Blusenjacke Manufacture

image
Blusenjacke und Recycling-Projekt: meine Manufacture

Ich zeige heute beim MeMadeMittwoch einen französischen Schnitt – Aime comme Manufacture von Aime comme Marie -, der mich allerdings nicht hundertprozentig überzeugt. Es handelt sich um einen Blusenschnitt, der mich zunächst wegen der asymmetrischen Front angesprochen hat. Vor allem wenn man sie mit Reißverschluss näht, erinnert die Manufacture-Bluse dadurch etwas an eine Bikerjacke.

Mein Stoff ist eine Kombination aus schwarzem Wollmischtuch aus meinem Lager und schwarz-creme-kariertem Wollstoff, der früher mal eine Hose war (ein Erbstück, das niemandem passte – aber den Stoff mochte ich gerne. Also habe ich die Hose auseinandergenommen und weiterverarbeitet). Die vielen mutigen Karo-Experimente beim Vivienne-Westwood-Sewalong haben mich übrigens dazu gebracht, das Karomuster teilweise diagonal auszurichten.

image
Detail des Vorderteils – die asymmetrische Ausschnittlösung mit der umgeklappten Ecke finde ich gut

Durch den Wollstoff wirkt die Bluse mehr wie eine Jacke; ich habe sie bisher auch als Jacke über einem Shirt getragen. Das funktioniert zu schmalen Hosen gut.

Pluspunkte meiner Manufacture sind der schöne Wollstoff und die asymmetrsiche Front (bei mir mit zwei Knöpfen geschlossen). Für den Schnitt spricht grundsätzlich, dass er wirklich leicht und schnell umzusetzen ist und auch Anfänger und Ungeduldige damit ein ungewöhnliches Stück nähen können.

Als Minuspunkt des Schnittes sehe ich vor allem das formlose Rückenteil. Ich würde beim nächsten Mal unbedingt Taillenabnäher einbauen. Jetzt im Nachinein verzichte ich darauf, weil das die diagonale Teilung an meinem Rückenteil zerstören würde. Auch dem Vorderteil würden ein paar formende Abnäher nicht schaden. Ich gehöre eben zu den Anhängerinnen taillierter Oberteile. Wer gerne kastige Oberteile trägt, ist mit der angebotenen Variante sicher gut bedient.

image
Durch den Wollstoff wirkt die Bluse mehr wie eine Jacke; ich habe sie bisher auch als Jacke über einem Shirt getragen. Das funktioniert zu schmalen Hosen gut.

Ob ich den Schnitt nochmal nähe? Vielleicht schon, aber nur mit den beschriebenen Änderungen. Eine Variante, die einen verspielten Stoff mit einem (Metall)reißverschluss bricht, kann ich mir als Bluse immer noch gut vorstellen.

Manufacture in Kürze

Stoff: Wollstoffe aus Recycling und aus dem Vorrat
Schnitt: Aime comme Manufacture von Aime comme Marie (Anleitung auf französisch, aber auch ohne viele Sprachkenntnisse dank Illustrationen wirklich einfach zu nähen)
Größe: M
Probleme: keine mit dem Schnitt – nur mit der Silhouette

 

 

Advertisements

Schlaflos in Würzburg

Nähen, plaudern, zuschauen, sich etwas abschauen, noch mehr nähen, ein bisschen bügeln, nähen, trennen, plaudern – das ungefähr war die Annäherung Süd, die Alexandra von MamamachtSachen am vergangenen Wochenende dankenswerterweise in Würzburg organisiert hat. Gut 40 nähende Frauen von Freitag bis Sonntag in einer Jugendherberge. Die Bilanz: Fast jede hat den tollen grünen Mantel anprobiert. Der Hausmeister der JHB hatte Alpträume wegen Fädchen und Schnipseln im ganzen Gebäude. Einige haben die Angst vor dem BH-Nähen verloren. Die anderen Herbergsbewohner haben erfahren, warum wir (fast) alle Röcke trugen (wieso ist das eigentlich so?).

image
Viele spannende Projekte hatten die Näherinnen in Würzburg. Auf der Dokuwand konnte man schmökern und sich Inspirationen holen

