Winter kann kommen

Der Eggshape--Mantel aus Walk ist warm und gemütlich
Der Eggshape-Mantel aus Walk ist warm und gemütlich

Draußen fallen die ersten Schneeflocken, es ist ungemütlich kalt. Ich schlüpfe in meinen neuen Mantel und fühle mich wohlig warm eingehüllt. Mit diesem Stück bin ich richtig zufrieden und deswegen hält der Mantel mich nicht nur warm, sondern macht mir jedesmal, wenn ich ihn anschaue, richtig gute Laune. Dieser Freu-Faktor gehört zu den Dingen, die ich am Nähen so gerne mag.

Mein Mantel – mein allererster übrigens – ist nach einem Ottobre-Schnitt genäht: „Cocoon Shape“ aus Heft 5/14. Der Schnitt ist, wie der Name sagt, bequem und am Oberkörper relativ weit – da passen für arktische Temperaturen noch mehrere warme Wollpullis drunter. Für Gemütlichkeit sorgen auch die überschnittenen Schultern und der Kragen, den man bei Bedarf hochschlagen kann. Im Winter finde ich solche Einkuschel-Schnitte sehr angenehm, da muss es nicht unbedingt figurnah (und damit leicht fröstelnd) sein.

Ein großzügiger, relativ schlichter Schnitt. Ungewöhnlich und leicht zu nähen sind die mit Ecken eingesetzen Ärmel
Ein großzügiger, relativ schlichter Schnitt. Ungewöhnlich und leicht zu nähen sind die mit Ecken eingesetzen Ärmel

Allerdings: Obwohl ich großzügig Nahtzugabe an den Ärmelsäumen gegeben habe, waren diese am Ende deutlich zu kurz – ich musste daher eine Art Manschette ergänzen. Das stört im Ergebnis nicht, machte mir aber während des Nähens Stress. Ob da ein Fehler im Schnittmuster steckt oder ich beim Zuschnitt einen Fehler gemacht habe, habe ich mich lange gefragt. Erst heute morgen, nachdem ich Julias Version mit verkürzten (Originial)Ärmeln gesehen habe, habe ich nochmal in die Zeitschrift geschaut. Und tatsächlich: auf auf den Modellfotos schauen Blusenmanschetten und Pulloverärmel raus – die Ärmel müssen kurz sein. Mir sind allerdings lange Mantelärmel trotzdem lieber – es geht schließlich auch ums Warmhaben…

Walk, eine winddichte Zwischenlage und Steppfutter sorgen für Gemütlichkeit bei Frost
Walk, eine winddichte Zwischenlage und Steppfutter sorgen für Gemütlichkeit bei Frost

Das Material ist petrolfarbener Wollwalk. Die Farbe ist ziemlich leuchtend und muntert mich an grauen Tagen auf. Damit der Mantel kaltem Winterwind standhält, habe ich den Oberstoff zusammen mit winddichtem, atmungsaktiven Interliner (bestellt bei aktivstoffe.de und zuvor auf der Annäherung Süd bei Carola entdeckt) als eine Lage verarbeitet. Gefüttert ist der Mantel mit dunkelblauem Steppfutter. Und zwischen Beleg und Futter habe ich eine rote Satinpaspel gefasst. Das gibt dem Mantel von innen ein bisschen Extra-Pep. Genauso natürlich wie mein neues „Couseuse“-Logo. Sehr gerne mag ich auch die Knöpfe, die dezent, aber mit ihrem Streifenmuster auch etwas Besonderes sind.

Liebevolle Details: rote Satinpaspel, ein Aufnäher mit meinem Alias, Paspelknopflöcher und schöne Knöpfe
Liebevolle Details: rote Satinpaspel, ein Aufnäher mit meinem Alias (die Schrift ist in Wirklichkeit rot!), Paspelknopflöcher und schöne Knöpfe

Leistentaschen mit angesetzten Klappen habe ich zum ersten Mal genäht, dank meines Lieblings-Näh-Ratgebers („Nähen von A bis Z“ der Zeitschrift Neue Mode von 1990 – ein Geschenk meiner Großmutter) waren sie aber stressfrei zu arbeiten. Außerdem habe ich Paspelknopflöcher gearbeitet und den Beleg am Rückenteil liebevoll von Hand anstaffiert – ebenso die Belege an den Ärmeln und am Saum des Mantels. Das war gar nicht so einfach, weil ich wegen des Interliners den Oberstoff nicht sehen konnte – unter solchen Bedingungen einzelne Fädchen für unsichtbare Nähte zu erwischen, erfordert gute Nerven…

