Bowline Sweater oder: vergnügliches Burrito-Nähen

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Die Drapierung ersetzt ein Teil des Halsbündchens und endet an der hinteren Ärmelnaht. Das Shirt hat Raglan-Ärmel

An einen Seemannsknoten soll die Drapierung am Vorderteil des Bowline Sweaters (Papercut Patterns) erinnern. Ein richtiger Knoten ist es allerdings nicht, sondern eher eine Verschlingung, eine angenähte, schön fallende Stoffröhre. Einen „Burrito“ soll man wickeln und zusammennähen, heißt es in der Anleitung.

Egal was nun genau da an der Schulter des Raglanshirts drapiert ist: Es ist sehr effektvoll, fällt schön und ist leicht zu nähen. Das Shirt näht sich bequem an einem Nachmittag, ein abwechslungsreiches Arbeiten mit schneller Belohnung.

Der Schnitt ist relativ leger ausgelegt, wer es gerne körpernah mag, sollte im Zweifel eine kleinere Größe nähen. Die Bündchen an Ärmeln und Saum sind recht breit und ergeben zusammen mit der Drapierung ein harmonisches Gesamtbild. Obwohl ich Bündchen eigentlich nicht sehr schätze und bei Shirts meist weglasse, gefallen sie mir beim Bowline Sweater gut, denn sie unterstützen den Faltenwurf. Die Ärmel sind relativ lang – in meiner zweiten Version habe ich sie um zwei Zentimeter gekürzt; das finde ich für mich optimal.

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Das Shirt fällt locker und bequem
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Faltenwurf im Detail – man näht einen Burrito und erhält eine Stoff-Röhre

Gestern habe ich meine zweite Version des Schnittes zum ersten Mal ausgeführt. Das Material: ein lockerer Jersey mit weißen Strukturen (Knötchen? Melierungen? Flammen?), sehr angenehm zu tragen und wunderbar frühlingshimmelblau (gekauft beim neuen örtlichen Stoffladen, der eigentlich auf Kinderstoffe spezialisiert ist). Ich habe mich sehr wohl in dem Shirt gefühlt.

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Probestück aus labrigem Strick, das im Laufe des Tages immer länger wird. Der Strickstoff ist so weich, dass sich die Drapierung immer mal von selbst weiter drapiert

Die erste Version – das Probestück – habe ich aus einem hübschen silbergrauen Strickstoff genäht, der leider einen sehr schlechten Charakter hat. Er ist dünn, laberig, verzieht sich leicht, wächst und dehnt sich ganz von selbst – ein grässliches Zeug, typischer Online-Fehlkauf. Aber immerhin:  Der Stoff fällt schön, was eigentlich eine gute Voraussetzung für den Schnitt ist. Und er ist, vor allem wenn es wärmer wird, angenehm zu tragen. Das Shirt trägt sich auch gut, wenn man davon absieht, dass es im Laufe eines Tages mindestens eine halbe Größe länger wird.

Auf den Bildern sieht man gut das unterschiedliche Fall-Verhalten der beiden Stoffe (und die zu langen Ärmel beim ersten Shirt).

Ich bin mit dem Schnitt noch nicht am Ende und möchte mich bald an einer maritimen Variante probieren. Diesmal frühlingshaft – aus Ringeljersey, ein bisschen schmaler, mit Dreiviertelärmeln und vielleicht ohne Bündchen. Der Stoff wartet schon.

Im Netz habe ich noch nicht viele Varianten des Schnittes gesehen, die meisten kommen aus Frankreich. Eine hübsche hat Svila genäht,  andere Les fils d’Emilie und Anne-Charlotte. Auch bei den Französinnen sieht man übrigens, dass unterschiedliche Stoffqualitäten die Drapierung ganz anders wirken lassen.

Am MeMadeMittwoch begleitet uns Näherinnen heute Burkhard in komplett selbstgemachtem Outfit. Ich finde es toll, einen Mann als Vortänzer zu haben und freue mich, wie jede Woche, auf den Laufsteg für selbstgemachte Kleidung echter Frauen.

Schnittmuster-Blues

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Oberteilstoffe warten auf Frühlingsinspiration. Ich wende mich bewährten Schnitten zu

Ich habe den Schnittmuster-Blues. Einen Überdruss. Fast schon eine Depression. Kein neues Schnittmuster reißt mich vom Hocker – alles schon gesehen, merkwürdiges Zeug, nichts Neues. Langweilig. Öde.

In den letzten Jahren bin ich im Frühling gespannt durch die neuen Kollektionen der kleineren Schnittmusteranbieter gesurft, habe vieles entdeckt, was ich unbedingt nähen wollte – und hätte nie Zeit gehabt, all die reizvollen Projekte tatsächlich anzugehen. Ich war inspiriert und begeistert. Spannende Silhouetten, raffinierte Details, reizvolle Linien haben mir Lust gemacht, viel auszuprobieren.

