Freiheit zur Veränderung

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Wie ein Gummiband kann ich beim Nähen meine Grenzen ausdehnen. Und feststellen, was mir guttut und was nicht

Veränderung hat Meike als neues Stichwort in die Runde der sommerphilosophierenden Näherinnen geworfen. Verändern wir unsere Kleidung, weil wir uns verändern? Oder verändert unsere Kleidung unser Ich? Ich vermute: Die Freiheit, uns immer wieder zu verändern, schaffen wir uns selbst. Indem wir nähen. Wer Kleidung kauft, muss aus dem wählen, was zu bekommen ist. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren ein schickes Outfit für eine besondere Gelegenheit einkaufen wollte. Ging nicht. Denn zu bekommen war in den üblichen Innenstadtläden nur Rüschen, Fransen, Volants und Tuniken, meist auch noch pastellfarbig-großgeblümt – all das hielt ich für indiskutabel. „Das ist die Mode in diesem Jahr“ war die Erklärung für das Shopping-Desaster.

Wer Kleidung näht, muss sich an keine Mode halten. Das verschafft unbegrenzte Möglichkeiten. Lang oder kurz, eng oder weit, gemustert oder uni, retro oder clean oder Chanel oder öko oder wie? So viel Freiheit! Und so viel Unabhängigkeit von dem, was in der Innenstadt „die Mode“ heißt.

Freiheit zum Ausprobieren

Was machen mit so viel Freiheit? Ich habe am Anfang meiner Näherei ganz viel herzgenäht. Ich habe spontanen Stimmungen nachgegeben, Ideen umgesetzt, Stile ausprobiert, in alle Richtungen gedacht und geschneidert und experimentiert (und das ein oder andere scheußliche Teil produziert – aber damals fand ich’s toll). Ich habe meine Freiheit genutzt und gedehnt wie ein Gummiband. Die einzigen Grenzen setze ich. Wenn ich feststelle, dass ich mich nicht mag oder nicht wohlfühle in einer Farbe, einer Silhouette, einem Kleidungsstück.

Je mehr ich dank all dieser näherischen Experimente über mich gelernt habe (und je mehr ich dabei über das Nähen gelernt habe), umso mehr habe ich angefangen, überlegter zu nähen. Weil ich ja besser wusste, was mir gefällt, was mir steht, was ich im Alltag gerne trage. Dieses Kopfnähen muss natürlich nicht langweilig sein – darauf haben Frau Lotterfix und Kuestensocke in ihren Kommentaren auf meine Überlegungen zum Kopf- und Herznähen ganz vehement und natürlich nicht zu Unrecht hingewiesen. Für mich wird es dann langweilig, wenn ich unbedingt etwas nähen muss – gegen vernünftiges Bedarfsnähen entwickle ich einen richtigen Widerstand. Oft finde ich Kopfnähen aber sehr spannend, weil ich mir gerne viele Gedanken darüber mache, wie ein Nähprojekt sich in den Kleiderschrank einfügt, wie ich es kombinieren kann, was ich zur Ergänzung auch noch nähen könnte.

Veränderung muss sein

Immer wieder schiebe ich  weiter auch Experimente ein, um festzustellen, wie weit ich bei den Farben, Formen, Mustern und Nähtechniken mein persönliches Gummiband dehnen kann und mag. Dieses Ausprobieren und Grenzen-testen gehört dazu, wenn man wächst und reift und älter wird. Und das Neu-Setzen von Grenzen ebenfalls. Insofern finde ich es ganz natürlich, dass sich auch die Stile schneidernder Frauen mit der Zeit entwickeln. Julia, Zsusa und Michou berichten gerade davon. Und in vielen Blogs kann man solche Veränderungen nachvollziehen, wenn man ein bisschen in die die Vergangenheit blättert (jedem seine eigene Modegeschichte – auch eine schöne Funktion von Blogs). Ich bin sicher: Der Kleiderschrank reift mit der Frau, die ihn füllt. Das muss so sein. 10 Jahre lang dieselbe sein und dieselben Kleider tragen – das wäre doch schrecklich! (Und was würden wir dann nur nähen?)

