Stoffe kaufen – französische Quellen

Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers
Ein kleiner, sehr kleiner Ausschnitt meines Stofflagers: links Damast aus Damaskus und Südfrankreich, rechts Patchwork-Reste für künftige Reste-Projekte.

An Stoffmangel leide ich zugegeben nie. Regelmäßige Hamsterkäufe lassen die Augenbrauen meiner Umgebung in die Höhe fahren: Wann willst du das alles vernähen? Du hast doch schon so viel Stoff!

Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline...) und Stückgröße (richtig groß! Mittelgroß, Reststücke)
Blick auf einen unaufgeräumten Teil meiner Stoffschätze. Ich sortiere nach Qualitäten (Jersey, Popeline…) und Stückgröße (richtig groß, mittelgroß, Reststücke)

Ja, erkläre ich dann. Aber dieser ! So eine schöne Farbe! Das Muster! Ein Super-Preis! Verlieren kann ich mich nicht nur auf Stoffmärkten und in schönen Läden, sondern auch im Internet. Jenseits der allbekannten deutschen Quellen gibt es dort auch französische Online-Händler, bei denen man Schönes entdecken kann. Das klappt auch (fast) ohne Sprachkenntnisse ganz gut, manche Händler haben sogar eine englische Seite (und das ist aus französischer Sicht wirklich keine Selbstversändlichkeit). Für den Notfall gibts für die Nicht-Francophonen ja den Google-Übersetzer oder Leo.

Meine liebsten französischen Stoffquellen möchte ich euch heute vorstellen. Eine kleine Shopping-Verführung zum Wochenende.

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Dieser schöne Stoff von Atelier Brunette über Annakabazaar ist eine Hemdbluse geworden.

Ich habe schon öfter schöne Stoffe bei Annakabazaar gefunden. Vor allem tolle Drucke gibt es (auf Baumwolle und auf Viskose-Mischungen), zum Beispiel die schönen Designs von Atelier Brunette (aus Cosmic Blue von AB hat sich SaSa gerade ein sehr schönes Kleid genäht). Derzeit ist übrigens Sale: Es gibt bis zu 50 Prozent …  Annakabazaar führt auch Kurzwaren (zum Beispiel schöne Schräg- und Paspelbänder), Schnitte (République du Chiffon und Aime comme Marie) und Zubehör. Was Versand und Zuverlässigkeit angeht, habe ich gute Erfahrungen gemacht; die Versandkosten liegen um 10 €, was auch nicht viel teurer ist als einmal länger in der Stadtmitte parken. Die Seite gibt’s auch auf Englisch.

Eine Riesenauswahl, aber nur auf Französisch, hat Fifi jolipois. Ich bin meist irgendwann so überwältigt, dass ich am Ende gar nichts bestelle. Es gibt dort Designerstoffe (viele schöne Muster von Liberty und Atelier Brunette bis Kaffee Fassett), Kurzwaren, Häkel- und Strickequipement. Bei den Stoffen findet man verschiedene Materialien und Qualitäten und – genauso fürs Kleider Schneidern wie für Patchwork. Zum Glück gibt es eine praktische Filterfunktion um das Riesenangebot übersichtlicher zu machen. Außerdem ist eine riesige Auswahl an Schnittmustern im Angebot (zum Beispiel Sew Over it, Deer and Doe, Papercut, Pauline Alice, By Hand London, Sewaholic…). Unklar sind mir die Versandkosten nach Deutschland (die muss man per Mail erfragen).

Manch anderer Onlinehändler hat zwar tolle Stoffe, aber relativ hohe Versandkosten, so dass ich die gefüllten Online-Einkaufskörbe meist wieder lösche, wenn die Versandkosten in Sicht kommen. So ging es mir schon öfter bei  versuchten Schnäppchenkäufen bei Ma petite mercerie und bei Cousette, wo man jeweils um die 15 € Versandkosten zahlt. Beide Shops haben aber schöne – wenn auch nicht besonders billige – Stoffe; bei Cousette mag ich besonders die schönen Woll-Flanell-Qualitäten gerne. Da werde ich im Herbst sicher mal zuschlagen.

