut

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