Gähnende Langeweile
Der Bowline Sweater hat als einziges Indie-Schnittmuster der letzten Zeit ein sofortiges Muss-ich-haben-Gefühl bei mir ausgelöst
Der Bowline Sweater hat als einziges Indie-Schnittmuster der letzten Zeit ein sofortiges Muss-ich-haben-Gefühl bei mir ausgelöst

In diesem Jahr befällt mich nur gähnende Langeweile. Rüschenblusen (schon wieder l’Impatiente von MLM Patrons, Marie von Named), Hemdblusen (Sarah von ByHand London, Melilot von Deer and Doe), die 1001. Variante eines Skater-Dresses (Beatrix von Named, Zephyr von Deer and Doe), gerade Kleider (Laurel von Colette, Arum von Deer and Doe). Als Details anzubieten haben die Schnitte einen Bubikragen. Eine Brusttasche. Eine Schulterpasse. Aber dafür kauf ich mir doch keinen Schnitt.

Gar nichts Neues noch von Pauline AliceRepublique du Chiffon kündigt neue Schnitte an. Und illustriert dies mit einem Foto, das meine Hoffnung gleich wieder zunichte macht. Da sieht man einen Armausschnitt mit Schuppen-Dekoration. Falls ich an Fasching mal als Tabaluga-Drache gehen will.

Lernprozess oder übertriebene Erwartung

Ich weiß nicht, was los ist mit mir. So viel Überdruss, statt fröhlich Frühlings-Nähpläne zu schmieden. Vielleicht liegt es daran, dass ich Schnitte immer besser durchschaue und verstehe, dass ich eine Schulterpasse, eine Brustasche oder einen abgerundeten Kragen auch ohne neues Schnittmuster hinbekomme. Dann wäre mein Schnittmuster-Blues ja Symptom eines Lernprozesses – ich angekommen auf einer höheren Stufe meiner Nähnerd-Existenz?

Oder bin ich einfach nicht modebewusst genug, um die kleinen feinen Veränderungen der neuen Schnitte angemessen zu würdigen? Spießig und ohne Lust am Ausprobieren der paar neuen Ideen, die ich gefunden habe? Die Astrid Wrap Pants von Named zum Beispiel. Eine coole, überlange Marlenehose mit Wickellatz. Interessant ja. Tragbar im Saarland? Daran zweifele ich. (Aber in diesem Fall werde ich genau beobachten, ob in der Blogosphäre tragbare Astrid Pants auftauchen. Könnte ja sein…).

Vielleicht erwarte ich in diesem Frühling einfach zu viel? Die Neuerfindung des Kleides sogar? Und dabei muss ich zugeben und sehe es ein: Ein Kleid bleibt ein Kleid bleibt ein Kleid. Eine Hose wird immer zwei Hosenbeine haben.

Drei Auswege

Was tun also, ohne neue Schnittmuster?

Erster Ausweg: Ich werde mich meinen alten Schnitten zuwenden. Eine schöne Alma-Frühlingsbluse schneidern (oder zwei). Und vielleicht endlich mal die Thurlow Trousers ausprobieren.

Zweiter Ausweg: Ich baue selbst. Gerade habe ich einen schönen Waxstoff für ein Sommerkleid bestellt. Das Kleid sehe ich schon vor mir, den Schnitt baue ich selbst. Aus Versatzstücken anderer Schnitte, mit viel Nähbuch-Lektüre. Das ist spannend.

Ein Rückblick als Ausweg: Vielleicht findet sich in den alten Büchern ein spannender Schnitt
Ein Rückblick als Ausweg: Vielleicht findet sich in den alten Büchern ein spannender Schnitt

Dritter Ausweg: Ich schaue in die Vergangenheit. Und schmökere mich entspannt durch die 70er Jahre-Handarbeitsbücher meiner Mutter. Zwischen zahlreichen Scheußlichkeiten findet sich da immer mal ein interessantes Modell.

Einmal bin ich kürzlich übrigens doch angesprungen auf einen neuen Schnitt. Der Bowline Sweater von Papercut Patterns liegt schon zusammengeklebt bereit. Ein Jerseyoberteil mit knotenartiger Verschlingung auf der Schulter. Sehr spannend. Damit lege ich jetzt mal los.

Und vielleicht habe ich ja spannende neue Schnittmuster übersehen? Wenn ja, gebt mir einen Tipp. Ich bin gespannt.

Vortanzen in handgenähter Jacke

erstes Bild - Aufmacherbild
Handgenähte Jersey-Jacke mit Ornamenten – petrol und dunkelblau sind meine Lieblingsfarben

Guten Morgen und bienvenue zum MeMadeMittwoch. Ich heiße Almut und blogge als lacouseuse. Dabei schaue ich hin und wieder gerne nach Frankreich hinüber und beobachte, was sich dort bei Schnittmusterfirmen und Nähbloggern tut.

Schwer wiegt heute die Ehre auf meinen Schultern, am MeMadeMittwoch vorzutanzen. Dem Anlass angemessen hat ein besonders Kleidungsstück Premiere. Die petrolfarbene Reverse Appliqué-Jacke habe ich schon vor einer Weile ganz gemütlich genäht und für den heutigen Tag aufgespart. Sie ist komplett von Hand genäht, ohne einen einzigen elektrischen Stich.