Schöne Druckstoffe findet man bei France Duval-Stalla. Neben ihren eigenen Designs verkauft sie japanische Stoffe, Liberty, Aime comme Marie und andere. Die meisten Designs haben relativ zurückhaltende, pudrige Farben – es geht deutlich dezenter zu als in der deutschen Stoffdesigner-Szene. Mehr als bei uns bemerkt man hier übrigens die Ananas-Druck-Mode. Die Stoffe sind nicht besonders billig, aber derzeit ist einiges reduziert („soldes“). Die Auswahl ist sehr geschmackvoll und inspirierend. Das gilt auch für die Schräg-, Paspel- und sonstigen Bänder. Der Gedanke an Liberty-Paspel mit Uni-Stoff gefällt mir richtig gut… Die Versandkosten liegen ebenfalls um 15 €.

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Coupons de St. Pierre am Montmartre in Paris ist ein tolles Stoff-Wühl-Geschäft. Aber auch das Online-Angebot ist groß

Ebenso viel zahlt man bei Coupons de St. Pierre – die Adresse finde ich trotzdem sehr charmant, denn es handelt sich um eines der schönen Pariser Stoffgeschäfte am Fuße des Montmartre-Hügels. Wenn man gerade nicht im wahren Leben dort in den Tischen voller 3m-Coupons wühlen kann, dann wenigstens im Internet. Hier findet ihr Kleiderstoffe aller Art: Jeans, Krepp, Satin, Seide, Baumwoll-Voile, Jersey, Spitze, sogar Leder. Das meiste wird, wie im Laden, als 3m-Coupon verkauft, es gibt aber auch Meterware, außerdem Schnitte und Kurzwaren.

Was haltet ihr von solche Online-Stoffparadiesen? Seid ihr Fans der großen Auswahl? Oder besteht ihr aufs Anfassen von Stoffen im echten Leben?

Trenchkleid für graue Tage

Trenchkleid mit roten Akzenten - dann sieht es nur ein bisschen wie Chefsekretärin aus.
Trenchkleid mit roten Akzenten – dann sieht es nur ein bisschen wie Chefsekretärin aus.

Ziemlich beschwingt fühle ich mich heute morgen meinem Trenchkleid. Durch den asymetrischen Trenchcoat-ähnlichen Kragen komme ich mir ein bisschen britisch vor, und das passt in diesen grauen Sommertagen ja ganz wunderbar.

Der Schnitt stammt aus La Maison Victor 1/2014. Ich fand das Trenchkleid einfach zu nähen und es gab auch keine übermäßige Anpassungsarbeit. Ich habe es in meinem üblichen Größenverlauf von 38 oben bis 42 an den Hüften zugeschnitten. Im Rücken an meinem Hohlkreuz sitzt es recht luftig aber ich wollte dort auch nicht körpernäher werden – das hätte auch das Hinterteil mehr betont.

Mit der Passform bin ich insgesamt ganz zufrieden. Das Kleid ist schmal, aber nicht knalleng.

Viel Stoff am Bauch - ich vermute, dass ist der Preis für die Po-umspielende Form auf der Rückseite
Viel Stoff am Bauch – ich vermute, dass ist der Preis für die Po-umspielende Form auf der Rückseite

Etwas irritiert bin ich über eine ziemlich Stoffmenge an meinem Unterbauch, die sich zeigt, wenn ich sitze oder mich beuge. Klassische Selbstgenäht-Überempfindlichkeit? Stoffbeulen, die am Kaufkleid keinen stören würden? Oder seht ihr eine schneiderische Lösung für das „Viel-Stoff-am-Bauch-Problem“?

