Blau, blau, blau sind alle meine Kleider

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Mit Alabama Chanin Poncho und Jupe Anemone muss ich mir heute nicht viele Gedanken machen – die kombinieren sich von selbst

Dunkelblau ist meine Leib- und Magenfarbe. Immer schon gewesen. Es gab Zeiten, da trug ich fast nur blau-weiße Ringel. Inzwischen haben sich meine farblichen Interessen deutlich verbreitert, dennoch bleibt dunkelblau ein Farb-Schwerpunkt in meinem Kleiderschrank. Es ist eben eine Passe-partout-Farbe – genauso wie für manche Leute schwarz.Mit Marineblau lässt sich (fast) jede andere Farbe tragen, Marine bildet einen Hintergrund für Muster und Strukturen und für mich eine Uniform, die immer geht. Passe partout eben.

Einen Nachteil hat Dunkelblau jedoch gegenüber schwarz. Es gibt unzählige Dunkel- und Marineblaus. Welche mit Graustich, mit Grün-Anklang, sogar mit Tendenz zu Violett. Und die Kombination von verschiedenen Dunkelblaus finde ich schwierig – oft sehen sie zusammen unharmonisch aus.
Bei meinem Poncho habe ich aus dem Problem eine Tugend gemacht und auf den (graustichig) marineblauen Untergrund lauter mehr oder weniger runde Formen in verschiedenen dunkelblau-Schattierungen genäht. Mich erinnern sie immer an Kiesel in einem Bachbett, so rundlich und gleichzeitig ungleichmäßig. Genäht habe ich mit royalblauem Knopflochgarn – nicht nur die Applikationen, sondern auch die eine Naht, die aus dem Jerseystreifen einen Poncho formt (die Anleitung stammt aus einem der Alabama-Chanin-Bücher).

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Den Zipfel des Ponchos kann man je nach aktuellem Wärme-Bedürfnis vorne, seitlich oder hinten tragen.

Der Poncho ist kein sehr gängiges Kleidungsstück. Ich werfe ihn mir gerne an Sommerabenden über ein Kleid oder benutze ihn in Übergangszeiten als Strickjacken- und Schalersatz. So auch heute, kombiniert mit gekaufter Streifenbluse und selbstgenähter Jupe Anemone (Deer & Doe). Die Anemone ist aus feingestreiftem graublauen Jeans und passt sich all den anderen Dunkelblaus gut an und ist auch ansonsten ein dankbares Kombiteil.

Die Vorzüge von (dunkel)blau könnt ihr heute auch bei der MeMadeMittwoch-Vorturnerin Muriel von Nahtzugabe 5cm bewundern. Das ist die Frau, die die Nähnerd-Gemeinde mit den wunderbaren Näh-Podcasts beglückt. Sie trägt heute ein tolles Kleid – natürlich blau gemustert – mit geheimnisvollem Band im Saum, das einen Petticoat-Effekt hervorruft. Steht ihr super.

Ich habe heute Nähzeit. Auf dem Plan steht eine Hose – klar: in dunkelblau.

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Bluse zwei, großes Bedauern und ein phonetisches Bedürfnis

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Meine Bluse Nummer zwei und ich: Wir sind zufrieden miteinander

Ganz zappelig war ich in den letzten Tagen. Überall starten Aktionen und Sew-Alongs und ich habe überhaupt keine Zeit. Mit Herzschmerz habe ich den Start des coolen Westwood-Sewalongs vorbeiziehen lassen, mit noch mehr Bedauern den des Wintermantel-Sewalongs. Denn so ein warmes Jäckchen, das wäre schon schön… aber. ABER! Ich habe mir fest vorgenommen, den Herbst möglichst stressfrei zu verbringen. Das heißt: so wenig Termine wie möglich. Auch keine Sewalong-Termine. Also schaue ich bedauernd zu beim kollektiven Mantelnähen. Ob ich mich vielleicht doch noch einklinken soll? Wäre soo schön – …aber.