Die Muster sind aufschabloniert und umstickt, die Knoten liegen mit Absicht außen
Die Muster sind aufschabloniert und umstickt, die Knoten liegen mit Absicht außen

Die Jacke besteht aus zwei Lagen: unten ein dunkelblauer Baumwolljersey, oben ein etwas leichterer, petrolfarbener. Auf den habe ich Ornamente schabloniert, dann mit Knopflochgarn umstickt und in der Mitte ausgeschnitten, so dass die untere Lage sichtbar wird (eine genauere Beschreibung der Technik, die ich bei der wunderbaren amerikanischen Textildesignerin Natalie Chanin entdeckt habe, findet ihr auf meinem Blog – und tolle Stücke in der Technik zum Beispiel bei Antje von machenstattkaufen). Die Kanten habe ich rundherum mit dunkelblauem Jersey eingefasst. Die Knoten der Stickerei liegen außen, das gibt der Jacke eine Struktur, die ich sehr interessant finde. Der Schnitt ist ein ganz einfacher Basis-Schnitt ohne Abnäher, den ich auf Grundlage von L’indécise von MLM Patrons erstellt habe. Einen Verschluss hat die Jacke derzeit nicht; ich denke noch über einen dezenten Knopf mit Schlinge nach.

Die Jacke trägt sich schlicht zu Jeans, aber auch schick über ein dunkelblaues Kleid ins Theater. Diese Wandelbarkeit mag ich. Seit ich Colettes Wardrobe Architect gelesen – und teilweise auch für mich bearbeitet – habe, verfolgt mich die Idee eines Kleiderschrankes, in dem vieles zu vielem passt. Darauf achte ich immer stärker, wenn ich micht für oder gegen Stoffe und Schnitte entscheide. Der Chanin-Jacke habe ich deswegen in den letzten Wochen eigens zwei Kombi-Teile spendiert, die aber auch allein hoffentlich viel getragen werden. Die sind beide ganz normal an der Nähmaschine entstanden.

Sommerlich trägt sich meine Jersey-Jacke zum leichten Rock mit aufwändiger Kellerfalte. Farblich passen beide Stücke toll zusammen
Sommerlich trägt sich meine Jersey-Jacke zum leichten Rock mit aufwändiger Kellerfalte. Farblich passen beide Stücke toll zusammen

Das erste ist ein Rock (Burda 12/2015, Modell 111) mit interessanter Vierfach-Kellerfalte. Der Stoff ist ein relativ leichter Fischgrät-Webstoff, den ich petrol überfärbt habe. Der Rock kommt beim Laufen schön in Bewegung. Er hat dank der Falten eine erstaunlich große Saumweite, die man ihm in unbewegtem Zustand kaum zutrauen würde. Ich stelle mir vor, den Rock im Frühling und Sommer mit weißem oder pastellfarbenen Shirt auszuführen oder mit meiner Alma-Bluse. Und für schattige Ecken meine Chanin-Jacke mitzunehmen.

bild 4 blauer rock
Der Wickeleffekt ist geschummelt – unter dem Wickelteil sitzt ein ganz normaler Rock. Das verhindert ungewollte Einblicke

Der zweite Jackenbegleiter ist ein Pseudo-Wickelrock (Fashion Style 6/2015, Modell 18), mit dem ich beim Nähen ziemlich kämpfen musste. Die Anleitung war mager, das Wickelstück warf hässliche Falten – der Nahttrenner war im Dauereinsatz. Weil der Saum versäubert wird, bevor der Rock zusammengenäht ist, kann man die Länge nicht korrigeren. Sehr unpraktisch, denn ein bisschen kürzer hätte ich den Rock noch besser gefunden. Aber mit dem Ergebnis bin ich insgesamt dennoch ganz zufrieden. Es gibt kaum ein Oberteil in meinem Kleiderschrank, das nicht zu dem Rock tragbar wäre. Das finde ich ganz toll. So ist der Wickelrock eine Art Jeans unter den Röcken – ein Teil, das man zu allem tragen kann. Kein Wunder, denn marineblau ist  sowieso und war immer schon meine Passe-partout-Farbe. Der Stoff ist eine leicht stretchige, festere Baumwoll-Gabardine, so lässt sich der Rock auch bei frischen Temperaturen mit Strumpfhose tragen.

Voilà, das war’s von mir. Ich sage Au revoir in die Runde der Nähbegeisterten und bin schon ganz gespannt auf Eure selbstgenähten Stücke.

