Anemone macht froh

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Anemone – alltagstauglich

Heute ist MeMadeMittwoch und ich führe meine Jupe Anemone aus. Das Schnittmuster von Deer und Doe sitzt in der natürlichen Taille und besteht aus sechs Bahnen – dadurch lässt es sich den eigenen Kurven prima anpassen. Ich habe mich in der Taille milimeterweise an die ideale Passform herangenäht – da hatte zwar am Ende der Nahttrenner einiges zu tun, aber dafür sitzt der Rock jetzt super. Ich finde die hohe Taille ungemein gemütlich und der Rock fängt auch nicht an, im Laufe des Tages um mich herum zu wandern, wie es Röcke gerne tun, die auf der Hüfte sitzen.

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Bunter Bundbeleg – bequem und schön

 

 

 

 

 

Statt ihn zu füttern habe ich meiner Anemone einen Beleg verpasst. Das bringt ihm Innen-Farbe und ein bisschen mehr Stabilität im Bund – und bei mildem Wetter brauche ich auch kein Futter. Der Stoff ist ein feingestreifter Jeans – alltagstauglich, aber ein bisschen schicker. Das mag ich gern.

Überhaupt macht mich Anemone froh:

  1. Der Reißverschluss ist sowas von nahtverdeckt!

  2. Innen ist er schön bunt – und keiner außer mir weiß es!

  3. Der Saum ist unsichtbar handgenäht – c’est parfait!

Viele andere schöne, selbstgenähte Kleidung findet sich heute, wie jede Woche, beim MeMadeMittwoch. Und ich gehe jetzt nähen!

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Wunderbar unsichtbar: der Saum
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Reißverschluss – erfolreich unsichtbar eingenäht

 

 

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Spring Style Along: Fortschritte und Fragen

Muster zur Auswahl, das zugeschnittene Oberteil und weißer Jersey für den Beleg
Muster zur Auswahl, das zugeschnittene Oberteil und weißer Jersey für den Beleg – das wird ein Shirt mit Reverse Appliqué

Spring Style Along – ich mache Fortschritte, gleichzeitig an mehreren Baustellen: Richtig froh war ich, dass mich das Projekt von Alexandra (MamaMachtSachen) und Antonia (MarjaKatz) letzte Woche dazu gebracht hat, endlich einmal kritisch meinen Kleiderschrankinhalt zu  beäugen. Dort habe ich einige Kombiklamotten gefunden, die meist nach dem Prinzip dunkelblau + X funktionieren. Und ich habe mich einer ungeliebten Schrankleiche angenommen und meine marine Marlenehose gekürzt.

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Marlene ist gekürzt – und endlich tragbar

Am Tag danach habe ich sie schon ausgeführt und die Länge für gut befunden. Dass die Hose ungewöhnlich ist, habe ich in der Schule übrigens schnell gemerkt: „Ist das eine Hose oder ein Rock?“, wurde ich zwei Mal von Schülern gefragt – die überlicherweise Lehrer-Kleidung lieber ohne diese diskutieren.

links königsblauer Popeline, rechts rauchblaues Leinen - und beides passt nicht zu den Liberty-Teetassen
links königsblauer Popeline, rechts rauchblaues Leinen – und beides passt nicht zu den Liberty-Teetassen

Außerdem habe ich ganz experimentell an einem Culotte-Schnitt herumgedoktort und die Bundfalten herauskonstruiert. Der dafür vorgesehene königsblaue Popeline vom Roten Faden gefällt mir gut – leider passt die Farbe nicht, wie geplant, zum Liberty-Teetassenstoff. Wahrscheinlich nähe ich die Culotte aber trotzdem wie geplant und suche ihr neue Kombipartner. Das ist derzeit meine Spring-Style-Herausforderung Nummer 1.

