Variationen um blaugraue Löcher

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Löcherbluse zu dunkelblauer Kaufhose – ein Look so blaugrau wie der wenig sommerliche Himmel

Wieso haben deine Kleider alle Namen?, fragte eine Kollegin letzte Woche, nachdem sie meinen Blog inspiziert hatte. Weil ich zu Selbstgenähtem ein persönliches Verhältnis habe – und dann bekommt die Bluse ebenso einen Namen wie der Hamster oder das Bücherregal (das bei der Mehrzahl der Menschen wahrscheinlich Billy oder Ivar heißt).

Alors je vous présente: die Löcherbluse. Keine besonders phantasievolle Namensschöpfung. Aber trotz ihres löchrigen Wesens ist die Bluse ja auch eher ein nüchterner Charakter. Seriös, aber trotzdem kein Miesepeter. Den Stoff – löchrigen Baumwollchambray in undefinierbarem blaugrau – habe ich im Rahmen des Spring Style Along von Sandra – Frau Sonnenburg – geerbt.

Wegen der Löcher habe ich einen Schnitt gesucht, der möglichst wenig Abnäher hat, aber trotzdem tailliert und nicht zu sackig fällt. Entschieden habe ich mich für eine vereinfachte Version von l’Indécise (Mlm Patrons). Das Rückenteil ist ohne Passe in einem Stück zugeschnitten, am Vorderteil gibt es lediglich zwei Brustabnäher. Die Säume sind zweimal schmal umgeschlagen.

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Selbstgemachtes Blumenschrägband am inneren Halsausschnitt. Zum Glück blitzt es kaum nach außen durch

Nur den Halsausschnitt habe ich mit Schrägband versäubert – ich hätte nicht gewusst, wie ich das angesichts all der Löcher andes machen soll. Schrägband in der komischen Farbe gab es natürlich nirgendwo, also habe ich in meiner Verzweiflung passenden Musterstoff besorgt (uni gab es auch nicht…) und selbst welches gemacht. Ich hatte Sorge, die Blümchen würden am Ausschnitt stark durchblitzen, aber man merkt es kaum von außen. Und von innen finde ich es hübsch und ordentlich.

Die Bluse ist nicht gefüttert (davon hat meine Nählehrerin vehement abgeraten), also trage ich zu seriösen Anlässen ein Top drunter. Für die Kombinationen habe ich meinen Sommerkleiderschrank durchgeschaut und bin dabei auf einige Möglichkeiten gestoßen. Recht deutlich wird dabei mein universelles Prinzip: „Im Zweifelsfalle dunkelblau“ (ist das schon Stil, Alexandra von MamaMachtSachen?).

Die dunkelblaue Hose (siehe oben) ist gekauft und deswegen steht der Bund in meinem Hohlkreuz schrecklich ab. Ich müsste ihn mal abtrennen (aber ich hasse solche Änderungsschneidereien). Zur Hose gefällt mir die Bluse gut – sie wirkt dann nicht so niedlich.

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Bluse mit Hollyburn-Rock. Soll ich sie reinstopfen (sehr ungewohnt) oder wie immer drüber tragen?

Etwas niedlicher – oder schon zu niedlich? – sieht die Löcherbluse mit meinem Hollyburn-Rock  aus. Normalerweise trage ich Oberteile immer über Rock oder Hose. Wäre dies nun ein Fall fürs In-den-Bund-Stecken? Ich habe beide Optionen fotodokumentiert und frage ins weite Web: Was meint ihr: rein oder raus  mit der Bluse?

 

 

 

normal in anemoneAuch zur Jupe Anemone passt die Löcherbluse. Der Kontrast ist etwas geringer, weil der Rock auch eine merkwürdig blaugraue Farbe hat. Dafür war ich nach all der Umzieherei schon ziemlich abgebrüht und habe meiner Fotografin jede Verrenkung geschenkt, die sie sich gewünscht hat. Normalerweise finde ich das Fotografiert-Werden ziemlich schwierig. Wohin mit den Armen, wie die Füße stellen – ich komme mir oft doof dabei vor.

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Bei der dritten Outfit-Variation gehen bei Fotografin und Fotografierter (fast) alle Hemmungen verloren. Der Rock Anemone von Deer und Doe macht aber auch jeden Unsinn mit

Umso lieber schaue ich dann, wie und in was sich die anderen nähenden Damen am MeMadeMittwoch fotografiert haben…

Zusammenfassung zur Löcherbluse:
Stoff:
auf einem fernen Stoffmarkt von Frau Sonnenburg entdeckt: blaugrauer Loch-Chambray
Schnitt: l’Indécise (Mlm Patrons) in Gr. M
Veränderungen: Verzicht auf die Rückenpasse
Tragegefühl: angenehm locker, aber nicht zu weit
Nochmal nähen? Der Stoff hat mich kürzlich in einen Nähflow gestürzt, ein Rock daraus ist halbfertig, ein Shirt aus Resten wird gerne getragen. Indécise entwickelt sich zu meinem Universalschnitt für möglichst schlichte, abnähersparsame Oberteile und hat Sewaholics Alma Blouse abgelöst (ähnlicher Sitz, aber mehr Abnäher und immer ein bisschen zu voluminöse Ärmel).