Hier sind die zwei übereinanderliegenden Stoffschichten gut erkennbar. Die Stofffarbe sorgt dafür, dass die Kanten nicht fusseln oder sich rollen
Hier sind die zwei übereinanderliegenden Stoffschichten gut erkennbar. Die Stofffarbe sorgt dafür, dass die Kanten nicht fusseln oder sich rollen

 

Reverse Appliqué – so funktioniert’s

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Reverse Appliqué an einem Schal – der Oberstoff ist fuchsia, der Unterstoff korallenrot. Das Motiv stammt von Natalie Chanin; der Schal ist komplett gedoppelt. Rundherum sind beide Lagen offenkantig mit Steppstich zusammengenäht

Zum ersten Mal ist mir die Technik Reverse Appliqué vor Jahren bei Constanze von Nahtzugabe begegnet. Und später dann immer wieder in den tollen Teilen von Antje von machenstattkaufen. Da war ich schon längst ein Fan von Natalie Chanin, der amerikanischen Designerin, die die Technik mit ihren aufwändig handgenähten Modellen immer wieder vorführt. Auch auf dem amerikanischen Blog Lilacs & Lace von Laura Mae finden sich tolle Ensembles nach Alabama Chanin.

Inzwischen besitze ich drei der Bücher von Natalie Chanin und habe schon einige Stücke mit Reverse Appliqué genäht. Bei einigen habe ich das Motiv selbst entworfen, bei anderen habe ich Vorlagen von Natalie Chanin verwendet (im Internet umsonst zu finden). Schwierig ist die Technik nicht, nur ein bisschen Zeit und Geduld muss man haben.

Wichtig: passendes Material. Mit einem labbrigen Strickstoff habe ich – nach viel Arbeit mit dem Malen und Sticken – letztes Jahr ein Teil für die Tonne produziert und daraus gelernt: Der Jersey, den man verwendet, muss eine gewisse Stabilität haben. Baumwolljersey ist ok, von sehr weichem, dehnbaren Viskosejersey würde ich dringend abraten.

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Drei Arbeitsschritte an einem Stück: Das Muster (wieder von Natalie Chanin) auf der Schulterpasse ist fertig schabloniert, Ober- und Unterstoff sind zusammengeheftet. Im rechten Drittel sind die Konturen schon umstickt. Ganz rechts unten ist der Oberstoff in den Formen ausgeschnitten, der Unterstoff kommt zum Vorschein.

Und so funktioniert es:

  1. Motiv auswählen und überlegen, wo es platziert werden soll. Über der Farbkombination von Oberstoff, Unterstoff, Stofffarbe und Stickgarn grübeln. Kombinationen Ton in Ton sehen edel aus, aber auch starke Kontraste wirken toll.
  2. Beide Stoffe zuschneiden. Man kann ein Shirt, einen Schal oder eine Jacke komplett dopppeln, nur einzelne Teile (z.B. die Schulterpasse oder das Vorderteil) doppeln und verzieren. Alternativ lässt sich der Unterstoff wie ein breiter Beleg verarbeiten, wenn das Reverse Appliqué zum Beispiel am Ausschnitt auftauchen soll.
  3. Motiv aussuchen und eine Schablone herstellen, je nach Plan aus fester Folie oder aus Papier (eventuell mit Klebefolie stabilisiert; Tipps zum Schablonieren gibt es hier).
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    Mit Stofffarbe wird das Muster aufschabloniert
  5. Dann das Motiv mit Stofffarbe auf den Oberstoff schablonieren. Darunter sollte Zeitungspapier liegen, weil die Farbe an einigen Stellen durchschlägt. Besonders gut funktioniert das mit einem stumpfen Schablonierpinsel oder mit einem Stück Küchenschwamm (die gelben mit der blauen Scheuerschicht; sie lassen sich mit der Schere wunderbar zurecht schneiden).
  6. Ober- und Unterstoff ordentlich aufeinander heften.
  7. Nun kommt der gemütliche Teil des Projektes, der je nach Zeitbuget ein Weilchen dauern kann: Mit Knopflochgarn (oder geteiltem Stickgarn) die Kontur des Motivs nachsticken. Die Knoten können dabei auf der linken Seite des Stücks liegen oder gewollt auf der rechten, dann geben sie später eine zusätzliche Struktur. Ob man Steppstiche oder Vorstiche nimmt, ist Geschmackssache. Ich entscheide mich meist für Steppstich, weil das Gesamtbild dann ruhiger wirkt.

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    Die Formen werden umstickt. Hier habe ich Sticktwist geteilt und immer drei Fäden zum Sticken genommen
  8. Jetzt kommt mein Lieblings-Arbeitsschritt: Den Oberstoff im Inneren der Formen so wegschneiden, dass ein schmaler Rand von zwei bis drei Millimetern stehen bleibt. Dabei kommt der Unterstoff zum Vorschein und man bekommt zum ersten Mal eine Idee, ob Plan und Wirklichkeit übereinstimmen. Vorsichtig schneiden und keine Löcher in den Unterstoff machen! Am besten geht das mit einer sehr spitzen, scharfen Stickschere oder einer guten Nagelschere (besonders praktisch bei gebogenen Motiven).
  9. Die Schnitteile wie gewohnt zusammennähen. Wenn das Kleidungsstück komplett gedoppelt ist, kann man die beiden Lagen ganz bequem wie eine verarbeiten. Ob man jetzt zur Maschine greift oder der Handnäherei treu bleibt ist eine Frage von Zeit und Geduld.
  10. Et voilà: schon fertig.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Handnäherei? Zen mit der Nadel oder Nervenstress? Und schont ihr eure handgenähten Stücke auch so sehr wie ich? Ich schaue mir sie an, ich freue mich und lege sie oft zurück in den Schrank. Zum Schonen. Zu schade zum Tragen an einem normalen Tag. Verrückt, oder?