Ein universal kombinierbares, aber dennoch besonderes Oberteil habe ich diese Woche schon mal in Angriff genommen. Ein Shirt aus leichtem silbergrauen Strick, das am Halsausschnitt eine Dekoration in Reverse Appliqué-Technik nach Alabama Chanin bekommen soll. Dazu werden mit Stofffarbe und mit Hilfe einer Schablone Ornamente aufgemalt. Dann verstürze ich den Halsausschnitt mit einem Beleg aus weißem Jersey (alters Kindershirt) und umsticke die Ornamente durch beide Lagen hindurch. Schließlich wird das Innere der Ornamente vorsichtig ausgeschnitten, so dass vom bemalten Strick nur noch ein Rand stehen bleibt und der Jersey des Belegs hervorkommt.

Viele tolle Beispiele in dieser Technik zeigt immer wieder Antje von „Machen statt kaufen“ unter dem Label „Slow fashion“. Sie näht ihre Klamotten sogar von Hand zusammen – so weit bin ich noch nicht. Zwischendurch mag ich solche Hand-Arbeiten aber sehr gerne, vor allem, weil sie auch gesellige Plauder- oder Fernsehabende oder Gartennachmittage mitmachen und ich nicht unbedingt im Nähzimmer sitzen muss.

Türkis oder weiß zum silbergrauen Strickstoff?
Türkis oder weiß zum silbergrauen Strickstoff?

Der Zuschnitt für das Shirt ist gemacht (Schnitt: das bewährte Sewaholic Renfrew Top) und ich habe liebevoll die Ausschnittkanten mit Band bebügelt, weil der Stoff sehr flutschig und dehnbar ist und sonst sicher völlig die Form verlieren würde. Auch die Stofffarben stehen bereit, nur ein
Muster muss ich noch aussuchen – oder selbst zeichnen. Und ich weiß noch nicht, ob ich graue Farbe und weißes Garn nehme (monochrom, passt zu allem, eher elegant) oder lieber beides in türkis – ein bisschen bunter, aber auch nicht mehr so universell kombinierbar… Und vielleicht sollte ich auch ein paar Perlen aufnähen? Das sieht in den Alabama-Chanin-Büchern super aus, aber ich habe es noch nie probiert. All diese kleinen, aber schwierigen Entscheidungen sind heute meine Spring-Style-Herausforderung Nummer 2.

Wie es weitergeht, könnt ihr hier nächste Woche lesen. Und welche Gedanken sich viele andere Frauen machen, lest ihr beim Spring Style Along.

Oben ohne – Bundfalten aus einem Schnitt entfernen (1)

Ich mag keine Bundfalten. Überhaupt nicht. Und Schnitte, die Bundfalten enthalten, habe ich bisher immer als indiskutabel beiseitegeschoben. Nun hat mich, wie einige andere Näherinnen auch, das Culottefieber gepackt, und die meisten dieser neuen Hosenrockschnitte schaffen die großzügige Beinweite durch mehr oder weniger voluminöse Bundfalten.

Also: her mit der Culotte, weg mit den Falten. Meine Nählehrerin Martina hat mir gezeigt, was zu tun ist – vielen Dank, liebe Martina! Nun gebe ich weiter, was ich erfahren habe. Heute: Schnitt-Origami und: adé, Falte. Meine Culotte ist Schnitt 126 aus Burda Style 3/2015. Aber genauso funktioniert das Prinzip natürlich auch für andere Hosenröcke oder Bundfaltenhosen.

1. Schritt: Schnitt ganz normal abpausen, mit allen Falten, Zeichen etc.

IMG_06072. Schritt: Die Falten genau so falten, wie sie laut Schnittzeichen liegen sollen (von rechts nach links oder links nach rechts oder, wie in meinem Fall, aus beiden Richtungen übereinander).

glatt streichen3. Schritt: Falten schön ausstreichen und darauf achten, dass die untere Beinweite erhalten bleibt.

 

 

 

4. Schritt: Die Falte ist jetzt weg, aber der Schnitt hat im Hüftbereich auch Weite verloren. Deswegen hier anhand der eigenen Maße oder eines bewährten Hosenschnittes die Weite anpassen. Dazu einfach an der Außennaht am Vorder- und am Hinterbein entsprechend Weite zugeben.

doppelschnittIch habe jeweils 2 Zentimeter „angebaut“ und zur Taille hin zum Originalschnitt hin auslaufen lassen. Dass das Hosenbein dadurch unten etwas weiter wird, ist bei diesem Schnitt egal. Bei einer schmaleren Hose kann man die Weite unten entsprechend auslaufen lassen.