 

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9 Gedanken zu “Variationen um blaugraue Löcher

  1. ella 25. Juni 2015 / 13:43

    Wie schön mit dem Holly-Rock. Da würd ich sie unbedingt reinstecken.
    LG ella

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  2. kuestensocke 17. Juni 2015 / 18:18

    Herrlich Deine Fotostrecke! Deine Löcherbluse gefällt mir sehr! Zur Hose und zum schmalen Rock kannst Du die bluse ruhig drüber tragen. Beim hollyburn gefällt es mir mit bluse drinnen einfach besser, der weite Rockteil braucht die schmale Taillie als Gegengewicht – schaut jedenfalls sensationell aus, wenn die Bluse drinsteckt. LG Kuestensocke

    P.S. eine neugierige Frage: trägst Du beim Fotografieren die Maske oder bastelst Du sie später ins Bild?

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    • couseuse 17. Juni 2015 / 18:50

      Vielen Dank für deine Meinung – das ermutigt mich sehr zum ungewohnten Reinstecken. Auf den Fotos gefällt mir das auch besser; vor dem Spiegel ist der Eindruck oft anders. Merkwürdig.
      Der Kopf ist ein Porträt von mir, das mein Sohn mal gemalt hat. Ich habe den Kopf einmal im Bildbearbeitungsprogramm freigestellt und klebe ihn jetzt immer auf die Fotos drauf. Doppelter Vorteil: ich kann so doof gucken, wie ich es nicht vermeiden kann – und ich bin nicht gar so exponiert (ich bin Lehrerin und möchte ungern meine Passformreflexionen mit meinen Schülern teilen…)
      LG Almut

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  3. SuSe on the Riverbank 17. Juni 2015 / 15:29

    Das ist ein echt schöner Post mit tollen Fotos ;-)! Und Dein Shirt gefällt mir auch – allerdings beim Hollyburn absolut reingesteckt, beim Anemone finde ich oben drüber auch schön.
    LG SuSe

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  4. Susanne 17. Juni 2015 / 8:43

    Toller Stoff, der mit dem einfachen Schnitt gut zur Geltung kommt.
    Mich würde interessieren, warum deine Nählehrerin vom Abfüttern abgeraten hat; ich hätte das Top sicher gefüttert.
    LG von Susanne

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    • couseuse 17. Juni 2015 / 8:58

      Zum einen wollte ich mit Baumwollbatist füttern (Polyester mag ich nicht und Seide war mir zu teuer) – sie meinte, das rutscht dann nicht gut, fängt an, hochzuwandern oder komisch abzustehen. Außerdem käme der Stoff ohne Futter besser zur Geltung. Das hat mich am Ende überzeugt und ich werde mir aus Batist zwei drunter-Tops nähen, ein weißes und, passend zum halbfertigen Rock, ein dunkelblaues. Dann bin ich auch noch variabler. Und werde feststellen, ob wirklich etwas hochkrabbeln will…
      LG Almut

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  5. Fröbelina 17. Juni 2015 / 8:34

    Erstmal muss ich dich zu deinen genialen Posefotos beglückwünschen 😀 Die sind ja lustig geworden 😀 Und dann zu der schönen Bluse! Der Schnitt ist wirklich super für den löchrigen Stoff und die Abnäher fallen gar nicht auf. Wenn du schreibst dass du zu seriösen Zwecken was drunterziehen musst, heißt das du gehst ohne was drunter einkaufen? Hihihi! Ich finde die Bluse zum Hollyburn reingesteckt am besten, aber das ist auch irgendwie mein Ding. Sie ist in jeder Kombi schön und solche Teile braucht man ja dringend im Kleiderschrank!
    Liebe Grüße
    Katharina

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    • couseuse 17. Juni 2015 / 9:03

      Vielen Dank – auch für deine Reinsteck-Empfehlung. Merkwürdigerweise ist es oft ein komisches Gefühl, in solchen Kleinigkeiten von den eingefahrenen Gewohnheiten abzuweichen. Aber außer mir selbst wird es wahrscheinlich niemandem auffallen…
      Lg Almut

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