Grundsätzlich ist die Kleidform mit dem geraden Rock für mich ungewöhnlich und leicht gewöhnungsbedürftig – in A-förmigen Röcken fühle ich mich bewegungsfreier und mit meinen Formen weniger präsentiert. Deswegen nehme ich hier Beulen und ähnliches vielleicht besonders wahr. Dennoch: Wirklich schlecht finde ich es nicht, das Trenchkleid. Es zwingt mich einfach einen winzig kleinen Schritt aus meiner Kleider-Komfortzone heraus.

 

Hohe Sprünge machen kann man mit dem Kleid aus grauem Stretch-Jeansstoff.
Springen kann man in dem Kleid – und dabei die Tragefalten meines gestrigen langen Tages zeigen

Das Kleid ist aus grauem Stretchjeans genäht, den ich in Paris bei Coupons de St. Pierre (gibt’s übrigens auch online) auf dem Wühltisch gefunden habe. Die Knöpfe sind mit einem rotgemusterten Kaffe Fassett-Stoff bezogen und die passende Paspel ist selbst gemacht. Das gibt dem Kleid ein bisschen Pep – sonst hätte es zu sehr nach Chefsekretärin ausgesehen.

Zum ersten Mal trage ich das Kleid heute mit Leggins. Bisher hatte ich immer Strumpfhosen darunter an, aber die fand ich für Juni einfach zu winterlich.

Jetzt schaue ich mich erst mal beim MeMade Mittwoch um. Dort zeigt Lucy uns einen wunderschönen, sommerlich-flattrigen Blümchenrock, bei dem man die vergangenen Regentage glatt vergessen könnte – würde sie nicht mit Regenschirm posieren.

 

Hübsche Details: bezogene Knöpfe und Paspel aus Patchwork-Stoff
Hübsche Details: bezogene Knöpfe und Paspel aus Patchwork-Stoff

Trench-Kleid in Kürze:
Schnitt: La Maison Victor 1/14
Änderungen: Zuschnitt im Größenverlauf (38 oben auf 42 unten)
Stoff: Stretch-Jeans von Coupons de St. Pierre in Paris (3m-Coupon für 10 €), roter Kaffe Fassett-Stoff für die Akzente
Wiederholungspoztenzial? Für das Kleid bin ich unsicher. Eins davon reicht, denke ich. Aber im Herbst will ich das obere Teil vom Kleid mal als Trench-Bluse aus eisblauem Flanell nähen.

Variationen um blaugraue Löcher

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Löcherbluse zu dunkelblauer Kaufhose – ein Look so blaugrau wie der wenig sommerliche Himmel

Wieso haben deine Kleider alle Namen?, fragte eine Kollegin letzte Woche, nachdem sie meinen Blog inspiziert hatte. Weil ich zu Selbstgenähtem ein persönliches Verhältnis habe – und dann bekommt die Bluse ebenso einen Namen wie der Hamster oder das Bücherregal (das bei der Mehrzahl der Menschen wahrscheinlich Billy oder Ivar heißt).

Alors je vous présente: die Löcherbluse. Keine besonders phantasievolle Namensschöpfung. Aber trotz ihres löchrigen Wesens ist die Bluse ja auch eher ein nüchterner Charakter. Seriös, aber trotzdem kein Miesepeter. Den Stoff – löchrigen Baumwollchambray in undefinierbarem blaugrau – habe ich im Rahmen des Spring Style Along von Sandra – Frau Sonnenburg – geerbt.

Wegen der Löcher habe ich einen Schnitt gesucht, der möglichst wenig Abnäher hat, aber trotzdem tailliert und nicht zu sackig fällt. Entschieden habe ich mich für eine vereinfachte Version von l’Indécise (Mlm Patrons). Das Rückenteil ist ohne Passe in einem Stück zugeschnitten, am Vorderteil gibt es lediglich zwei Brustabnäher. Die Säume sind zweimal schmal umgeschlagen.