Bei der Verarbeitung des Futters hat mir das Foto-Tutorial von République du Chiffon sehr geholfen, das ich schon für meine Michelle-Jacke erfolgreich genutzt habe. Allerdings habe ich bei dem recht voluminösen Steppfutter auf eine Bewegungsfalte im Rücken verzichtet – ich wollte mir keinen künstlichen Buckel nähen…

Am MeMadeMittwoch reiht sich mein Mantel heute ein in die Parade selbstgenähter Kleidungsstücke an echten Frauen – angeführt von Monika in einem Winter-Wickelkleid. Schaut doch mal rein.

 

 

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Geplant: Weihnachtsculotte-Kostüm

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Die Schnitte für Culotte und Jacke liegen bereit. Es kann losgehen…

Es ist entschieden. Denn ganz entschieden haben sich die lieben Kommentatorinnen meines Posts zu Entscheidungsproblemen beim Weihnachtskleid für die Variante Tweed-Kombination ausgesprochen. Und mir damit einen letzten Schubser in diese Richtung gegeben. Die virtuellen Ratgeber-Runden sind wirklich etwas Schönes bei Sew-Alongs. (Und natürlich die 1000 neuen Ideen, die man während des Schmökerns bei all den Weihnachtskleidnäherinen bekommt).

Nachdem mein Wintermantel gestern endlich fertig geworden ist, habe ich – im Kopf und auf dem Nähtisch – auch wieder Platz für Projekte, die über ein simples Jersey-Kleid hinausgehen. Also nähe ich nun eine Weihnachtsculotte nach einem bewährten Schnitt. Dazu passend soll es die Cordova Jacke von Sewaholic geben – der Schnitt ist gerade eingetrudelt, nur einen schönen Reißverschluss (mit Metallzähnchen am liebsten) muss ich noch organisieren. Für den Stoff bleibt es beim Tweed. Kurz zusammengefasst: ein Weihnachts-Tweed-Culotte-Kostüm.

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Tailor’s Board und Clapper – tolle Bügelhilfen aus der Neuen Welt

Besonders freue ich mich darauf, beim Nähen mein neuestes Gadget einzusetzen: ein Tailor’s Board. Lange bin ich virtuell darum herum geschlichen, habe dann eines zu einem akzeptablen Preis entdeckt und zugeschlagen. Das gute Stück kommt frisch aus den USA. Und ich bin begeistert. So toll kann Bügeln sein…

Entscheidungsprobleme

Der Weihnachtskleid-Sewalong ist die eine gemeinsame Nähnerd-Netz-Aktion, die ich in diesem Herbst um keinen Preis verpassen möchte. Also reihe ich mich ein – obwohl ich angesichts meines Weihnachtskleides noch ganz ratlos bin. Ich habe noch sooo viele Nähpläne (Culotte und Jacke aus Tweed, evl. noch ein Tweed-Kleid dazu), dass ich gar nicht so genau weiß, wo ich ein Weihnachtskleid reinquetschen soll. Dennoch: ein paar Stoff- und Schnittgedanken habe ich mir gemacht. Die Hauptsache: Ich will Stoff aus dem gut gefüllten Vorrat verarbeiten, keinen neuen kaufen.

Auch zum eigentlichen Thema des Tages – Weihnachtskleider der letzten Jahre – kann ich nichts sagen. Letztes Jahr habe ich noch nicht gebloggt und ich kann mich einfach nicht erinnern, was ich an Weihnachten getragen habe – nicht mal, ob es etwas Selbstgenähtes war. Also starte ich gleich mit den Plänen für dieses Jahr.

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Tweed (links), Wollstrick in schwarz-silber oder doch lieber ein weicher Nicki (rechts)? Ich bin noch unentschlossen

Mögliche Stoffe: ein silber-schwarz gemusterter Strick aus dem letzten Winter – es handelt sich um ein Mini-Hahnentritt-Muster mit sehr angenehmem Griff aus einer Woll-Viskose-Mischung. Außerdem möglich wäre ein silbergrauer, fein glänzender Nicki oder die Nicki-Variante in lila. Oder doch der schwarz-weiße Tweed (je 2 Meter in Salz-und-Pfeffer und in Fischgrat, Zusammensetzung unbekannt, Wolle wahrscheinlich)?