Universelles Jogginghosenkleid

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Gemütlich, warm und wandelbar ist mein neues Sweatkleid

Ein richtiges Jogginghosenkleid begleitet mich heute durch den MeMadeMittwoch. Gemütlich, warm, ohne Nachdenken tragbar, in meiner Lieblingsfarbe dunkelblau. Ein Jeden-Tag-Sofa-oder-Job-Kleid. Viele gute Eigenschaften. Man könnte zwar denken, dem Kleid fehle einiges: Es ist nicht spektakulär, besitzt keine besondere Passform, keine nähtechnischen Finessen. Macht aber überhaupt nichts. Ich kombiniere es mit einer interessanten Kette oder einem schönen Tuch.

Der Schnitt ist Clean Lines aus Ottobre 5/2014. Ich habe die Querteilung auf Hüfthöhe weggelassen und dafür Vorder- und Hinterteil mit einer durchgehenden Mittelnaht versehen. Das wäre für den Zuschnitt nicht nötig gewesen, aber mir gefällt die Linie, die so entsteht. Diese Linie habe ich durch beidseitiges Absteppen mit Knopflochgarn betont. Auch den Beleg am Halsausschnitt habe ich einmal schmal und einmal breit abgesteppt.

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Kleid im Detail: ordentlich genähte Ziernähte an der vorderen Mitte und am Ausschnitt. Das hat mit dem Sweat besser geklappt als erwartet

Der feste dunkelblaue Sweat hat diese Ziernähte problemlos mitgemacht. Innen ist er kuschlig angeraut und damit ideal für die Morgenkälte dieser Tage. Damit das Kleid trotzdem schön fällt, habe ich mir einen Unterrock gekauft. Ich hätte sehr gerne einen genäht, aber ich konnte nirgendwo den flutschig-glatten (Poly?)Jersey finden, den man dafür braucht. Wenn jemand einen guten Tipp für eine Bezugsquelle hat, bin ich dankbar!

Am MeMadeMittwoch tummeln sich, wie immer, viele Frauen in toller selbstgenähter Kleidung. Angeführt werden sie von Sybille in einem sehenswerten, profimäßigen Trenchcoat. Schaut mal vorbei!

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Bunt statt grau

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Bunter Schal, dezenter Rock – das ist bequem und hebt meine Laune

Mit Farbe gegen graues Wetter – das ist heute mein MeMadeMittwochs-Motto. Für bunte Laune sorgt für allem mein Tuch, das entgegen dem derzeitigen Trend nicht gestrickt, sondern genäht ist. Und zwar von Hand. Technik: Reverse Appliqué nach Alabama Chanin. Zwei Schichten Jersey, auf der oberen Motive aufschabloniert, umstickt, im Innern ausgeschnitten. An den Kanten zusammengenäht. Voilà.

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Rock mit Hüftpasse – aber die Farbe stimmt auch auf diesem Foto nicht. Der Stoff ist aus lila und schwarzem Garn gewebt, aber völlig unfotogen.

Der Rest des Outfits kann sich angesichts des Schals zurückhalten. Schwarzes Kaufshirt, Strickjacke (heißt die Farbe Fuchsia? – auf jeden Fall passt sie zum Schal), ein selbstgenähter, älterer dunkellila Wollrock nach einem japanischen Schnitt. Der ist ein dezentes Passt-Immer-Kleidungsstück, dass netterweise auch gewisse Gewichtsschwankungen mitmacht – er rutscht dank Hüftpasse im Taillenbereich einfach ein bisschen höher oder tiefer. Echter Pluspunkt: Der Rockwandert im Lauf des Tages auch nicht um mich herum, wie so viele andere Röcke, die am Bund nicht ganz fest sitzen. Und so hole ich ihn in diesen winterlichen Märztagen gerne aus dem Schrank, wenn ich mal keine Lust auf Jeans habe.

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Der breite Schal macht das Outfit gemütlich und hilft bei Zugluft – das ist im Spätwinter besonders wichtig, wenn es rund um mich hustet und schnieft.

 

Das Kleid mit dem Aber

Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle
Schlicht ja, alltagstauglich leider nein. Mein Vintage Shirt Dress aus dunkelblauer Wolle

Manchmal nähe ich ganz spontan. Ein Zeitfenster. Ein Stoff aus dem Vorrat. Ein bewährter Schnitt. Ein Wochenende, ein fertiges Stück. Oft bin ich dann sehr glücklich, wenn nach so viel Flow ein schönes, tragbares Lieblingsteil entstanden ist. Und wenn nicht, hatte ich wenigstens Spaß beim Tun.