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Selbstgemachtes Blumenschrägband am inneren Halsausschnitt. Zum Glück blitzt es kaum nach außen durch

Nur den Halsausschnitt habe ich mit Schrägband versäubert – ich hätte nicht gewusst, wie ich das angesichts all der Löcher andes machen soll. Schrägband in der komischen Farbe gab es natürlich nirgendwo, also habe ich in meiner Verzweiflung passenden Musterstoff besorgt (uni gab es auch nicht…) und selbst welches gemacht. Ich hatte Sorge, die Blümchen würden am Ausschnitt stark durchblitzen, aber man merkt es kaum von außen. Und von innen finde ich es hübsch und ordentlich.

Die Bluse ist nicht gefüttert (davon hat meine Nählehrerin vehement abgeraten), also trage ich zu seriösen Anlässen ein Top drunter. Für die Kombinationen habe ich meinen Sommerkleiderschrank durchgeschaut und bin dabei auf einige Möglichkeiten gestoßen. Recht deutlich wird dabei mein universelles Prinzip: „Im Zweifelsfalle dunkelblau“ (ist das schon Stil, Alexandra von MamaMachtSachen?).

Die dunkelblaue Hose (siehe oben) ist gekauft und deswegen steht der Bund in meinem Hohlkreuz schrecklich ab. Ich müsste ihn mal abtrennen (aber ich hasse solche Änderungsschneidereien). Zur Hose gefällt mir die Bluse gut – sie wirkt dann nicht so niedlich.

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Bluse mit Hollyburn-Rock. Soll ich sie reinstopfen (sehr ungewohnt) oder wie immer drüber tragen?

Etwas niedlicher – oder schon zu niedlich? – sieht die Löcherbluse mit meinem Hollyburn-Rock  aus. Normalerweise trage ich Oberteile immer über Rock oder Hose. Wäre dies nun ein Fall fürs In-den-Bund-Stecken? Ich habe beide Optionen fotodokumentiert und frage ins weite Web: Was meint ihr: rein oder raus  mit der Bluse?

 

 

 

normal in anemoneAuch zur Jupe Anemone passt die Löcherbluse. Der Kontrast ist etwas geringer, weil der Rock auch eine merkwürdig blaugraue Farbe hat. Dafür war ich nach all der Umzieherei schon ziemlich abgebrüht und habe meiner Fotografin jede Verrenkung geschenkt, die sie sich gewünscht hat. Normalerweise finde ich das Fotografiert-Werden ziemlich schwierig. Wohin mit den Armen, wie die Füße stellen – ich komme mir oft doof dabei vor.

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Bei der dritten Outfit-Variation gehen bei Fotografin und Fotografierter (fast) alle Hemmungen verloren. Der Rock Anemone von Deer und Doe macht aber auch jeden Unsinn mit

Umso lieber schaue ich dann, wie und in was sich die anderen nähenden Damen am MeMadeMittwoch fotografiert haben…

Zusammenfassung zur Löcherbluse:
Stoff:
auf einem fernen Stoffmarkt von Frau Sonnenburg entdeckt: blaugrauer Loch-Chambray
Schnitt: l’Indécise (Mlm Patrons) in Gr. M
Veränderungen: Verzicht auf die Rückenpasse
Tragegefühl: angenehm locker, aber nicht zu weit
Nochmal nähen? Der Stoff hat mich kürzlich in einen Nähflow gestürzt, ein Rock daraus ist halbfertig, ein Shirt aus Resten wird gerne getragen. Indécise entwickelt sich zu meinem Universalschnitt für möglichst schlichte, abnähersparsame Oberteile und hat Sewaholics Alma Blouse abgelöst (ähnlicher Sitz, aber mehr Abnäher und immer ein bisschen zu voluminöse Ärmel).