So ist derzeit der Zustand meines Hosenrocks. Heute ist das Paket mit dem passenden Stoff endlich angekommen und bald zeige ich, wie sich Madame la Culotte entwickelt.

Marlene und Alabama Chanin in blau

aufmacherbild marlene2Bei mir ist heute dunkelblauer Mittwoch. Marine ist nicht nur meine Lieblingsfarbe, sondern Hosen und Röcke in blau passen auch zu (fast) allem, was in meinem Schrank hängt. Sehr praktisch.

Die Marlenehose (Schnitt: Burda 8087) hat mir lange Kopfzerbrechen bereitet, denn ich habe die Länge mit Hilfe meiner Nählehrerin im Kurs abgesteckt. Dann gesäumt und liebevoll Aufschläge von Hand befestigt. Und am Ende – war sie zu lang und nur mit Mega-Absätzen tragbar. Alltagstauglich war das nicht, also blieb Marlene über Winter ungetragen. Für den Spring Style-Along habe ich nun Kleiderschrankinventur gemacht und Marlene wiedergetroffen.

Und obwohl ich solche Änderungen nicht mag, habe ich mich vor einigen Tagen daran gemacht und gekürzt (aber die Aufschläge sind nun weg – macht nichts). Jetzt ist die Länge prima und ich bin froh, Marlene endlich ausführen zu können. Der Stoff (Viscose-Gabardine vom Roten Faden) fällt sehr schön und durch die Weite ist die Hose natürlich auch bequem.

 

 

 

 

 

 

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Der Überwurf heißt „Poncho“ und die Inspiration dazu kommt aus einem Buch von Natalie Chanin (Alabama Studio Sewing and Design, 2012). Ich finde die handgenähten Projekte dieser amerikanischen Designerin toll: nicht nur ästhetisch, sondern auch nachhaltig. Zwei Schals und den Poncho habe ich nach Art von Alabama Chanin bereits gemacht – ein Shirt ist in Planung.

Den Poncho trage ich wie eine Strickjacke – er ist praktisch und bequem. Der Grundstoff ist ein dunkelblauer Jersey, die applizierten Kreisformen stammen von verschiedenen alten Kindershirts. Aufgenäht habe ich sie in den letzten Sommerferien – meditativ von Hand und mit doppelt genommenem royalblauem Knopflochgarn. Mich erinnert das Muster an Kieselsteine in einem Bachlauf – auch das ein meditativer Gedanke.

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Kreisformen, von Hand aufgenäht

Der Poncho besteht eigentlich nur aus einem Stoffrechteck, bei dem zwei Kanten verbunden werden. Dadurch entsteht die Zipfelform. Dieser Zipfel kann nach vorne oder hinten oder zur Seite getragen werden, am Hals fällt der Stoff wie ein Wasserfallausschnitt.

Was die anderen Näherinnen am MeMadeMittwoch zeigen, seht ihr heute wie jede Woche hier.

 

Der Nähplan

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Die Dame mit dem blauen Haar gehört nicht zum Spring Style. Sie war einfach da. Die Bluse heißt Indecise (Schnitt: Mlm Patrons)

Kleiderschrank-Inventur, Inspirationen und Nähpläne stehen heute auf dem Plan beim Spring Style-Along von Alexandra (MamaMachtSachen) und Antonia (MarjaKatz). Das ist richtig schwierig, denn ich bin derzeit etwas überwältigt von all den vielen Möglichkeiten, die in meinen gerade erst aufgestellten Prinzipien „einfach zu kombinieren, entspannt, überraschend“ stecken. Was tun? Prinzipien abschaffen? Job kündigen und nur noch nähen? Nur noch schwarz tragen? Alles keine Lösung.

 

 

COLOURlovers.com-AkzentfarbenAlso reiße ich mich am Riemen und sammele den Kernbestand meines Kleiderschranks für Frühlingstemperaturen. Einfach zu kombinieren sind meine Unterteile, fast durchgängig dunkelblau. Das passt wunderbar ins geplante Farbschema mit den rot-türkis-blauen Akzentfarben.