Als Sprach-Lehrerin muss ich übrigens an dieser Stelle mal einfügen – bitte als tiefes Bedürfnis und nicht als nervige Krittelei verstehen: Liebe Nähnerd-Gemeinde. To sew, engl. nähen,  spricht sich nicht „suh“ sondern „sou“. Hier kann man sich das anhören.

Zurück zum Kern, dem Nähen. In den Sommerferien hatte ich wunderbare Muße und habe meiner experimentellen Bluse, die ich letzte Woche gezeigt habe, gleich eine zweite folgen lassen. Wieder mit Falten in der Taille – und diesmal mit Reißverschluss zum leichteren An- und Ausziehen.

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Die Manschetten aus der Nähe (sie knöpfen sich falsch herum, was außer mir und euch aber keiner merkt)

Die breiten Manschetten habe ich bei Bluse Nummer zwei nicht weggelassen – ich finde, der modernere Stoff verträgt dieses etwas altmodische Element. Passend zum Muster habe ich statt des Tropfenausschnitts einen Schlitz gearbeitet.

Die Bluse besteht aus Liberty Tana Lawn von Cousette – das ist ein ganz tolles Material. Wundervoll glatt und weich, mit schönem Fall, leuchtenden Farben und viel zarter als Popeline, dabei aus reiner Baumwolle. Ich mag das grafische Muster mit allen meinen Lieblingsfarben. Es erinnert mich an moderne Kirchenfenster (und ich kann wahrlich nicht verstehen, wieso es als „Stoff für Jungs“ ausgewiesen ist).

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Bluse zwei in Kürze:
Schnitt: selbst erstellt
Stoff: Liberty Tana Lawn über Cousette
Kommentar: Sitzt prima, ist bequem – ich fühle mich weiblich und schick

Viele andere schicke Frauen zeigen heute selbstgemachte Kleidung und Ergebnisse von Style- und Sewalongs – natürlich wie immer beim MeMadeMittwoch. Allen voran Karin, die ein tolles Wickelkleid zeigt – das könnte schon fast ein neues Nähbedürfnis wecken…

 

 

 

Blusen-Experiment geglückt

mit bluse fertig
Meine neue Bluse und ich genießen die Herbstsonne

Ganz frühherbstlich bin ich heute am MeMadeMittwoch unterwegs – meine neue Bluse ist nicht nur herbstfarbig, sondern in Kombination mit einer Jacke auch für alle Sonnenschein-bis-Regenschauer-Herbstwetter geeignet.

Der Schnitt für die Bluse ist selbst gemacht – darauf bin ich besonders stolz. Wie ich vorgegangen bin, habe ich kürzlich hier erklärt. Die Bluse hat vorne und hinten im Taillenbereich je vier Falten, die oben und unten aufspringen, ziemlich weite, oben leicht angekräuselte Ärmel und einen Tropfenausschnitt.

Ursprünglich hatte ich breite Manschetten mit Schlingenverschluss geplant und auch zugeschnitten, aber die kamen mir bei diesem Stoff dann doch zu tantig vor. Mit den offenen Ärmeln wirkt die Bluse moderner. Einziger Nachteil: Ich habe keinen Reißverschluss vorgesehen und muss mich deswegen beim An- und Ausziehen etwas schlängeln. Geht aber.

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Alter Knopf an neuer Bluse

Den Tropfenausschnitt habe ich mit einem alten, schon angestoßenen Knopf aus der Erbmasse meiner Urgroßtante geschlossen (die eine echte Schneidermeisterin bei einer deutschen Prinzessin war). Ich finde, der alte und altmodische Knopf passt gut zum ebenso altmodischen Muster der Bluse.

Der Stoff ist ein billiger Polyester, der sehr schön fließt und nur ganz selten ein bisschen elektrisch wird. Mich stört das bisher nicht – für ein experimentelles (Probe)teil wie dieses wollte ich kein edleres Gewebe anschneiden. Aber als sich abgezeichnet hat, dass die Bluse gut wird, habe ich gleich eine zweite aus wunderbarem Liberty Tana Lawn nachgeschoben (diesmal mit RV in der Seitennaht) – die zeige ich demnächst auch mal.