 

Manchmal mit Plan: die Bilanz des Spring Style Along

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Neu genäht für den Style Along: die Culotte. Ich finde immer mehr Tragevarianten – am liebsten eher sportlich

Eine Bestandsaufnahme machen, Kleiderschranklücken entdecken und auffüllen, Outfits und Kombinationen aus Neuem und Altem entwickeln – und all das möglichst in einem bestimmten Stil. Das war der – ehrgeizige – Plan für den Spring Style Along, den Alexandra (MamaMachtSachen) und Antonia (MarjaKatz) dankenswerterweise organisiert haben. Heute ist Zeit Bilanz zu ziehen.

Zuerst ein kurzer Rückblick auf die Theorie meines Plans:
Stilprinzip: kombinationsfreudig, entspannt und ein bisschen besonders
Farben: Marine als Basisfarbe, alle Blautöne, Türkis und vielleicht ein bisschen Rot-Pink dazu.

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Die Culotte ist Schnitt 126 aus Burda Style 3/2015 (aber ohne Bundfalten), der Rock Anemone stammt von Deer and Doe. Die Marlene ist ein Burda-Modell (8087)

Basics sind neben Jeans in meinem Kleiderschrank der (jeansblaue) Rock Anemone und, weil für den SpringStyleAlong endlich gekürzt, meine marinefarbene Marlenehose. Nicht ganz so basic aber super bequem und schick ist die frischgenähte royalblaue Culotte. Weil die Farbe schwierig zu kombinieren ist, habe ich ihr (und mir) zwei Ringelshirts gekauft, die Madame la Culotte wunderbar ergänzen. Nach den ersten Tragetests habe ich begeistert beschlossen, dasselbe Modell nochmal in dunkelblau zu nähen.

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Ein schlichter Rock in A-Form ( Simplicity 2/2013, Modell 29). Einmal fertig aus Waxprint, einmal in Arbeit aus Löcherstoff, gefüttert mit Baumwollbatist

Außerdem ist – ziemlich ungeplant – ein Rock in A-Form aus Waxprint entstanden und ein weiterer nach demselben Schnitt ist in Arbeit. Diesmal aus taubenblauem Loch-Chambray, den mir Frau Sonnenburg netterweise überlassen hat. Darunter lege ich wegen all der Löcher Baumwoll-Batist in dunkelblau.

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Die Strickjacke ist eigentlich ein Blazer ( Burda Style 5/2015). Ich mag das Schößchen und die schöne Schnittführung im Rücken

Fast fertig ist eine dunkelblaue Jersey-„Strick“-Jacke mit Schößchen, die zu allen Unterteilen (und Oberteilen) prima passt. Ich muss nur noch Knopflöcher machen. So lange nehme ich  für kühle Frühlings- und Sommertage den dunkelblauen Alabama-Chanin-Poncho.

 

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Die Eiffelturmbluse heißt Girly Touch und stammt aus Ottobre 5/2013. Die Bluse aus Herrenhaus-Liberty ist Modell 22 aus Fashion Style 2/2015. Die Löcherbluse und das Shirt habe ich nach dem Schnitt Indécise (Mlm Patrons) genäht (das Foto vom Shirt zeigt die Hinteransicht – vorne ist es ganz schlicht).
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Detail vom Herrenhaus: Wer hat schon Downton Abbey auf der Bluse?

Bei den Oberteilen hat in der letzten Woche der Sonnenburgsche Loch-Chambray dominiert. Die zugeschnittene Bluse (Indécise von Mlm Patrons, aber ohne Rückenpasse und Knopfleiste) wartet noch auf Seitennähte und vor allem auf passendes Schrägband, um die Kanten einzufassen. Aus einem Rest habe ich, um die Wartezeit zu überbrücken, kombiniert mit passendem Jersey aus dem Stofflager ein Shirt genäht (wieder Indécise, ohne Knopfleiste, mit vergrößterter Rückenpasse und, weil es kein Jersey-Schnitt ist, ohne Nahtzugabe zugeschnitten). Ich habe Indécise mit meinem bisherigen Shirt-Standard-Schnitt Renfrew (Sewaholic) verglichen und wegen der stärkeren Taillierung lieber den französischen Schnitt benutzt. Das Ergebnis gibt mir recht – das Shirt mag ich sehr.
Aus dem Liberty-Herrenhaus-Stoff habe ich eine schnelle Bluse genäht, die zwar relativ weit fällt, sich aber sehr angenehm trägt. Ich mag das Muster und die beiden Falten am Ausschnitt (Schnitt: Fashion Style 2/2015, Modell 22, in der Taille deutlich schmaler gemacht).