Im Schrank hängen zwei Lieblingsjeans, eine dunkel, eine etwas heller – die gehen immer – und der Rock Anemone in blau gestreift, auf den ich viele Hoffnungen setze.

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Der Rock Anemone ist ok, die Culotte auch, aber zu warm. Und Marlene ist zu lang.

Und dann gibt es noch die zwei Problemfälle: Die schwarze Culotte, die ich sehr gerne mag, hat mir letzte Woche klargemacht, dass sie und ihr Wollstoff nur für allerkühlste Frühlingstage geeignet sind – also muss ich sie bald zu den Herbstsachen ins Abseits hängen. Leider nichts für den Frühlings-Style-Along. Die marineblaue Marlenehose habe ich selbst genäht und bin eigentlich auch sehr zufrieden. Sie ist schlicht, aber durch die Weite schon etwas speziell. Leider ist sie ziemlich (zu?) lang – das heißt: in ihrem jetzigen Zustand nur mit ganz hohen Absätzen tragbar und nicht alltagstauglich. Soll ich also die Hosenbeine kürzen? Sie haben einen Umschlag! Sind von Hand angenäht! Das wäre eine mühsame Arbeit, auf die ich gar keine Lust habe. Aber die die Tragefrequenz von Marlene würde sich sicher sehr erhöhen …

Mein derzeitiger Spring-Style-Unterteil-Nähplan sieht eine 3/4-lange Culotte nach einem Burda-Schnitt vor, dem ich im Nähkurs die Bundfalten austreiben möchte (ich hasse Bundfalten). Material: ein royalblauer Popeline, den ich beim Roten Faden bestellt habe. Das Paket ist noch nicht da – ich hoffe, der Plan geht auf. Alternativ habe ich noch dünnen mittelblauen Zickzack-Jeans auf Lager, den ich dunkelpetrol einfärben könnte.

Eiffelturmbluse - bald ist sie fertig
Eiffelturmbluse – bald ist sie fertig

Schwierig sieht’s bei den Oberteilen aus.  Neben langweiligen Langarmshirts (gekauft) wäre da meine kürzlich genähte Indecise-Bluse in Rot-Türkis, die ihr oben neben der blauhaarigen Nana seht (hier mehr darüber). Bald ist auch die Eiffelturm-Hemdbluse fertig, von der ich letzte Woche berichtet habe. Ich hoffe auf kühle Maitage, um sie ausführen zu können. Mit kurzen Ärmeln sind ebenfalls ein paar uni Kaufshirts im Schrank, wunderbar, wenn der Morgen stressig ist und ich nicht über Kleider nachdenken möchte.

Schnitt: Alma von Sewaholic
Schnitt: Alma von Sewaholic

Außerdem wartet auf schönes Wetter diese Bluse (Alma von Sewaholic und Stoff von Ikea), eigentlich nur ein Probestück, aber ich trage sie gerne.

Leider werde ich mit den selbstgemachten Kleidungsstücken immer anspruchsvoller – einiges, was ich letztes Jahr noch gerne getragen habe, möchte ich nun am liebsten in die Patchwork-Kiste werfen. Die zweite Alma-Bluse zum Beispiel. Sie gefällt mir zwar wirklich gut, aber der Punktestoff ist so steif, dass die Bluse nicht schön fällt. Ich trage sie bisher trotzdem, aber wohl nicht mehr lange…

Zwei Problemfälle: das Knotenshirt ist zu groß, die Bluse aus zu festem Stoff. Schade.
Zwei Problemfälle: das Knotenshirt ist zu groß, die Bluse aus zu festem Stoff. Schade.

Das Knotenshirt (aus einer älteren MeineNähmode) ist wohl einfach eine Nummer zu groß geraten. Was meint ihr? So viel Stoff rund um die Brust kann doch nicht richtig sein. Da passe ich doppelt rein. Vielleicht versuche ich, das Shirt im Trockner zu schrumpfen. Denn nur mit Seiten abnähen wäre es wohl nicht getan.