Mein Nähplan für den Herbst - bisher existiert leider nur die Bluse
Mein Nähplan für den Herbst – bisher existiert leider nur die Bluse

Ich mag an dem Stoff, dass so viele „meiner“ Farben vorkommen – dunkelrot und türkis vor allem – und dass er sich wunderbar mit meiner Lieblingsfarbe dunkelblau kombinieren lässt. Auch zu den anderen geplanten Teilen meiner kleinen Herbstkollektion soll sich die Bluse gut machen – mal sehen, wie weit ich mit dem Nähen überhaupt komme.

 

mit jacke fertig
Die dunkelblaue Jacke passt (fast) zu allem – ein echtes Universal-Kleidungsstück

Fast universell tragbar ist die dunkelblaue Jersey-Jacke mit Schößchen, die ich heute morgen auch noch übergeworfen habe. Der Burda-Schnitt (Burda Style 5/2015) ist eigentlich für Webstoff ausgelegt, ließ sich aber auch aus Jersey wunderbar nähen. Ich mag die Schnittführung, die die Taille betont und die schönen Kugelknöpfe. Ein Lieblingsstück, dass ich derzeit viel trage, weil es viele Shirts und Blusen herbstlich ergänzt.

jacke rundherum
Die Jacke hat ein Schößchen und eine schöne Schnittführung. Seht ihr die drei Nähte, die sich an der Taille im Rücken treffen?

Der (Alp)traum vom Waschleder-Rock

Das Glanzstück meiner Herbstgarderobe wollte ich heute beim MeMadeMittwoch stolz präsentieren. Cool und kombinierbar und dabei was ganz Besonderes: Ich sah diesen Rock schon viele Wochen  im Kopfkleiderschrank hängen. Dunkelblaues, ganz weiches Waschleder, eine interessante, aber immer noch klassische Form – ein Lieblingsstück.

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Der Schnitt: eine schlichte A-Form mit einem Stück Tellerrock (Teil 2). Das Ensemble fand ich vielversprechend

Der Schnitt ist aus der Fashion Style 5/15 – sehr reizvoll, fand ich. Angesichts der großen Erwartungen habe ich mich besonders sorgfältig und liebevoll ans Werk gemacht. Zuerst den passenden Stoff bestellt („dehnbares Kunst-Veloursleder“): Ich bekam eine wunderbare Pfirsichoberfläche und das Flutsch- und Dehnverhalten von richtig fiesem Viskosejersey. Also habe ich zugeschnitten und genäht wie mit rohen Eiern, denn schließlich sollte der Rock ja ein Highlight werden. Extra noch dehnbaren Futterstoff gekauft, einen kräftigen Baumwollstoff für den inneren Beleg ausgewählt, damit der Bund nicht weiter werden kann, mit viel Liebe den nahtverdeckten Reißverschluss eingenäht… ihr kennt das, wenn man einfach alles besonders gut und richtig machen will.

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Gnädigerweise ohne Foto: ungefähr das war das erste Problem des Alptraumrockes

Und dann das: erste Anprobe. Selten hat ein Rock mein Hinterteil so unvorteilhaft bekleidet wie dieser. Der schrie regelrecht: Hier ist die Problemzone! Alle mal herschauen! Untragbar. Und was im Schnitt wie ein cooler asymmetrischer Saum aussieht, wirkte an mir wie ein groteskes Versehen.

Ich habe meinen Traum vom Waschlederrock nicht aufgegeben, sondern den Bund um gut zwölf Zentimeter gekürzt und oben auf Taillenweite verschmälert. Effekt: mehr Weite an den Oberschenkeln, eine bessere Silhouette. Habt ihr schon mal versucht, einen abgeschnittenen nahtverdeckten Reißverschluss neu einzufädeln? Nein? Ich erspare euch die Details. Aber ich habe es geschafft.

waschlederrock drei mal
Auf den Fotos sieht der Rock merkwürdigerweise nicht ganz so entsetzlich aus wie in Wirklichkeit. In der Realität habe ich beim Fotografieren auch nicht gelächelt