Manchmal aber grübele ich wochenlang über einem Nähplan. Welchen von fünf ganz ähnlichen Schnitten ich verwende. Zu welcher Strickjacke das fertige Stück unbedingt oder nur eventuell passen soll. Ob der Stoff lieber dunkelblau, stahlblau, marineblau oder ganz gewagt anthrazit sein soll. Ob diese oder jene Qualität vom Online-Händler wohl vorzuziehen ist. Ob ich die Ärmel füttere oder nicht. Ob…ob…ob. Meist sind diese Obs mit lustvollen, langwierigen und teilweise selbstquälerischen Online-Recherchen verknüpft. Jede Information kann ja hilfreich sein, dem optimalen Kleidungsstück näherzukommen.

In die Kategorie der Grübel-Klamotten gehört das Kleid, das ich am Sonntag zum Familiengeburtstagsfest ausgeführt habe. Und trotz aller daran verschwendeten Gedanken ist das Kleid überhaupt nicht das geworden, was ich geplant habe.

Das Projekt

Genäht habe ich das Sew Over It Vintage Shirt Dress. Für mich zum zweiten Mal nach dem sommerlichen Koi-Kleid. Der Stoff ist eine dunkelblaue Wollmischung von Stoffe Zanderino (eine tolle, schön fallende Qualität), das Futter ist mittelblau und die altmodisch-charmanten Knöpfe stammen aus einem regionalen Stoffladen.

Der Plan

Geplant war ein schickes, aber vor allem alltagstaugliches Winterkleid. Kombinationsfreudig mit bunten Stricktüchern sollte es sein, ein Jeden-Tag-Webstoff-Kleid, das ich auch in der Schule tragen kann.

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Nein, das ist nicht die Ausgehuniform einer Stewardess

Das Ergebnis

Das Kleid ließ sich wunderbar nähen (zum größten Teil auf der AnNäherung Süd in Würzburg im Herbst; danach hat es noch gut drei Monate gebraucht, bis ich Lust auf die Knopflöcher hatte). Es sitzt prima und bequem, die Passform gefällt mir, die Silhouette auch. Die Säume sind von Hand angenäht und es ist mit dem Futter liebevoll verarbeitet. Ich bin stolz darauf.

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Mittelblaues Futter zu dunkelblauem Kleid – die Knöpfe passen in Wirklichkeit besser zum Stoff als auf dem Foto

Das Aber

Aber alltagstauglich komme ich mir in diesem Kleid nicht vor. Nicht in der puren Variante, die ich auf den Fotos zeige (damit man das Kleid sieht, nicht das Drumherum). Nicht mit groben Stiefeln, bunten Tüchern, nicht mit Gürtel oder Tuch um die Taille. „Noch eine Hornbrille auf die Nase dann kannst du als Fräulein Rottenmeier gehen“ – danke, lieber kleiner Bruder. „Ein schönes Kleid“, findet der Ehemann – „aber auf keinen Fall für die Schule“.

Ins Konzert habe ich das Kleid schon ausgeführt, für die Geburtstagsfeier war es wunderbar. Aber im Klassenzimmer würde ich mich (wahrscheinlich) overdressed fühlen. Jetzt habe ich statt eines Alltags- also ein Anlasskleid genäht. Trotz aller Grübeleien.

Kein Grund zum Jammern natürlich, denn ich finde das Kleid ganz wunderbar. Aber mal wieder ein Hinweis darauf, wie viel Überraschung doch immer wieder im Nähen steckt, aller Gedanken und Garderoben-Planungen zum Trotz. Schön finde ich das eigentlich. Und tröste mich damit, dass ich mir einfach noch ein Vintage Shirt Dress nähen muss. Diesmal garantiert alltagstauglich. Aus leichtem Jeans oder Chambray vielleicht und mit kurzen Armen.

Was andere Näherinnen mehr oder weniger geplant genäht haben, zeigen sie heute, wie immer, beim MeMadeMittwoch.

 

 

Lady Skater fünf und Lektionen über Stoffe

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Aus weichem Wollstrick stören mich die Achselfalten kaum.

Ein ungeplantes Zeitfenster am Sonntagnachmittag und der Wunsch nach einem schnellen, sicheren Näherfolg – mein neues Lady Skater-Kleid ist das Ergebnis einer solchen glücklichen Konstellation. Nachmittags zugeschnitten und bei der Tagesschau die letzten Fäden vernäht. Wunderbar unkompliziert.
Es ist bereits das fünfte Kleid nach diesem Schnitt und dasjenige, an dem ich bisher am wenigsten zu mäkeln habe.
Der Stoff ist ein schwarz-silbergrauer kleingemusterter Wollstrick, den ich letztes Jahr preiswert bei Buttinette bestellt habe: ziemlich dehnbar und weich und mit entsprechender Verzieh-Gefahr. Am Schnitt habe ich inzwischen ziemlich viel herumgebastelt: der hintere Rücken ist gekürzt (hilft gegen Falten im Hohlkreuz), das Rockteil um ein paar Zentimeter verlängert. Auf die Brustabnäher vom letzten Mal habe ich wegen des weichen Stoffes verzichtet. Ich habe beschlossen, dass ich mit den paar Falten an den Achseln leben kann. Außerdem habe ich die Ärmel nach der ersten Anprobe einen guten Zentimeter schmaler gemacht und den Ausschnitt für mehr Gemütlichkeit deutlich kleiner zugeschnitten als vorgesehen.