Also: Oberteile müssen her. Und neuer Stoff wird nicht gekauft. Denn ich habe heftig zugeschlagen beim Berlin-Urlaub in den Osterferien (der Vormittag am Maybach-Ufer war schuld).

Das ist also der aktualisierte Spring-Style-Oberteil-Plan:
eine Bluse mit kurzen Ärmeln und Tropfenausschnit aus dem Teetassen-Stoff (Alma oder Indecise),
ein letzter Versuch mit dem Nähmode-Knotenshirt aus türkisfarbenem Jersey (aus dem Lager),
noch ein Shirt aus dem neutral-gepunkteten Jersey (Stoff vom Maybach-Ufer und als Schnitt vielleicht Frau Liese, ich mag diese Pseudo-Wickel-Form).

Zwei relativ schlichte Jerseys und die Liberty-Teetassen gehören zu meinem Nähplan
Zwei relativ schlichte Jerseys und die Liberty-Teetassen gehören zu meinem Nähplan

Wahrscheinlich sind diese Nähpläne schon viel größer als mein Frühlings-Zeitbuget, aber wenn ich dazu komme, möchte ich doch zu gerne noch den Herrenhaus-Liberty verarbeiten, und, und, und. Und dann geht es schon wieder los mit der näherischen Überwältigung. Ob die anderen Spring-Style-Damen sich da besser im Zaum halten können als ich, seht ihr heute bei Marja Katz. Ich muss jetzt dringend nähen gehen, damit ich euch auch nächste Woche etwas zu berichten habe!

 

 

 

 

Retro-Culotte – ein Abenteuer

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Mit Ringelshirt ist die Culotte bequem und alltagstauglich

Meinen ersten Me-Made-Mittwoch bestreite ich heute mit einem Näh-Abenteuer: meiner schwarzen Retro-Culotte. Schon vor einer Weile habe ich bei parvasedapta  ihren Bericht über die Rekonstruktion eines Hosenrockes von 1942 gelesen. Ich war fasziniert von dem tollen Schnittmusterfund und von der Vorgehensweise – einen Schnitt selbst aufzeichnen, nicht nur kopieren, ohne ausführliche Anleitung nähen. Und ich war sehr angetan von dem Kleidungsstück.

Also habe ich es versucht. Der Stoff ist eine schön fallende Wollmischung in schwarz, kombinationsfreundlich zu den meisten meiner Herbst-Winter-Frühlings-Übergangs-Oberteile (und schmeichelnd für meine Birnenfigur).

Am Schnitt habe ich nur eine kleine Veränderung vorgenommen und im Hüftbereich ein paar cm zugegeben – das hat sich als gute Idee erwiesen. Ein Schnittteil für den Taschenbeutel musste ich – mit Hilfe meiner Nähkurs-Lehrerin – ergänzen.

Der Bund des fertigen Hosenrocks hätte mir eigentlich weit über dem Nabel gesessen – fast direkt unter dem BH. Daher habe ich vor dem Anbringen des Taillenbelegs  gute zehn cm abgeschnitten und das Stück trägt sich immer noch mehr in der Taille als in der Hüfte – da hatte man früher wahrscheinlich andere Vorstellungen von gutem Sitz.

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Die Culotte macht alles mit und lässt (fast) alles mit sich machen

Ich bin sehr froh mit meiner Culotte. Der Hosenrock für die radelnde Dame von 1942 sieht fast aus wie ein Rock mit Kellerfalte. Aber er trägt sich praktischer – ich komme mir angezogener vor als im Rock. Das Teil ist dadurch sehr alltagstauglich. Im Herbst/Winter funktioniert der Hosenrock mit Stiefeln wunderbar und nun im Frühling lässt er sich auch mit Pumps oder Schnürschuhen kombinieren. Und ich plane schon eine frühlingshaftere Variante aus einem leichten Zickzack-Jeans.

Beim Nähen der Eingrifftaschen – deren eckige Form ich sehr schön finde – habe ich leider an der falschen Stelle zugenäht. Dadurch ist der Tascheneingriff miniklein geworden. Aber weil ich die Taschen sowieso nicht benutze, habe ich beschlossen, mir das Auftrennen zu sparen. So bleiben die Taschen eben klein.