Trotzdem: Der schiefe Saum sieht weiterhin merkwürdig aus. In der neuen Version steht der Bund hinten ab – und wie. Der Rock klebt immer noch am Po. Durch den weichen Waschlederstoff zeichnet sich jede Falte des Futterrocks ab (wieso wirft dieser dämliche Futterrock Falten?). Die restlichen zehn Zentimeter Reißverschluss reichen nicht, um den Rock vernünftig anzuziehen. Der Ehemann zieht die Augenbrauen hoch und schüttelt stumm den Kopf. Sieht komisch aus, sagen die Kinder.

Der Bund steht ab. Trotz sorgfältier Anpassung. Und der Reißverschluss ist auch zu kurz
Der Bund steht ab. Trotz sorgfältier Anpassung. Und der Reißverschluss ist auch zu kurz

Einen kurzen Hoffnungsschimmer bringen die Fotos vom Desaster. Die sehen doch gar nicht so übel aus, oder?, frage ich in die Runde. Aber nein. Der Spiegel sagt weiter: Alptraumrock. Ich habe die Nase voll. Kein wunderbarer Key Piece-Waschlederrock für die Couseuse. Ich habe keine Lust, einen neuen RV einzunähen, den Bund anzupassen – bloß damit der Rock später immer noch brüllt „Hinterteil! Reiterhosen! Saum ganz schief!“ Schluss. Aus. Ende. Der Rock findet ein unwürdiges Ende. Ganz unten in der Schublade mit den Recycling-Klamotten.

Ich nähe jetzt einen Hollyburn. Aus Crepe. Wer trägt schon Kunstleder.

Dass andere Näherinnen in letzter Zeit erfolgreicher zugange waren als ich, seht ihr zum Glück, wie jede Woche, beim MeMadeMittwoch.

Kleiderquilt – eine textile Familiengeschichte

Vor allem aus alten Kinderkleidern und Bettwäsche besteht mein erster Quilt
Vor allem aus alten Kinderkleidern und Bettwäsche besteht mein erster Quilt. Nur der Punktestoff der Umrandung ist extra gekauft

Neues Leben für alte Hemden ist derzeit an mindestens zwei Orten in der Blogosphäre gefragt. Gerade hat Suschna – Textile Geschichten im Rahmen der regelmäßigen Stoffspielerei Ideen zum Hemden-Upcycling gesammelt. Und Liaison widmet sich unter dem Motto „Altes Hemd, neues Gewand“ ebenfalls dem Herrenhemd. Mich bringt diese doppete Motivation dazu, mein erstes, inzwischen schon ein paar Jahre altes Patchwork-Projekt vorzuzeigen. Eine Decke, die vor allem aus alten Kleidungsstücken, schwerpunktmäßig Hemden, besteht. Ursprünglich war das ja eine der ganz wichtigen Daseinsberechtigungen von Patchwork: Aus nicht mehr verwendbaren Stoff- und Textilresten wärmende Decken herzustellen. Insofern bewege ich mich hier im Kern der Patchwork-Tradition.

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Ich habe alle Quadrate halb in Blau- und halb in Rottönen genäht.

Meine Textilquellen waren keine Herrenhemden, sondern Kinderkleidung. Zahlreiche Jungs-Hemden in Größen von 92 bis 122, zwei Mädchenblusen, eine Sommerhose, ein kurzer Rock – das meiste davon Erbstücke, die schon mehrere Besitzer gesehen hatten. Verarbeitet habe ich außerdem selbstgefärbte Damastbettwäsche (dunkelrot, zwei Türkistöne), Reste eines Ikea-Vorhangstoffs, karierte Kinderbettwäsche aus den 60ern, ein Stückchen Ikea-Samt in türkis und ein Stück Waschleder/Kunstfaster-Samt in Rot.