Mode setzt Grenzen

Weil ich als Näherin so viele Alternativen habe, kann ich auch die Entwicklungen der Mode als Angebot betrachten. Ich nehme, was mir gefällt. Und lasse den Rest liegen. Ich habe den Eindruck, dass ich viel unabhängiger von „der Mode“ bin, seit ich nähe. Mancher würde vielleicht sagen: Ich bin nicht mehr so modisch. Eben weil ich mir meine Alternativen schaffen kann. Ich lasse mich viel von dem inspirieren, was ich auf Blogs sehe und lese. Manchen Schnitt probiere ich dann auch aus und lasse den Lemming am Gummiband meiner Kleiderschrank-Grenzen ziehen. (Auch das ist meist Herznähen: So schön! Will ich auch haben! Ob mir das steht/passt/an mir gefällt?)

Der Unterschied von der Nähnerd- zur Innenstadt-Mode? In den Innenstädten gibt es keine Alternativen zum derzeit Angesagten (ja, in Berlin, da gibt es andere Läden. Junge Designer. Second Hand-Shops. Hier in der Provinz ist so was sehr rar). Kaufkleidung setzt mir und meinem Ich enge Grenzen. Meine Nähwelt hat solche Grenzen nicht. Auf ihren Blogs zeigen die Nähbloggerinnen immer wieder, was alles möglich ist. Denn alles ist möglich. Ich freue mich immer wieder über die Vielfalt die ich im Näh-Web entdecke. All das könnte ich auch tragen. Wenn ich wollte. Wenn ich will, dann probiere ich mal etwas aus. Vielleicht ist das dann der Anstoß zu einer neuen Veränderung. Ich freu mich drauf.

 

Vernunft und Gefühl

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Wenn ich nähe, bin ich hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Bauchgefühl. Leuchtend pinkfarbene Schlauchkleider und blaue Frisuren, wie unsere Nana sie trägt, liegen aber weit außerhalb meiner modischen Reichweite

Ich bin wie ein Seil, mit dem zwei Mannschaften tauziehen. Jede zieht in eine Richtung, so fest sie kann, und weil beide ungefähr gleich stark sind, ist der Wettkampf nie zuende. Ich hänge dazwischen fest. Beide Mannschaften füllen übrigens zahlreiche Nähblogs mit ihren Überlegungen. Die einen planen SWAPs (Sewing with a Plan), folgen dem Wardrobe Architect, durchdenken minimalistische Capsule Wardrobes, schneidern Wunschkleiderschränke, in denen alles zu allem passt und organisieren Style Alongs.

Die anderen nähen drauflos. Wilde Kreationen aus Waxprint, kunterbunte Blusen und Shirts aus diversen Kombistoffen, konsequente Retro-Garderoben, die in Berlin und Hamburg stylish wirken und in ländlichen Regionen zu Menschenaufläufen und Nachbarinnen-Herzinfarkten führen würden.

Mein Problem: Ich bin das Seil dazwischen. Ich sehe den Charme beider Mannschaften und ziehe mal auf der einen und mal auf der anderen Seite mit.

Eine Wortführerin der ersten Mannschaft war gerade wieder Sewing Galaxy, die dafür wirbt, die Kleider zu nähen, die zum eigenen Lebensstil passen und Nähpläne „auf Tauglichkeit“ zu prüfen. Das gilt sowohl für Schnitte – kein Cocktailkleid nähen, wenn man die Wochenenden am Fußballplatz verbringt – als auch für Farben und Muster. Ziel: Die selbstgenähten Kleider sollen zu dem passen, was schon im Schrank steckt. Das ist vernünftig, denn dann ziehe ich das Genähte auch an – regelmäßig, ohne verzweifelte Suche nach Kombipartnern und mit dem entspannten Gefühl stilistischer Sicherheit. Diese Mannschaft nenne ich Kopf-Näherinnen.