Besonders zufrieden bin ich mit dem handgenähten Saum – der ist wirklich unsichtbar!

Ich bin sehr froh, dass ich nach langem Mitlesen jetzt auch aktiv beim MeMadeMittwoch dabei sein kann – und ich bin gespannt, was die anderen Näherinnen heute präsentieren!

 

Französisch nähen: Mlm Patrons

L’Indecise mit gelungener Knopfleiste

Facile à coudre, facile à vivre – leicht zu nähen, leicht zu (er)leben – das ist das Motto der Schnittmusterfirma Mlm Patrons, die seit Januar 2014 die französische Schnittmusterszene bereichert. Die Schnitte von Marisa Goossens sind einfach, auch für Anfängerinnen geeignet, gut erklärt und dementsprechend beliebt bei französischen Bloggerinnen. „Zeitlose Schnitte für die Alltagsgarderobe“, so beschreibt Goossens ihre Entwürfe. Die 30-Jährige ist Autodidaktin und hat, wie so viele Nähbloggerinnen, zuerst für ihre Kinder genäht, bevor sie anfing, auch für sich zu schneidern und dann auch Schnittmuster zu entwickeln.

Schwerpunkt von Mlm Patrons liegt auf Oberteilschnitten, aber einen Minirock, zwei Kleider und eine Jacke gibt es auch. Ich habe meine ersten Mlm-Experimente mit zwei Blusen gemacht. Die meisten Schnitte gibt es auf schönem, stabilen Papier für 13 Euro oder als PDF für 5 Euro (und immer sind sie übersichtlich und als Mehrgrößenschnitte ausgelegt).

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L’Indécise von MLM Patrons Bild: Marisa Goossens/MLM

L’Indécise ist eine leicht taillierte Bluse mit Rückenpasse, Knopfleiste, abgerundetem Kragen und Manschetten. Sie wird häufig in französischen Nähblogs präsentiert.

Meine Version kommt ohne Kragen und Manschetten aus, dafür habe ich die Kanten mit selbstgemachtem Schrägband versäubert und an der Rückenpasse selbstgemachte Paspel angebracht.

Super fand ich die Anleitung für die Knopfleiste – denn die war eine echte Premiere für mich: Dank der bebilderten Erklärung war das Nähen aber ganz unproblematisch. Ein Erfolgserlebnis in der Kategorie „ich will mich näherisch weiter entwickeln“.

Ob ich mit dem fertigen Teil glücklich bin, weiß ich trotzdem nicht. Das Muster und die Farben kommen mir nun, da die Bluse fertig ist, so schreiend und unruhig vor (siehe oben). Dabei mag ich den Stoff eigentlich gern. Was meint ihr: fein – oder Fehlschlag? Die nächste Version ist auf jeden Fall schon geplant.

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La Classique als Upcycling-Projekt und mit Kellerfalte

ClassiqueGanz simpel aber irgendwie charmant ist La Classique, eine relativ weit geschnittene Bluse, deren einzige Besonderheit in den drei kleinen Falten am Ausschnitt bestehen. Die habe ich in meiner Testversion durch eine Kellerfalte ersetzt. La Classique ist supereinfach zu nähen – ein tolles Anfängerprojekt. Und obwohl ich dachte „das ist mir zu simpel (und zu weit)“ trage ich meine Recycling-Classique aus drei ausrangierten Herrenhemden wirklich gerne, aber vor allem zuhause.

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Dieses schöne Exemplar von La Joueuse zeigt Marisa Goossens, die Frau hinter MLM, auf ihrer Website. Bild: Marisa Goossens/MLM

Auf meiner To-Sew-Liste steht auf jeden Fall La Joueuse. Ein tailliertes Top aus Webware mit V-Ausschnitt, das aus zwei Lagen besteht. Die untere spitzt am Saum deutlich hervor. Ich stelle mir Baumwoll-Batist in blau und türkis vor – das wird sicher eine schöne Hochsommerbluse.