Die Eiffelturmbluse ist fertig und auch schon getragen – ich bin sehr glücklich mit meinem Werk, auch wenn es jetzt wohl erst mal Sommerpause hat.

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Fischgrat-Chambray und Simplicity 7712 ergeben dieses Kleid. Am Rocksaum fehlt noch das Schrägband. Die dunkelblauen Kanten geben dem Kleid Struktur

Außerdem ist aus blauem Fischgrat-Chambray ein Kleid nach Simplicity 7712 entstanden (weiter Rock, Prinzessnähte, Raglanärmel, hübsch abgerundete Armabschlüsse – wirklich nett!). Hier fehlt nur noch das dunkelblaue Schrägband am Rocksaum, das derzeit im Saarland einfach nicht zu bekommen ist (ich lebe in einem Kurzwaren-Entwicklungsland!). Ich muss wohl im Internet bestellen und die Fertigstellung des Kleides auf kommendes Wochenende verschieben.

Entgegen dem SpringStyle-Plan noch nicht verarbeitet habe ich den taupe-gepunkteten Jersey und die Liberty-Teetassen. Da schwanke ich immer noch zwischen Bluse und Kleid.

Zusammengefasst: Ich habe richtig viel genäht und dunkelblau ist, wie immer, ein Leitmotiv. Obwohl ich nicht sehr vehement versucht habe, meine Näh-Prinizpien umzusetzen, ist einiges an Entspanntem (Kleid, Culotte) und ein bisschen Besonderem (Herrenhaus-Bluse, Eiffelturm-Bluse, Waxprint-Rock, Lochstoff-Stücke, Jacke) entstanden. Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Output.

Nach Plan zu nähen hatte ich im Laufe des SpringStyle Alongs nicht immer Lust – sicher ein Grund, warum so viele ungeplante Dinge entstanden sind. Immer wieder finde ich irgendwo Stoffe oder Schnitte, die spontane Sofort-Näh-Bedürfnisse hervorrufen (wie der Waxprint oder der Frau Sonnenburg-Löcherstoff oder der interessante Jackenschnitt). Da hat ein vernünftiger Plan dann keine Chance. Der hat mir aber dabei geholfen, ein besseres Gleichgewicht zwischen den besonderen Dingen und schönen Basics herzustellen. Und ich habe mir vorgenommen, zwischen den genussvollen Spontan-Nähereien den Basics in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Was gar nicht so einfach ist.

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Spontankäufe: ein ganz zarter Kaffe Fassett-Stoff in Rottönen und ein anonymes wildes Muster auf Popeline. Vielleicht eine rote Bluse und ein buntes, ärmelloses Sommerkleid?

Gestern morgen war ich allerdings im (meiner Meinung nach) schönsten saarländischen Stoffladen zu Besuch (Ischilly in Wadern – 50 Kilometer Anfahrt, die es wert sind). Eigentlich nur, um passendes Schrägband bzw. Schrägbandstoff für die Löcherbluse zu besorgen. Ein heftiger Flash hat mir dort zwei bunte wildgemusterte Stücke eingebracht. So weich, so tolle Farben – die mussten mit. Aber vorher – nach Plan und ganz basic – gibts die marineblaue Culotte.