Als Mitglied der zweiten Mannschaft outet sich zum Beispiel Sophie, die auf Ada Spragg bloggt. Sie kokettiert damit, regelmäßig Kleidung zu nähen, die sie nicht trägt, die als Gesamtkunstwerk im Schrank hängt, ohne ausgeführt zu werden. Weil sie nicht passt – weder zu anderen Kleidungsstücken noch zu den Erfordernissen des Alltags. Sophie weiß um diese Schwäche und widersteht ihr nicht einmal halbherzig. Sie nähe so wie ein Teenager isst, so schreibt sie, der alles Mögliche in sich hineinstopft, wenn die Eltern mal übers Wochenende wegfahren. Gesund und bekömmlich ist so ein Verhalten nicht, vielmehr lustgesteuert und bestenfalls auch genießend. Wer so näht, kauft spontan und ohne Pläne die tollsten Musterstoffe und näht sich exotische Kleidungsstücke, die er vielleicht liebt, aber kaum trägt. Das sind die Herz-Näherinnen.

Für das Kopf-Nähen spricht der praktische Aspekt: Nähen und tragen sind dann zwei Seiten einer Medaille. Häufig näht der Kopf unifarbene Basic-Teile, die zu vielem passen und unauffällig sind. Zu meinen gern getragenen Kopf-Nähereien gehören der dunkelblaue Hollyburn-Rock, der schwarze Hosenrock, die blau-schwarze Bouclé-Jacke, die graue Veste Michelle.

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Gern getragene Basics: Hollyburn-Rock, Hosenrock, Veste Michelle, Bouclé-Jacke

Für das Herz-Nähen spricht Grundsätzliches. Nähen ist eine sinnliche Sache. Das Schwelgen in schönen Farben, spannenden Mustern und wundervoll anzufassenden Stoffen gehört einfach dazu. Wer sich das versagt, verpasst (zu) viel. Außerdem: Nur wer die eigenen Grenzen hin und wieder überschreitet, entwickelt sich weiter. Das gilt auch für Kleidung, die ja Ausdruck des eigenen Ich sein soll (spannende Gedanken dazu gibt’s zum Beispiel im kürzlich gehaltenen Vortrag von Meike alias Frau Crafteln). Ich muss neue Wege gehen, wenn ich neue Welten entdecken möchte. Und dazu gehört das Risiko, Irrwege und Sackgassen einzuschlagen.

Die Gefahr beim Kopf-Nähen: Zu viel Vernünftigkeit macht keinen Spaß, kann langweilig werden. Und Nähen ist schließlich mein Hobby, soll also Spaß machen. Weil Nähen meine Leidenschaft ist, ist es auch Selbstzweck. Bedarf also keiner Nützlichkeit. Sinn der Sache ist das Tun – das Tragen fertiger Kleider ist nur das Sahnehäubchen obendrauf.

Birgt das Herz-Nähen auch Gefahren? Der Verbrauch von Material und Zeit vielleicht, um Dinge herzustellen, die man hinterher nicht nutzt, sondern nur anhimmelt. Aber dieser Verbrauch ist keine Verschwendung – denn Nähen ist ja auch Selbstzweck. Und fast jeder Mensch hat Leidenschaften, die mehr Selbstzweck als nützlich sind: Figuren filzen, Decken häkeln, Fußballvereine unterstützen, Blumen ziehen, Zuckertortendekorationen formen, Tiffany-Objekte bauen, im Chor Lieder singen, sich im Yoga verrenken, in der Sauna schwitzen.

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Bunt und gewagt gemustert: das Koi-Kleid, mein neues Sommerkleid, der Waxprint-Rock

Zu meinen Herz-Nähereien gehören sicher das Koi-Kleid, der Waxprint-Rock, mein wildgemustertes Sommerkleid. Ob dies Irrwege sein werden oder neue Wege zu unbekannten Seiten meines Ichs, das weiß ich noch nicht. Bei anderen selbstgenähten Sachen bin ich schon sicher: sie haben mir geholfen, neue Seiten an mir zu entdecken. Das Kleid nach Butterick 5951 zum Beispiel. Ich hatte beim Nähen keine Ahnung ob ich so ein Kleid je tragen würde – und ich trage es. Gerne. Häufig. Mit wunderbarem Selbst-Gefühl.

Meist geht es mir also ganz gut, so hin- und hergerissen zwischen dem Kopf- und dem Herz-Nähen. Ich bin ein stabiles Seil. Für den Herbst habe ich mir vorgenommen, eine Mini“Kollektion“ zu schneidern, bei der nichts langweilig ist und alles zusammen passt. Auch Kopf und Herz sollen dann zusammenpassen. Mehr dazu bald.