Patchwork ganz entspannt

Ihr merkt schon: Patchwork-Regeln wie „nur Baumwolle verarbeiten“, „die Stoffe sollen gleich schwer sein“ habe ich fröhlich ignoriert. Das Muster ist ein Log Cabin – relativ entspannt und Improv-mäßig ohne Angst vor schiefen Nähten ausgeführt. Rechte Winkel waren genausowenig ein Dogma wie der akkurate Verlauf von Streifen- und Karostoffen. Das hätte mich nähtechnisch damals total überfordert – und heute finde ich diese Unvollkommenheiten sehr charmant. Handarbeit eben.

Um zu dem Quilt zu kommen, habe ich zuerst Haufen von Jungs-Hemden und ein paar andere Kleidungsstücke „filetiert“, das heißt möglichst große zusammenhängende Stücke ohne Nähte daraus geschnitten. Kleidung zerschneiden, die völlig in Ordnung ist, finde ich bis heute problematisch. Aber bei Jungs-Hemden rechtfertige ich das mit einem verbreiteten Phänomen: Sehr viele Mamas und Omas kaufen ihrem Sohn/Enkel gerne mal ein Hemd, das dieser dann fast nie trägt. Wie neu wird es dann weitervererbt – über mehrere Stationen – und dabei genausowenig getragen. Irgendwann haben sich Hemden aus mindestens drei verschiedenen Erb-Strängen bei mir gesammelt, mein Sohn hat sie nicht getragen, kein anderer Junge wollte sie haben und bedürftige Flüchtlinge waren nicht in Sicht. Also habe ich eben filetiert.

Die Stoffstücke habe ich dann in einigermaßen gleichmäßige Streifen geschnitten und sie teilweise auch aneinander genäht – die blauen und die roten Farbtöne getrennt. Mit diesen Streifen habe ich dann die Log Cabin-Blöcke um die Samtquadrate (die nicht alle sehr quadratisch sind) genäht. Umrandet sind die Blöcke mit petrol gefärbter Damastbettwäsche und dunkelrot überfärbter karierter Kinderbettwäsche. Mit Reste-Streifen habe ich die Seiten dann noch breiter gemacht. Einzig der Punktestoff für die Umrandung ist gekauft.

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Die Quiltrückseite besteht aus Reststücken, vor allem aus Damastbettwäsche. Das Muster der Stoffe kommt durch das Färben noch besser zur Geltung

Das Quilting habe ich von Hand gemacht. Nicht aus übertriebenem Do it yourself-Ehrgeiz, sondern weil es mit meiner alten Nähmaschine einfach nicht geklappt hat. Eben, beim Fotografieren, habe ich gesehen, dass eine Quiltnaht beginnt, sich aufzulösen. Da muss ich nachher gleich mal reparieren.

Gefüllt ist der Quilt mit einem Standard-Polyestervlies von Karstadt. Das war eine Fehlentscheidung, über die ich mich heute richtig ärgere. Denn nachdem die Decke mal ein paar Monate im Wohnzimmer über einem Sessel hing, ist sie nun richtig platt gesessen. Vom alten Flausch-Faktor ist nichts mehr übrig, und auch eine Behandlung im Trockner hat dem Quilt kein Volumen zurückgebracht. Jetzt ist es ein Pfannkuchen-Quilt und ich habe mir geschworen, beim nächstenmal nur noch hochwertige Vliese fürs Innenleben zu verwenden.

Erinnerungen eingenäht

Trotz seiner Plattheit mag ich den Quilt gerne. Er wärmt mich an gemütlichen Winter-Sofa-Abenden, hat auch schon manche kalte Nacht auf einem Bett verbracht und (im Nachhinein: leider) monatelang auf einem Sessel das Wohnzimmer verschönert. Ich habe noch nach Jahren immer viel zu schauen, wenn mein Auge auf die Decke fällt. Dann erinnere mich mich wieder an den schönen geblümten Sommerrock, den meine Tochter gerne trug, an die rosa Bluse, die meine liebe Freundin Kerstin ihr vererbt hat und an das coole Hawai-Hemd, das ich immer toll und mein Sohn ganz schrecklich fand. Insofern ist dieser Quilt ein Stück textile Familienhistorie. Und er kann so platt werden wie er will: ich werde ihn in Ehren halten.

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