Wie viele französische Indie-Schnittmusterfirmen hat auch Mlm übrigens einen Fan-Blog auf dem man sich viele verschiedenen Varianten der Modelle anschauen kann. Das ist nicht nur inspirierend, sondern man findet beim Surfen auch immer wieder neue schöne Nähblogs.

Spring style – frisch und locker

Über Frühling und Stil wollen sich MamaMachtSachen und MarjaKatz mit uns austauschen – bei mir rennen sie offene Türen ein. Denn über Stil und meinen Kleiderschrank habe ich mir in letzter Zeit einige Gedanken gemacht. Schließlich will ich nicht Kleidung nähen, die mich später enttäuscht, weil sie mir nicht steht oder nicht zu mir passt. Und ich will nicht mehr (oder nur noch ganz selten) in die Schöne-Bunte-Muster-Jersey-Falle tappen, aus der ich dann verkleidet wie Pippi Langstrumpf wieder auftauche.

Angeregt von Colettes Wardrobe Architect habe ich deswegen versucht, meinen „Look“ zu beschreiben. So sollen meine Klamotten (und ich mit ihnen) aussehen: frisch, klar, entspannt, bequem und ein bisschen überraschend.

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Meine Akzentfarben für den Frühling

Außerdem habe ich Basis- und Akzentfarben für meinen Frühling festgelegt. Das sind allerdings keine Trendfarben, sondern die Farben, die ich sowieso im Frühling gerne trage. Ich bin da seit Jahren ziemlich konstant und wenig trendig. (Dunkel)blau, Weiß und Grau als Basis-Farben, dazu noch mehr Blau in allen Schattierungen, Türkis und Rot. Netterweise passen all diese Farben auch gut zusammen. Allerdings sehe ich das mit dem Farbschema eher als Hilfe denn als Regel und habe kein Problem, auch mal auszubrechen, wenn mich ein Stoff anlacht.

Mein Ziel ist es, auf dieser Grundlage eine Frühlingsgarderobe von Teilen zusammenzustellen, die gut zueinander passen und einfach zu kombinieren sind. Das wird dadurch erleichtert, dass ich bei der Arbeit oft Jeans trage – dann reicht ein besonderes Oberteil für das „Überraschende“ aus meinen Stil-Überlegungen.

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Meine Jupe Anemone aus gestreiftem Jeans
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Veste Michelle aus hellgrauem Jeans

Neben meinen Jeans soll mein neuer Rock Anemone nach dem Schnittmuster von Deer and Doe (super Passform – ich bin begeistert!) ein Basic sein. Fürs Obendrüber habe ich gerade den Blazer „Veste Michelle“ von République du chiffon fertiggestellt – aus hellgrauem Jeans (ganz preiswert in Paris gekauft) ist die Jacke nicht nur bequem und praktisch, sondern passt auch zu allem und sieht schön lässig aus. Michelle wird ein richtiges Lieblingsteil – das Schnittmuster und das französische Indie-Label RdC stelle ich euch demnächst mal ausführlich vor.

 

Liberty: blaue Teetassen
Liberty: blaue Teetassen
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Liberty: Englisches Landhaus mit Park – wundervoll!

 

 

 

 

 

 

Geplant sind für den Frühling ein neuer Hollyburn-Rock in rot und zwei Webware-Oberteile aus wunderschönen Liberty-Stoffen, die ich vor einer Weile billig bei Stragier bestellt habe. Ich habe gehörigen Respekt davor, die beiden anzuschneiden, denn der Stoff ist so schön glatt und das Muster so nett und die Farben so toll…

IMG_0452Außerdem habe ich gerade eine Hemdbluse aus Eiffelturmpopeline in Arbeit – ein absoluter Lieblingsstoff, den ich mit Netz und doppeltem Boden im Nähkurs verarbeite (minimiert das Risiko). Über die Stoffquelle, einen französischen Online-Shop, will ich euch demnächst berichten.

Ich hoffe, dass ich mit so viel Plan dann wirklich eine Frühjahrsgarderobe „aus einem Guss“ zusammenbekomme.

Was die anderen Damen sich für Frühlings-Stil-Gedanken machen, seht ihr hier.