 

 

Bequem mit Culotte

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Blaue Culotte und weißes Shirt – da kann nichts schief gehen. Und die Kombination trägt sich bequem und luftig

Heute ist Wandertag – da muss man lange im Bus sitzen, durch die Stadt laufen, auf der Wiese sitzen, hinter Schülern herrennen. Also: Ich brauche ein bequemes, bewegungs- und hitzeverträgliches Kleidungsstück. Ich brauche meine Culotte (kürzlich schon einmal vorgeführt, Schnitt  Nr 126 aus Burdastyle 3/2015 aber ohne Bundfalten).

Der Hosenrock, der mehr eine überweite Hose ist, trägt sich sehr angenehm und macht alles mit. Jedesmal wenn ich in der Culotte unterwegs bin, will ich sofort anfangen, die schon länger angedachte Variante in dunkelblau zu nähen. Einziges Problem: ich schwanke noch zwischen der Wiederholung des Burda-Schnittes (vielleicht ein bisschen kürzer) und dem Retro-Schnitt von parvasedapta  von 1942.

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Retro-Culotte aus schwarzem Wollstoff – sehr bequem, aber viel zu warm im Sommer

Der sieht aus wie ein Rock mit Kellerfalte und ist ebenfalls sehr bewegungsfreundlich und bequem. Das Modell habe ich vergangenen Winter aus einem Wollmischstoff genäht und trage es sehr gerne.

Das strahlende Königsblau der heutigen Culotte kombiniere ich am liebsten mit einem Ringelshirt (wahlweise rot oder gelb geringelt) – oder mit einem ganz schlichten weißen Shirt.

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Kaufshirt mit selbstgebautem Spitzeneinsatz, der mal ein Deckchen war

Dieses ist gekauft und im letzten Sommer aufgemotzt. Auf dem Rücken habe ich ein Flohmarkt-Häkeldeckchen aufgenäht (von Hand) und dann vorsichtig den Stoff unter dem Deckchen weggeschnitten. Ergebnis: Ein feiner Spitzeneinsatz, der das Shirt zu etwas Besonderem macht.

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Diese Culotte ist eigentlich eine weite Hose

Ganz viel besondere, selbstgenähte Kleidung findet ihr heute wie jede Woche beim MeMadeMittwoch.

 

Vintage Shirt Dress – das Koi-Kleid

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Das Koi-Kleid gut eine Stunde nach Fertigstellung. Ich finde’s cool!

Eigentlich war das Kleid noch gar nicht fertig für die Präsentation am MeMadeMittwoch. Aber ich habe heute morgen frei, also nach dem Frühstück noch fix die Knöpfe angenäht und hier ist es: mein Koi-Kleid. Eines von der lauten Sorte: „Ja! Hier bin ich! Ein Kleid mit Fischen! Riesenfischen!“

Ich bin sehr zufrieden mit mir und dem laut blubbernden Kleid. Der Schnitt ist relativ neu und von Sew Over it: Vintage Shirt Dress. Ich mochte das Kleid sofort, als ich bei Handmade Jane das erste Exemplar im Netz gesehen habe und habe ungeduldig gewartet, bis der Schnitt bei uns zu haben war (ich habe was gegen das Zusammenkleben unzähliger PDF-Seiten).

Letzte Woche hat Nina beim MeMadeMittwoch ja schon ein sehr schönes, ärmelloses Exemplar vorgezeigt.

Zuerst muss ich sagen: Die Anleitung ist klar und einfach verständlich, außerdem bebildert. Das Kleid ist einfach zu nähen. Der Kragen ist ganz unkompliziert konstruiert und hat für mich keine Hürde dargestellt. Ein angenehmes Projekt für ein gemütliches Wochenende.

Genäht habe ich Größe 10 oben und an der Taille und 12 an der Hüfte. Aber schnell zeigte sich:  das Kleid war mir in der Taille viel zu weit, vor allem hinten. Ich habe also am Rückenteil in Oberteil und Rock noch zwei zusätzliche Falten eingebaut – jetzt geht es. Weil ich kurze Ärmel wollte, habe ich die vorhandenen gekürzt und Aufschläge drangebaut. Die sind hemmungslos mit der Maschine festgenäht. Die Fische sind robust und vertragen auch sichtbare Nähte.