Ich habe außerdem:
sehr viele sehr nette Leute kennengelernt;
festgestellt, dass man sich mit Nähnerds völlig problemlos ein Mehrbettzimmer teilen kann (vielen Dank an meine netten und verträglichen Zimmergenossinnnen);
endlich die Gesichter hinter vielen Blogs getroffen, die ich gerne lese;
nur zwei neue Stoffe mit nachhause genommen;
zwei alte Stoffe abgegeben;
tolle neue Näh-Gadgets kennengelernt (den SimFlex Maßeinteiler zum Beispiel – genial – danke, Julia);
gelernt, dass ich unbedingt eine Lebkuchenglocke brauche;
den Unterschied zwischen Windstopper, Watteline und Thinsulate erfahren,
Schnitte anprobiert, die ich eigentlich nie kaufen wollte, jetzt aber schon (das Minoru-Jacket, die Bluse Bruyère, den grünen Mantel…);
festgestellt, dass ich unbedingt Etiketten brauche (schon bestellt);
erfahren, dass zu viel Näh-Input zu Überwältigung und heftigen Schlafproblemen führt;
sehr, sehr viel Spaß gehabt und
den Termin für die Annäherung 2016 schon mal im Kalender blockiert.
Also: vielen Dank, Alexandra, und bis nächstes Jahr!

Alle Berichte über die AnNäherung Süd findet ihr übrigens bei Alexandra – und schaut euch mal den tollen, westwood-mäßigen Rock von SaSa an!

 

Hollyburn mit Briefmarkenshirt

image
Der rote Hollyburn ist ein Rock für besonders weibliche Tage

Heute bin ich ein Ausrufezeichen. Ein weibliches Ausrufezeichen. Grund dafür ist mein neuer Hollyburn-Rock. Wenn er mir um die Beine schwingt, kommt es mir so vor, als schwinge ich die Hüften mehr als sonst. Ich komme mir so ungemein fraulich vor in diesem Rock. Das ist schön. Aber auch ungewohnt und manchmal ein bisschen verunsichernd. Nein, ich habe normalerweise keine Probleme mit dem Frau-Sein. Aber dieser Rock wirkt wie Glutamat: er verstärkt das alltägliche Erlebnis. Deswegen ist er für mich kein Rock für jeden Tag. Ich muss für so viel Fraulichkeit schon die richtige Stimmung haben.

Der Hollyburn besteht aus weinrotem Crepe vom Berliner Maybachufer. Der Crepe und daher auch der Rock haben einen schönen, schweren Fall. Wie viele andere – zuletzt habe ich bei Wiebke von Kreuzberger Nähte davon gelesen – habe ich ein Problem mit dem geraden Bund des Schnittes. Bei mir steht der in der Taille furchtbar ab. Deswegen bin ich bei diesem Rock auf einen Formbund ausgewichen. Diesen Bund – im Original von meiner Marlene-Hose – nähe ich inzwischen überall an, wo ein gerader Bund vorgesehen ist. Klappt wunderbar und sitzt viel besser.

image
Der Rock lädt ein zum Hüftenschwingen. Und er schwingt fröhlich mit

Ich habe die schmalste Hollyburn-Form gewählt und den Saum mit Schrägband versäubert. Dadurch hat der Rock am Saum ein bisschen Stand – das trägt sicher zu der von mir als abenteuerlich weiblich-weit empfundenen Form bei.

2,20 Francs - die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch
2,20 Francs – die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch

Als Gegengewicht zum Rock bringt das Shirt heute ein bisschen Sportlichkeit ins Outfit. Den Ringeln sei dank. Das Shirt ist gekauft, das Motiv mit Hilfe von selbstgemachtem Freezer-Papier aufschabloniert. Wie das geht, habe ich in einer Anleitung erklärt – ich finde die Technik für kleine Dekorationen sehr praktisch und die Ergebnisse wirken sauber und professionell.

Die Idee mit der Briefmarken-Dekoration habe ich vor einer kleinen Ewigkeit bei  Susanne von Hamburger Liebe entdeckt. Sie hat mit einer englischen Briefmarke Sofakissen gestaltet. Für mich musste es natürlich eine französische sein.

imageFotografiert habe ich gestern in der Baustellenzone unseres Treppenhauses. Dort hält zurzeit nur der grüne Säulen-Gecko aus Pappmaché dem Chaos stand. Deswegen würdige ich ihn heute ganz besonders…

Keine Geckos aber immerhin tolle selbstgemachte Outfits findet ihr, wie immer, heute beim MeMadeMittwoch. Unter anderem zeigt Vortänzerin Katharina ein richtig schönes Streifenkleid, das auch noch blau-weiß ist. Das finde ich immer gut – schaut es euch mal an.

Leichter Schablonieren

2,20 Francs - die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch
2,20 Francs – die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen geht diese Marke leicht als Vintage durch

Wer schon einmal mit Schablonen gearbeitet hat, weiß wie lästig es werden kann, wenn die Schablone verrutscht oder Farbe unter die Schablone läuft. Das sieht immer unsauber aus und kann ein Werkstück völlig verhunzen.

Sehr praktisch sind deswegen selbstklebende Schablonen. Die kann man ganz einfach – nach dem Prinzip des US-amerikanischen Freezer Papers – selbst herstellen. Man braucht normales (Drucker-)Papier, Frischhaltefolie und Backpapier.