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Gemütlich und winterwarm fühlt sich diese Variante des Lady Skaters an

Ich finde es lehrreich, meine Lady Skater nebeneinander zu stellen. Es lässt sich daran einiges über die Eigenschaften der verschiedenen Stoffe lernen. Und darüber, dass oft nicht der Schnitt Schuld ist, wenn ein Kleidungsstück nichts wird, sondern der Stoff.
Das Ur-Kleid aus labbrigem Viskosejersey hat direkt und ohne Umweg zum Fotografieren den Weg in den Kleidersack genommen. Der Stoff war zu weich, das Kleid zog sich deswegen beim Tragen immer mehr in die Länge und sah wie ein missratenes Nachthemd aus. Zu ersten Schnittanpassungen am hinteren Rücken hat das Modell allerdings getaugt.
Kleid zwei ist aus dunkelblauem Viskose-Romanit vom Roten Faden genäht (aber nicht fotografiert weil gerade im Waschzyklus des Hauses verschollen). Dieser Romanit ist ziemlich fest; entsprechend bilden sich besonders stabile (und mich störende) Falten an den Achseln. Der hintere Rücken ist immer noch ein bisschen lang. Der wenig dehnbare Stoff ließ sich trotz mehrerer Versuche nicht gut zum Bündchen nähen. Dieses bildet hartnäckige Falten, die sich nicht wegbügeln lassen. (Ja, der Bündchenstreifen war zu lang. Mit einem kürzeren Streifen zog sich der Halsausschnitt wie gerafft zusammen. Auch nicht besser.) Ärgerlich außerdem: Der Romanit fing an den Ärmelkanten schon nach dem zweiten Tragen an zu pillen. Trotzdem trage ich das Kleid gerne – vor allem wegen der unkomplizierten Farbe. Allerdings denke ich darüber nach, für den Frühling aus dem Kleid einen Rock zu machen. So wäre ich alle Probleme mit dem Oberteil los; ein dunkelblauer Rock geht immer und das Kleid könnte ich durch ein neues Exemplar aus einem anderen Stoff ersetzen.

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Der weiche Strickstoff wellt sich und macht den Rock ziemlich lappig (links). Der feste Sweat ist nicht ganz so gemütlich, fällt aber deutlich schöner (rechts).

Kleid drei besteht aus petrolfarbenem weichem Strickstoff unbekannter Zusammensetzung – charakterlich das Gegenteil des Romanits der Vorgängerversion. Der Stoff wellte sich beim Nähen, vor allem an den Ärmeln und an der Taillennaht. Mit meiner neuen Maschine wäre die Verarbeitung vielleicht besser geworden – vor allem dank des Obertransportfußes – aber die gute alte Singer kam mit dem Strick einfach nicht klar. Dieses Kleid trage ich wegen der unschönen Wellennähte nur zuhause – am liebsten an ungemütlich kalten Sonntagen auf dem Sofa.
Kleid vier ist mein AnNäherung Würzburg-Vorbereitungskleid. Es sollte ein gemütlicher Überwurf fürs fränkische Nähwochenende werden. Ich habe es aus petrolfarbenem Sweat von Buttinette genäht. Dieser Stoff ist ziemlich fest und wenig dehnbar. Ich habe Brustabnäher eingebaut, um die lästigen Falten unter den Achseln loszuwerden. Das hat aber nur eingeschränkt funktioniert. Weil ich aus unerfindlichen Gründen die Teile ohne Nahtzugabe zugeschnitten habe, sitzt das Oberteil grenzwertig eng. Außerdem ist der Halsausschnitt hinten so tief geraten, dass es mir ohne Tuch schnell kühl wird im Kleid. Den Halsausschnitt habe ich bei diesem Exemplar mit einem Beleg versäubert, um das Bündchenproblem vom dunkelblauen Kleid zu umgehen. Das scheint mir eine gute Lösung zu sein. Erst auf den Fotos fällt mir auf, dass der Rock aus Sweat deutlich schöner fällt als aus Strick – da sieht er schnell lappig aus.

Meine Erkenntnisse aus all diesen Kleidern:
Bei festen Stoffen finde ich die Faltenbildung störend, bei weichem Strick kaum. Dafür fällt der Rock mit weichem Strick nicht so schön. Da muss man Prioritäten setzen.
Aber auf keinen Fall Viskose-Jersey benutzen.
Ein Brustabnäher macht die Sache nicht viel besser.
Bei wenig dehnbaren Stoffen würde ich am Halsausschnitt statt Bündchen immer einen Beleg nähen.