Merkwürdig fand ich die Vorgabe, wo überall die Ärmel einzukräuseln sind. Das hätte eine Art Rücken-Puffärmel ergeben: Riesen-Beulen an der unteren Schulter. Ich habe lieber ganz normal oben auf der Schulter eingekräuselt.

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HIer sieht man die merkwürdige Beule an der hinteren Schulter, die zum Glück mit dem Einsetzen des Ärmels verschwindet. Weil die Schulternaht weit nach vorne gezogen ist, wüsste ich nicht, was ich gegen diese Beule tun könnte.
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Das Kleid bietet mit dem weiten Rock viel Bewegungsfreiheit – angenehm!

Weil das Kleid ja nicht knatscheng sitzen soll, konnte ich auch keine großen Passformprobleme feststellen. Eine Kleinigkeit fiel mir während der Arbeit auf: Hinten an den Schultern steht das Oberteil deutlich ab – aber wenn die Ärmel drin sind, sieht man davon zum Glück nichts mehr. Ich vermute, die recht eckige  Schulterform ist dem Vintage-Thema geschuldet. Die betonten Schultern formen mit der schmalen Taille und dem weiten Rock eine Art X, das ich für weibliche Figuren sehr schmeichelhaft finde.

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Von hinten sieht man viele rote Kois. Die etwas dezenteren weißen schwimmen vorne

Der zugegeben wagemutige Stoff war mal ein Schnäppchen von Ikea. Ich habe mich gar nicht erst daran versucht, die weißen Kreise irgendwie musterkonform zuzuschneiden, sondern lediglich darauf geachtet, dass ich mir keinen der roten Riesen-Kois auf dem Busen oder Bauch platziere. Dadurch ist das Kleid vorne eher schwarz-weiß, hinten dafür eher rot. Mit Kois auf dem Rücken habe ich kein Problem.

Der Stoff fällt relativ steif (ist aber eine Art Popeline, kein köperartiger Möbelstoff), das führt zu einem Rock, der auch ohne Petticoat ein bisschen absteht. Nett, oder?

Koi-Kleid in Kürze:
Schnitt: Vintage Shirt Kleid von Sew Over itVeränderungen: Größenverlauf von 10 nach 12, zwei zusätzliche Falten im Rückenteil, Ärmel gekürzt
Stoff: Wilde Kois von Ikea
Nochmal nähen? Ja!!!

Beim MeMadeMittwoch zeigt heute Meike ein tolles grünes Sommerkleid. Und ganz viele andere schöne selbstgemachte Kleidung an echten Frauen findet ihr dort, wie immer, auch.

 

 

Schwingend in blau

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Sommerfrisch mit Simplicity 7712 – leicht zu nähen und angenehm zu tragen

Ganz unspektakulär aber angenehm luftig bin ich heute unterwegs. Mein Kleid (Simplicity 7712) ist aus blauem, schön fallendem Fischgrat-Chambray.  Den habe ich ganz preiswert bei Folhoffer eingekauft – den Stoff und den Händler habe ich vor einer Weile in einem Bericht von Anmasi entdeckt. Halsausschnitt und Rocksaum habe ich mit dunkelblauem Schrägband eingefasst, das gibt dem Kleid ein bisschen mehr Charakter. Dennoch bleibt es ein dezentes Kleidungsstück – wunderbar für Tage, an denen man nicht jederzeit laut „HIER“ schreien möchte und unkompliziert zu kombinieren.

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Der weite Rock schwingt schön beim Gehen und fühlt sich wunderbar luftig an
Ärmelschlitz
Die runden Ärmelschlitze sind dank Schablone ordentlich geworden

Mit dem Schnitt bin ich sehr zufrieden. Der Rock fällt schön weit und schwingend; das Oberteil sitzt dank Prinzessnähten und Raglanärmeln wirklich gut. Hinten ist ein nahtverdeckter Reißverschluss – dank Extra-Füßchen an der Nähmaschine überhaupt kein Problem mehr. Besonders gern mag ich die abgerundeten Schlitze an den Ärmeln. Um die ordentlich hinzubekommen habe ich aus Pappe eine Schablone geschnitten und die versäuberten Kanten sorgfältig drumherumgebügelt. Das hat gut funktioniert und die Rundungen sind gleichmäßig und rund geworden. Insgesamt war das Kleid leicht zu nähen – keine Probleme.