1. Schritt

Als erstes zeichnest du dein Motiv auf das Papier – oder du druckst ein Motiv aus (wundervolle Muster gibt es zum Beispiel bei Alabama Chanin).

2. Schritt

Dann legst du ein Stück Backpapier auf das Bügelbrett, darauf ein Stück handelsübliche Klarsichtfolie, am besten etwas größer als das Papier, weil sie bei Hitze schrumpft. Auf die Folie kommt dein Papier mit dem Motiv. Zuletzt legst du ganz zuoberst noch ein Stück Backpapier auf.

3. Schritt

Jetzt bügelst du bei mittlerer Hitze vorsichtig über das Backpapier. Die Folie verbindet sich dabei mit dem Druckerpapier. Das Backpapier dient nur zum Schutz von Bügelbrett- und -eisen.

4. Schritt

Im nächsten Schritt schneidest du dein Motiv aus, ich mache das bei filigranen Mustern gerne mit einer Nagelschere. Vorsicht wenn dein Motiv einen Schriftzug enthält: Du musst die Frischhaltefolie dann unbedingt auf die Rückseite des Motivs bügeln, damit am Ende die Schrift nicht spiegelverkehrt ist!

5. Schritt

Jetzt legst du deine Folienschablone mit der Folienseite auf den Stoff, bedeckst sie mit Backpapier und bügelst mit mittlerer Hitze. Dadurch verbindet sich die Frischhaltefolie leicht mit dem Stoff und klebt. Keine Sorge: sie lässt sich später gut wieder ablösen.

6. Schritt

Nach dem Bügeln kannst du dein Motiv mit Stofffarbe schablonieren. Nicht zu viel Farbe auf den Pinsel nehmen! Durch das leichte Kleben fließt keine Farbe unter die Schablone und nichts verrutscht.

7. Schritt

Zum Schluss kannst du das Papier vorsichtig abziehen – nur keine Flecken aufs schablonierte Motiv klecksen! Wenn du behutsam bist und die Schablone nicht zerreißt, kannst du sie problemlos mehrfach verwenden.

Varianten

Wenn eine Schablone sehr aufwändig auszuschneiden ist und ich mir sicher bin, dass ich sie mehrfach verwenden möchte, stabilisiere ich Papier mit selbstklebender Klarsichtfolie, wie man sie zum Einbinden von Schulbüchern nimmt. Dann schneide ich das Motiv aus (dann würde ich aber auf das Aufbügeln von Frischhaltefolie verzichten. Ich weiß nicht, wie die Klebefolie mit Hitze klarkommt). So habe ich zum Beispiel bei der Alabama-Chanin-Jacke gearbeitet und die Schablone mit Sprühkleber auf dem Stoff befestigt.

Diese Schablone habe ich mit Klebefolie verstärkt und mit Sprühkleber auf den Stoff geklebt. Für die Jacke war die Schablone sechs Mal im Einsatz
Diese Schablone habe ich mit Klebefolie verstärkt und mit Sprühkleber auf den Stoff geklebt. Für die Jacke war die Schablone sechs Mal im Einsatz

Oder ich verwende statt Papier feste durchsichtige Plastikfolie, die in meinem Bastelladen als Mobile-Folie angeboten wird. Sprühkleber sorgt dann dafür, dass die Schablone bleibt wo sie soll. So habe ich es bei dem Reverse-Applique-Schal unten gemacht.

Mobile-Folie ist das stabilste Folienmaterial, das ich benutze. Dafür ist das Ausschneiden mühsam - die feste Folie eignet sich nicht für filigrane Motive. Der Schal mit Reverse Appliqué ist in Wirklichkeit nicht so leuchtend bunt wir auf dem Foto
Mobile-Folie ist das stabilste Schablonenmaterial, das ich benutze. Dafür ist das Ausschneiden mühsam – die feste Folie eignet sich daher nicht für filigrane Motive. Der Schal mit Reverse Appliqué ist in Wirklichkeit nicht so leuchtend bunt wir auf dem Foto. Schabloniert wurden die Formen mit dunkelroter Farbe, später habe ich den inneren Teil der Blätter ausgeschnitten, so dass der unten liegende orange Stoff sichtbar wird

imageBei dem Briefmarken-Shirt habe ich eine selbstgemachte Freezer-Papier-Schablone verwendet, um das Motiv ordentlich auf den Stoff zu bekommen. Die Idee für die Briefmarke stammt ursprünglich von Hamburger Liebe, die ein Briefmarken-Kissen gestaltet hat. Ich habe natürlich statt der britischen Marke eine klassische französische schabloniert.