Fürs Frühjahr will ich ein Exemplar aus Baumwolljersey nähen. Vielleicht aus Piqué. Und ich bin mal gespannt, wie sich der Schnitt damit benimmt.

Noch viel mehr über Näherfahrungen, sehr und vielleicht auch mal weniger gelungene, findet ihr wie jede Woche hier beim MeMadeMittwoch.

Lieblingsteil Tweed-Culotte

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Culotte mit Strickjacke – alltagspraktisch und gemütlich.

Mit schwarz-weißer Tweed-Culotte bin ich beim heutigen MeMadeMittwoch unterwegs. Das Stück ist ziemlich neu in meinem Kleiderschrank: eines von zwei Teilen meines „Weihnachtskleides“, das eigentlich ein Weihnachts-Culotte-Kostüm hätte werden sollen. (Dass die geplante passende Jacke nicht entstanden ist, hat mit meinen neuen Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe zu tun – eine andere Geschichte…).

Die Culotte ist auf jeden Fall ein sehr alltagstaugliches Kleidungsstück. Der schwarz-weiße Woll-Tweed (vom Maybachufer Berlin, in den Osterferien mit viel Weitblick erstanden) passt zu vielem und lässt sich mit einer bunten Strickjacke oder einem farbenfrohen Tuch einfach stylen. Ich trage sie am liebsten unspektakulär und bequem mit flachen Stiefeln. So viel Bequemlichkeit im Kombinieren machat die Culotte auf jeden Fall zum Winter-Lieblingsteil.

Der Schnitt ist eine bundfaltenfreie Variation auf Burda – hier und hier steht mehr darüber.

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Hosenrock mit Tendenz zur Hose – und genauso bequem

Die Culotte wärmt bei grauem Winterwetter wie eine Hose und ist dabei schicker als die übliche Jeden-Tag-Jeans. „Brot und Butter-Kleidungsstück“ nennt man solche Teile, habe ich gerade bei Siebenhundertsachen gelernt. Es ist eine gute Idee von ihr, den Blick auf diese dankbaren Alltagsbegleiter und Universal-Kleidungsstücke zu lenken. Gerne hätte ich mich am Brot und Butter-Projekt beteiligt – aber leider ist mir jetzt schon klar, dass ich damit zeitlich überfordert bin. Aber zuschauen und mitdenken ist ja auch schön.

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Silberne Formen am Lederband – eine gern getragene und selbstgeschmiedete Winterkette

Selbstgemacht ist heute neben der Culotte übrigens auch die Halskette: drei silberne Muschel-Kiesel-ähnliche Objekte, eines glänzend, eines matt und eines strukturiert. Die habe ich mal bei einem VHS-Goldschmiede-Wochenende gemacht und trage sie vor allem im Winter gerne.

Alltägliche und besondere Lieblingsstücke zeigen heute beim MeMadeMittwoch wie immer viele nähende Frauen – jedesmal wieder eine Freude und Inspiration, sich durchzuklicken und zu lesen!

 

Bunter Improv-Miniquilt

Aus Materialproben hochwertiger Bettwäsche ist dieser Quilt zusammengesetzt
Aus Materialproben hochwertiger Bettwäsche ist dieser Quilt zusammengesetzt

Mit Mustern und Farben, Ruhe und Chaos spielt der Miniquilt, den ich im Dezember fertig gestellt habe. In Improv-Manier habe ich verschiedene Blöcke kombiniert. Vorbild war der „Pavement“quilt von Lucie Summers – ihr Buch „Quilt Improv“ ist sehr empfehlenswert für alle, die moderne Quiltarbeiten mögen oder sich für gewollt ungleichmäßige Improv-Patchworks interessieren. Oder für solche, die einfach gerne schmökern und schöne, bunte Farben und Fotos genießen können.

Die Unregelmäßigkeiten in meinem Quilt sind (größtenteils) gewollt. Die Geraden sind nicht immer gerade, die Kreuze der „Fenster-Blöcke“ schief und krumm. Ich finde den Effekt charmant – besonders weil die Uni-Stoffe mit ihrer Ruhe das Chaos ausbalancieren.
Insgesamt wirken die Muster mit unis gepatcht klarer und moderner als im klassischen Mustermix, finde ich.

Das Material: Materialproben unifarbener Bettwäsche, jedes Stück ungefähr 8 mal 15 Zentimeter groß, Geschenk einer guten Bekannten. Ich habe es geschafft, kaum ein Fitzelchen des Stoffes übrigzulassen. Außerdem habe ich Stücke eines taubenblauen Herrenhemdes verarbeitet. Gequiltet habe ich ein unregelmäßiges Gittermuster, ebenso imperfekt wie der Patchwork-Untergrund.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Miniquilt – eine Fingerübung, die auf dem Esszimmertisch einen guten Platz gefunden hat. Das nächste Improv-Uni-Quiltprojekt habe ich schon im Kopf…