Diese Schnitte sind derzeit Favoriten: Ariel (la Maison Victor), Lady Skater und Simplicity 7051
Diese Schnitte sind derzeit Favoriten: Ariel (la Maison Victor, oben links), Lady Skater (oben rechts) und Simplicity 7051

Mögliche Schnitte: Für die Strick- und Nicki-Stoffe hatte ich ursprünglich an einen schlichten Lady Skater gedacht. Aber immer wieder ärgere ich mich bei den vorhandenen über die Passform – Falten an den Achseln vor allem, die mich sehr stören. Oder ich nehme das Kleid Ariel aus der Maison Victor, von dem Louise gerade eine schöne Variante gezeigt hat. Das hat durch Prinzessnähte ein bisschen mehr Form im Oberteil und eine ähnliche Silhouette wie der Lady Skater. Aber dafür könnte der schöne Strick zu weich sein… Auch den Klassiker Simplicity 7051 habe ich noch nicht völlig verworfen.

Oder ich nähe doch eine Culotte mit Jacke – und beschließe eben, dass Tweed in diesem Jahr weihnachtlich ist. Für den Hosenrock würde ich den Schnitt meiner Sommerculotte – Burda-Modell mit selbstentfernten Bundfalten – ausgraben. Als Jackenschnitt finde ich gerade das Cordova Jacket von Sewaholic sehr reizvoll, das hat hinten so schöne Linien.

Michelle, my belle, ganz universell

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Passt immer und zu allem: die Jacke Michelle aus grauem Jeans

Ein ganz normaler Heimarbeitstag mit ein bisschen Renovieren und Mantelnähen steht für mich heute auf dem Programm. Außerdem grabe ich mich durch die technischen Rafinessen meines neuen Handies (akustisch gesteuerter Selbstauflöser – sehr nützlich für Bloggerinnen!). Das kostet leider Zeit, deswegen schaffe ich es heute erst spät zum MeMadeMittwoch.

Ganz alltäglich ist das Kleidungsstück, das ich heute durch den milden Herbsttag trage: die „Veste Michelle“ von République du Chiffon ist eine leger geschnittene Jacke mit Schalkragen und aufgesetzten Taschen. Mein Exemplar ist aus hellgrauem Jeansstoff, linke Stoffseite nach außen verarbeitet. Das gibt eine hübsche Rippenstruktur. Genäht habe ich sie schon vor einer ganzen Weile und hier auch schon mal genau beschrieben.

Besonders empfehlenswert ist das Online-Tutorial von RdC zu Michelle – so elegant und so einfach lässt sich ein Jackenfutter einnähen!

Die Michelle ist universal einsetzbar. Einfach überwerfen, fertig. Ich freue mich immer wieder, wenn ich sie vom Bügel nehme, über das schöne Zebra-Innenfutter und das diagonale Paspelknopfloch. Allein für das gute Gefühl lohnt sich das bisschen Extra-Arbeit für die kleinen Details…

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Gemütlich wirds mit einem meiner Mama-made Strickstücke: zum Beispiel mit dem zarten hellblauen Schal oder dem gemütlichen petrolfarbenen Dreickstuch. Vor allem das Tuch ersetzt gerne eine Strickjacke – wunderbar!

Und wenn es doch noch ein bisschen herbstlich-ungemütlich wird, werfe ich mir einen der schönen Lace-Schals um, die meine Mutter mir gestrickt hat. Denn auch sie hat vor einer Weile die Blogwelt entdeckt, suft nun begeistert und beglückt mich regelmäßig mit den Ergebnissen ihrer Online-Recherchen. Danke, Mama!

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Saarländische Näh-Nerds gesucht

Gemütlicher Nähnerd-Flausch dringend gesucht! Nachdem ich auf der Annäherung Süd in Würzburg so nett mit vielen anderen Näherinnen geplauscht, gefachsimpelt und genäht habe, wünsche ich mir noch mehr als zuvor, so etwas öfter zu erleben. Eine gemeinsame Runde netter Frauen, die zusammen und begeistert ihrem Näh-Hobby fröhnen, sich austauschen, sich beraten, zusammen Spaß haben. In meiner echten Welt habe ich die saarländischen Nähnerds bisher leider noch nicht entdeckt. Deswegen versuche ich es heute per online-Date. Saarländerinnen die nähen, meldet euch! Hättet ihr Lust auf einen Nähplausch in entspannter Runde? Dann würde ich mich gerne mit euch zusammenraufen. Meldet euch einfach per Mail unter couseuse (at) gmx.de – ich freue mich und bin gespannt…

 

Hürdenlauf Jeanshose

Burda-Hose aus Jeansstoff: ein erster Schritt in Richtung perfekte Jeans. Und noch viel Luft nach oben.
Burda-Hose aus Jeansstoff: Eigentlich hat die Hose vorne keinen Katzenbart – das Foto zeigt die Trageknitter nach dem gestrigen Arbeits- und Autofahrtag. Das Shirt ist FrauLiese von Schnittreif, das ginge sicher noch ein bisschen enger.