 

Wahrnehmungsfragen – der Waxprint-Rock

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Wildes Afrikamuster – dieser Rock schreit laut „hier bin ich“

Manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, freue ich mich, wenn mich jemand anspricht. Jeder bekommt schließlich gerne Komplimente, Selbermacherinnen erst recht. Manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, freue ich mich, wenn mich niemand anspricht. Dann, so denke ich, war meine Kleidung so professionell genäht, dass keiner auch nur gemerkt hat, dass ich selbst am Werke war. Und manchmal, wenn ich Selbstgenähtes trage, mache ich mir ein bisschen Sorgen, wenn mich niemand anspricht. Dann nämlich, wenn ich etwas trage, das laut schreit: Ich bin selbstgenäht!

Das sind Kleidungsstücke, die so ungewöhnlich sind, dass sie nicht aus einem Laden stammen können. Wenn dann keiner etwas sagt (und „das sieht interessant aus“ würde schon reichen), denn denke ich: die Klamotte muss so absonderlich sein, so schräg, dass einach keiner Gefahr laufen möchte, etwas Nettes sagen zu müssen (was wahrscheinlich nur Höflichkeit wäre).

 

Der Rock, der schreit
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Man munkelt, der Rock sei mit LSD-berauschten Dicken Bohnen verziert. Musterraten ist einfach immer wieder eine reizvolle Disziplin bei Waxprints

So ging es mir am Montag morgen, als ich zum ersten Mal meinen neuen Waxprint-Rock ausgeführt habe. Dieses Muster schreit schon aus 100 Metern Entfernung jedem morgenmüden Menschen zu: Hallo! Hier bin ich! Der Waxprint-Rock! Tapfer hat meine Umgebung das Geschrei des Kleidungsstückes ignoriert. Was soll ich davon halten?

Denn eigentlich finde ich ihn cool, meinen neuen Rock. Ich habe einen bewusst schlichten A-Schnitt ausgesucht, um so wenig wie möglich in dem Muster herumschneiden zu müssen. Nur zwei Abnäher hinten und eine hintere Mittelnaht, um den Reißverschluss unterzubringen. Und alles ist gut gegangen. Der Rock hat viele gute Gründe auf seiner Seite: Er passt. Er ist liebevoll gefüttert. Er besitzt einen perfekten nahtverdeckten Reißverschluss (kein Problem mehr mit meinem neuen Spezialfüßchen). Ich habe das wilde Muster erfolgreich kontrolliert – vor allem in der hinteren Mitte treffen die Motive, so finde ich, richtig gut aufeinander. Ich mag die Farben, ich mag das Muster. Aber trotzdem konnte ich eine leichte Verunsicherung nicht vermeiden.

Mein Selbstbewusstsein braucht Übung
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Auch im Dämmerlicht leuchten die berauschten Böhnchen. Und man sieht, dass mir die hintere Naht mustermäßig gelungen ist

Dennoch – oder gerade deswegen: als Training meines Näh-Selbstbewusstseins nämlich – ziehe ich den Wax-Rock heute am MeMadeMittwoch gleich wieder an. Die Damen in meinem Nähkurs sind mustermäßig – und mustergültig – abgebrüht. Mal sehen, ob sie was sagen zum Rock.

Wax-Rock in Kürze:
Schnitt: Simplicity 2/2013, Modell 29
Stoff: Waxprint angeblich belgischer Abstammung vom Saarbrücker Orientmarkt an Pfingsten, fünf Meter (ca. 1,10 m breit) für zehn Euro
Veränderungen: Ich habe den Rock in meinem Größenverlauf – 40 in der Taille auf 42 um die Hüften zugeschnitten und statt eines Beleges lieber meinen üblichen Bund angebaut (das ist der von der Marlenehose – Burda 8087). Sitzt besser.

Nun sind ja noch gute vier Meter wilder Print übrig. Ich liebäugele mit einer Jacke. Michelle wäre ein guter Schnitt – weil ohne alle Teilungsnähte.