Aus dem preiswerten Chambray war das Kleid erst mal als Probekleid geplant. Es ist aber ein wunderbares Alltagsstück geworden. Dennoch habe ich diesen Schnitt sicher nicht zum letzten Mal genäht. Auch als Schößchentop kann man den Schnitt arbeiten, das stelle ich mir ebenfalls ganz hübsch vor.

Chambray-Kleid im Überblick:
Schnitt: Simplicity 7712
Veränderungen: Halsausschnitt vergrößert, im Größenverlauf von 38 (OW), 40 (Taille), 42 (Hüfte) zugeschnitten
Stoff: blauer Fischgrat-Chambray von Folhoffer
Nochmal nähen? Auf jeden Fall!

Jetzt aber muss ich los – zum MeMadeMittwoch. Dort sieht man in der Eröffnungssequenz heute ein tolles SewOverIt Vintage Shirt Dress – das finde ich super, seit ich die ersten Exemplare dieses Schnittes im Netz gesehen habe. Aber 64 Seiten Download zusammenkleben – nein danke. Gestern ist die Papierversion endlich bei mir eingetrudelt, so dass ich hoffentlich auch bald so ein schönes Hemdblusenkleid zeigen kann.

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Sommerleicht mit Simplicity 7051

groß fertig
Viele viele weiße Blätter und dazu ein paar braune und hellgrüne finden sich auf der blaugrundigen Baumwollpopeline. Ich mag den Stoff.

Ein Sommerkleid für richtig heiße Tage – das trage ich heute am MeMadeMittwoch. Schnittmuster ist das altbekannte Simplicity 7051. Das war der erste Schnitt den ich im Nähbloggeruniversum entdeckt (ich glaube, das war bei Floh, die leider schon länger nicht mehr gebloggt hat) und dann nachgenäht habe – meine erste Lemming-Tat. Weil ich ein ziemlich grünschnäbliger Lemming (jaja, wüstes Sprachbild) war, ist das Kleid ein kleines bisschen weit. Aber gerade deswegen ist es perferkt für große Sommerhitze. Denn es hat nur an den Schultern Körperkontakt, sonst passt überall noch eine kleine Brise durch. So viel Luftigkeit finde ich bei Hitze einfach wunderbar. Und immerhin ist das Kleid trotz der angenehmen Weite nicht formlos.

zwei hüpfer
Das Kleid ist bequem und lässt Bewegungsspielraum. Sogar Trampolinhüpfen in der Abendsonne ist kein Problem

Das Muster der Baumwollpopeline ist ziemlich lebhaft und verträgt kein Accessoire neben sich. Also verzichte ich und trage es ganz pur. Das ist wunderbar für einen gedankenfaulen Morgen. Einfach reinschlüpfen, Schuhe an – fertig. Das einzige Extra ist am Kleid schon dran: das limettengrüngelbe Schrägband an der Unterkante – passt zum Muster und gibt dem ganzen ein bisschen Pep.

Nach demselben Schnitt habe ich mir auch eine Kaltwetterkleid-Variante aus stahlblauem Romanit genäht – aber der fängt leider an den Ärmelkanten schon an zu pillen. Schade. Vielleicht versuche ich’s im Herbst mal mit Sweat, denn die Silhouette des Kleides und die Schnittführung (die man im blauweißen Blumenwirrwarr gar nicht erkennt) mag ich gerne.

Sommerleichtes Kleid im Überblick:
Schnitt: Simplicity 7051
Anpassung: im Größenverlauf (38-40-42) zugeschnitten, sonst keine
Stoff: Baumwollpopeline, ein Mitbringsel vom Berliner Maybachufermarkt
Nochmal nähen: auf jeden Fall – als Sommer- und als Winterkleid!