Um das Nähen von Jeans habe ich lange einen Bogen gemacht. Jeans kauft man. Man probiert in mindestens drei Läden mindestens drei Dutzend Hosen an, von denen dann höchstens drei einigermaßen sitzen, muss zwischendurch mehr als drei Kaffeepausen einlegen und schwört sich zum Schluss, nun endlich täglich Sport zu treiben, nie wieder Schokolade zu essen oder nur noch Röcke zu tragen.

Also habe ich doch versucht, eine Jeans zu nähen. Und das war auf jeden Fall ein Sport. Hürdenlauf. Damit reihe ich mich gerne ein beim heutigen MeMadeMittwoch. Denn den haben die Organisatorinnen um Vortänzerin Sybille heute schließlich zum Tag der Jeans ausgerufen.

Erste Hürde: das Schnittmuster. Ich wollte eine schmale, eher gerade, aber nicht skinny Jeans. Über Ginger habe ich eine lange Weile nachgedacht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein enges Hosenbein an mir gut aussieht. Und eine breite Hüft- und besonders Oberschenkelregion in passenden Ginger Jeans habe ich im WWW nicht entdeckt. Also habe ich mich für einen „normalen“ Hosenschnitt entschienden: Burda 6981.

Seitentaschen - im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden
Seitentaschen – im Zuge der Passformanpassung fast verschwunden

Zweite Hürde: Anpassungen. Hosen, die mir an der Hüfte passen, sind in der Taille zu weit. Ich habe am Rücken also nach der ersten Anprobe der „Roh-Hose“ zwei zusätzliche Abnäher eingebaut und außerdem an der Seitennaht zwischen Hüfte und Taille in Schritten immer mehr Stoff weggenommen. Die seitlichen Eingrifftaschen haben diese Anpassungen nur knapp überlebt. Mehr als drei Finger passen nicht mehr hinein (aber in dieser Hosennäh-Phase wollte ich erst mal eine vernünftige Passform erreichen und mich nicht mit solchen Details wie Taschen ablenken).

Dritte Hürde: Ergänzungen. Das war weniger Hürde als Routine. Wie immer habe ich den vorgesehenen geraden Bund durch den Formbund meiner Marlene-Hose ersetzt (Burda 8087), das passt einfach besser. Außerdem habe ich Po-Taschen aufgenäht, deren Form ich von einer alten Jeans abgenommen habe.

Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel - sie gehen einfach nicht weg
Hartnäckige Falten am hinteren Oberschenkel – sie gehen einfach nicht weg.

Fazit: Die Hose passt an Taille und Po, das ist mehr als die meisten Kaufhosen hinkriegen. Bequem ist sie auch, obwohl der Stoff (billiger Restcoupon von Karstadt) nur wenig Elasthan enthält. Und ich mag den bunten Innenbund – so ein kleiner, farbenfroher Gruß macht mir morgens beim Anziehen gute Laune.

Verbesserungswürdig sind die unbenutzbaren seitlichen Eingriffstaschen und vor allem die Falten an den hinteren Oberschenkeln. Die sind trotz mehrerer Änderungsversuche (Kurve im Schritt ändern, Beine enger nähen) nicht verschwunden.

Was der Hose definitiv fehlt, sind die klassischen Jeansdetails: eingehämmerte Knöpfe, Steppungen, Nieten. Bevor ich mit der Kür anfange, muss die Hose erst mal sitzen.

Trotz der Änderungen überzeugt mich der Schnitt nicht ganz. Die Hose wirkt an mir karottiger als mir lieb ist. Wenn mein Wintermantel fertig ist (mit dem Mantelvirus hat mich Carola auf der Annäherung Süd infiziert), werde ich mich an der Thurlow Hose von Sewaholic versuchen. Die soll ja speziell für Figuren wie meine gemacht sein.